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Spatenstich beendet die Zitterpartie

Güglingenvon Thomas Dorn HSt

Es ist Güglin­gens bedeu­tendstes kom­mu­nales Hoch­bau­pro­jekt, und „für lange Zeit auch das letzte“, so Bürger­meister Klaus Die­te­rich. Der sym­bo­li­sche Spa­ten­stich mar­kierte jetzt den Bau­start für das neue Feu­er­wehr­haus und den neuen Bauhof. Im Spätsommer 2005 sollen sie fertig sein.

Zunächst Son­nen­schein, dann wieder Regengüsse und ein peit­schender Wind: Wech­sel­haft wie das Wetter am Mon­tag­nach­mittag war auch die Vor­ge­schichte des Pro­jekts. Denn über den Bau eines neuen Domi­zils für die Feu­er­wehr wird in Güglingen seit 20 Jahren dis­ku­tiert. Damals wurde ein Anbau an das bestehende Gebäude mit dem Hin­weis abge­lehnt, dass Ende der 80er Jahre ohnehin ein Neubau vor­ge­sehen sei. Schlappe 15 Jahre später wird er tatsächlich ange­packt.

Gleich­wohl mussten die Flo­ri­ansjünger bis zuletzt zit­tern. In der jüngsten Gemein­de­rats­sit­zung, sechs Tage vor dem Spa­ten­stich, hatte die FUW-Frak­tion - wie berichtet - noch­mals größte Bedenken ange­meldet. Sie bezwei­felt, dass die einst fest­ge­legte Kos­ten­ober­grenze von 7,5 Mil­lionen Mark (heute rund 3,8 Mil­lionen Euro) ein­ge­halten werden kann. Erst nach langer Debatte stimmte sie mehr­heit­lich der Ver­gabe der Bau­aufträge zu - ein Ver­halten, das bei Feu­er­wehr­kom­man­dant Man­fred Rapp auf wenig Verständnis stieß. „Für uns ist nicht nach­voll­ziehbar, was sich diese Leute denken mit ihrer per­ma­nenten Verzögerungs­taktik“, kri­ti­sierte er vor zahl­rei­chen Gästen.

Bürger­meister Die­te­rich („In diesen Zeiten ist es legitim, genau auf die Kosten zu achten“) geht davon aus, dass man mit den anvi­sierten Kosten aus­kommen wird. Er wies darauf hin, dass Ver­wal­tung und Gemein­derat zugleich daran gelegen ist, „vor­bild­lich zu bauen“. Dach­begrünung, nied­riger Ener­gie­be­darf, even­tuell auch eine Pho­to­vol­ta­ik­an­lage auf dem Dach des Bau­hofs sind dazu die Stich­worte. Das Vor­haben, Erdwärme aus dem Abwas­ser­kanal nutzbar zu machen, wurde wegen der Kosten wieder ver­worfen.

Der Standort im Gewer­be­ge­biet Och­sen­wiesen steht seit Jahren fest. „Es gibt keinen zen­tra­leren Platz auf unserer Mar­kung“, unter­strich Klaus Die­te­rich - zumal hier später auch die neue Zaber­tal­straße ver­laufen werde. Dass in unmit­tel­barer Nach­bar­schaft eine große römische Sied­lung samt Mithras-Hei­ligtum aus­ge­graben wurde, hat das Pro­jekt nicht gefährdet, aber doch verzögert. Der Bau­be­ginn wurde noch­mals ver­schoben.

Regie­rungs­vi­zepräsident Horst Rapp sagte dafür Dank: „Nicht überall stoßen wir auf so viel Verständnis.“ Die 300 000 Euro, die das Land für die Feu­er­wehr zuschießt, nannte er eine „große Summe“. Immerhin ist die Feu­er­wehrförde­rung ange­sichts leerer Kassen stark zurückge­fahren worden: von einst 35 auf jetzt noch 19 Mil­lionen Euro. Doch bei der Wehr, so Rapp, „muss die Spar­sam­keit ihre Grenzen haben“ - im Inter­esse der Bevölke­rung.

Den „finan­zi­ellen Klimmzug“ der Stadt aner­kannte auch FDP-Bun­des­tags­ab­ge­ord­neter Harald Leibrecht, der auch für die Land­tags­kol­legen Fried­linde Gurr-Hirsch (CDU) und Ingo Rust (SPD) sprach.

Heil­froh, dass end­lich gebaut wird, ist Gesamt­wehr­kom­man­dant Man­fred Rapp. Er erin­nerte daran, dass schon 1989 der Neubau bean­tragt worden sei. „Danach ging es Schlag auf Schlag“, so Rapp iro­nisch: „Ein Tief­schlag nach dem anderen.“ Das neue Gebäude werde funk­tio­nell und solide sein. „Wir wollten keinen Palazzo Feurio.“

Kleine Miss­stim­mung am Rande: Am Morgen des Spa­ten­stichs war es zwi­schen Bürger­meister Die­te­rich und Archi­tekt Dieter Gut­ten­berger in der Frage, zu wel­chen Kon­di­tionen Gut­ten­berger die Bau­lei­tung über­nimmt, zu Dif­fe­renzen gekommen. Dar­aufhin strich Die­te­rich das Grußwort des Archi­tekten kur­zer­hand aus dem Pro­gramm.

Foto: Im Spätsommer 2005 sollen Feu­er­wehr­haus und Bauhof fertig sein: Bürger­meister, Poli­tiker und Ver­treter von Stadt und Feu­er­wehr beim sym­bo­li­schen ersten Spa­ten­stich in den Och­sen­wiesen. (Foto: Monika Scheffler)