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Wenn die Feuerwehrsirene den nächtlichen Schlaf raubt

Bad Rappenauvon Karoline Beck HSt

Fried­lich schläft ganz Fürfeld. Plötzlich reißt ein Heulton die Bürger gna­denlos aus den Träumen. Kurz danach sind davon­brau­sende Autos zu hören. Der Sire­nen­alarm ruft nicht nur in den Rap­pen­auer Teil­orten die Feu­er­wehr auf den Plan. Auch nachts.

Was sich vor kurzem in Fürfeld ereig­nete, ist in ländli­chen Gemeinden des Land­kreises Heil­bronn selbst zu nacht­schla­fender Stunde noch gang und gäbe: Nach einem Alarm wurden Roll­laden hoch­ge­zogen, die Men­schen hinter den Fens­tern schauten dem ausrückenden Feu­er­wehr­auto nach. Man­chem um seinen Schlaf gebrachten Bürger mochte diese Art der Alar­mie­rung rückschritt­lich vor­kommen. Man­cher mag sich verärgert gefragt haben, ob die Feu­er­wehr in unserer hoch tech­ni­schen Zeit nicht auch dis­kreter gerufen werden kann. Sie kann, aber trotzdem gibt es im Land­kreis Heil­bronn noch immer zahl­reiche Ort­schaften, die ihre Wehr mit der Sirene zusam­men­rufen, obwohl das auch per Mel­de­empfänger ginge. Betroffen sind auch sämtliche Stadt­teile von Bad Rap­penau. Zum Bei­spiel stehen in Fürfeld den 29 Feu­er­wehr­frauen und -Männern nur 13 Mel­degeräte zur Verfügung. Ihr Feu­er­wehr­kom­man­dant Harald Rein­hardt sieht es aus einer anderen Warte: „Ich halte das für eine gefährliche Sache, wenn man sich nur auf den Melder verlässt. Beson­ders in dem Fall, wenn viele Leute gebraucht werden, ist die Alar­mie­rung mit der Sirene sicherer. Auch der­je­nige, der ein Mel­degerät hat, ist nicht immer erreichbar.“

Gerd Gug­golz, stell­ver­tre­tender Kom­man­dant der Bad Rap­pen­auer Feu­er­wehr, sieht hier eher ein finan­zi­elles Pro­blem. Es lohne sich nicht, noch mehr der momentan gängigen Fern­mel­de­empfänger anzu­schaffen, weil der Bund ab 2008 das ganze System ändere. Dann werde über andere Fre­quenzen gesendet und nicht wie bisher über das Netz der Post. Das betreffe neben der Feu­er­wehr auch die Polizei. Gug­golz meint: „Die Geräte sind in ein paar Jahren Müll. Es wäre keine sinn­volle Inves­ti­tion, weil man weiß, dass dann neue ange­schafft werden müssen.“ Nur die Feu­er­wehr­leute der Kern­stadt Bad Rap­penau haben Mel­degeräte. Dies sei wegen der Anwohner gerecht­fer­tigt, meint Gug­golz: „Wir haben hier jährlich etwa 80 Einsätze. Da kann man nicht mehr über die Sirene alar­mieren.“ Die Feu­er­wehren in den Stadt­teilen würden jährlich nur fünf bis sechs Mal gerufen. „Lohnt es sich da, 20 000 Euro pro Ein­heit aus­zu­geben?“ Außerdem werde die Feu­er­wehr bei klei­neren Einsätzen nicht mit der Sirene alar­miert. „Hier gibt es ganz klare Richt­li­nien, wann die Sirene oder das Mel­degerät benutzt werden muss“, betont der Vize­kom­man­dant. Die Gemeinden hätten hier keine Wahl: „Es hängt von der Art des Ein­satzes ab. Der Dis­po­nent hat keine freie Möglich­keit; er muss sich an das Alarm­stich­wort halten.“

Aber gene­rell stelle sich die Frage, ob dann, wenn ein Mensch in Not sei und so viele Helfer wie möglich zusam­men­ge­rufen werden müssten, ein Sire­nen­alarm nicht doch ver­tretbar sei. Ob nach der Umstel­lung des Sys­tems die Gemeinden flächen­de­ckend auf eine stille Alar­mie­rung über­gehen können, bleibt abzu­warten. Gug­golz: „Wir werden mit dieser Situa­tion noch eine ganze Weile so wei­ter­leben müssen.“