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Zum Nachdenken hatten die beiden Lebensretter keine Zeit

Pfaffenhofenvon Klaus Thomas Heck HSt

Ein paar ver­kohlte Holz­balken und ange­sengte Mau­erstücke: Viel ist von dem Dach­stuhl des alten Fach­werk­hauses, das Anfang der Woche in Pfaf­fen­hofen-Weiler nie­der­ge­brannt ist, nicht übrig geblieben. Dass nichts Schlim­meres pas­sierte, ver­dankt die Bewoh­nerin zwei jungen Türken.

„Ach je“, meint Bun­jamin Yil­drim und schaut auf die Brand­ruine. „Sind wir jetzt so wichtig, dass da gleich die Presse kommen muss? Das ist doch eigent­lich ganz normal, bei sowas zu helfen.“ Als er in der Nacht zum Dienstag kurz nach 1 Uhr heim­kehrt in die Lin­den­straße, ist alles ganz normal. 20 Minuten später brennt das alte Fach­werk­haus gegenüber lich­terloh.

1.30 Uhr. Akin Yil­drim (21) ver­sucht gerade ein­zu­schlafen, als er lautes Knis­tern hört. „Ich dachte erst, da lärmt ein Betrun­kener.“ Doch weil das Kna­cken nicht leiser wird, schaut er aus dem Fenster - und ent­deckt, dass im Dach­stuhl des Alt­baus ein Feuer lodert.

Angst? Nicht Akin Yil­drim. Schließlich arbeitet er als Werk­stoffprüfer bei der Bra­cken­heimer Härterei Reese und ist den Umgang mit Brenn­barem gewöhnt. „Ich habe keine Angst vor dem Feuer. Höchs­tens Respekt.“ Der 21-Jährige zieht sich Hose und Schuhe an, weckt Mutter Perihan und Schwester Tevran: „Ruft Hilfe!“ Und schon ist er nach draußen ver­schwunden.

Sein Bruder Bun­jamin (30) alar­miert die Feu­er­wehr­leit­stelle, dann eilt auch er zum Nach­bar­haus. Dass der Dach­stuhl längst lich­terloh brennt - egal. Akin Yil­drim klin­gelt kurz. Doch zum Warten bleibt keine Zeit. Weil die Bewoh­nerin, eine 84-Jährige, sich nicht meldet, tritt der junge Türke kur­zer­hand die Tür ein. Küche, Wohn­zimmer, Schlaf­zimmer. Raum für Raum durch­sucht er das Gebäude nach der Frau.

Die schläft noch - und hat Glück im Unglück. Die Holztür, die das Schlaf­zimmer mit dem bren­nenden Trep­pen­haus ver­bindet, ist geschlossen. So breiten sich Rauch und Qualm nur im ersten Stock aus.

Als die beiden Männer herein stürmen, ist die Frau ver­wirrt. Während sie noch fragt, wo's denn brennt, trägt Bun­jamin Yil­drim sie auch schon hucke­pack ins Freie („Dis­ku­tieren kann man später“) und packt sie in eine warme Decke.

Wie gefährlich der Ein­satz war, zeigt sich bereits zwei Minuten später. Da zer­platzen wegen der Hitze die ersten Dach­ziegel und stürzen als glühende Geschosse herab. Und weil direkt über dem Haus eine Strom­lei­tung verläuft, fliegt die Siche­rung raus. Strom­aus­fall in der Lin­den­straße.

„Das war sehr mutig“, meint Ger­hard Stuber, Kom­man­dant der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr. Mit drei Dut­zend Hel­fern sind die Abtei­lungen von Weiler und Pfaf­fen­hofen, Rot­kreuz, Not­arzt und Polizei später vor Ort. Der Dank an die Lebens­retter ist groß. Ob sie Helden sind? Akin Yil­drim grinst: „Unsere Schwester hält uns für Voll­idioten, dass wir das ris­kiert haben. Aber ich würde es jeder­zeit wieder tun. Haupt­sache, unserer Nach­barin geht es gut.“ Sein Bruder nickt: „Zum Nach­denken hatten wir eh keine Zeit.“