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Böckinger Böcke

Heilbronnvon Carsten Friese HSt

Die Fron­leichnam-Pro­zes­sionen standen bevor, doch was sich am Böckinger Ran­gier­bahnhof abspielte, war eher eine Art Katz- und Maus-Spiel der beson­deren Art. Die Haupt­figur: ein Reh­bock. In den Neben­rollen: Jagdpächter, Veterinärarzt, Feu­er­wehr und die Polizei.

Am Montag kam er, der erste Alarm durch auf­ge­regte Anwohner: Ein Reh­bock hatte sich in ein Bau­ma­te­ri­al­lager am Ran­gier­bahnhof ver­irrt. Der Veterinärarzt wurde verständigt. Er sollte den Bock mit einem Betäubungs­ge­wehr nie­der­stre­cken, um ihn wohl­be­halten in Wald und Flur zurückzu­bringen. Doch was geschah bis zum Ein­treffen des Arztes? Der Bock war weg. Am Diens­tag­abend dann erneuter Reh­bock-Alarm in Böckingen, an glei­cher Stelle. Dieses Mal rückte die Feu­er­wehr an. Böcke ein­fangen steht nor­ma­ler­weise nicht auf dem Dienst­plan. Ein span­nender Wett­lauf begann. Am Ende ver­schanzte sich der Vier­beiner nahe dem Recy­clinghof in einer Dor­nen­hecke. End­ergebnis: unent­schieden.

22.30 Uhr. Die Polizei trifft am Tatort ein und teilt der Feu­er­wehr mit, dass der Bock zum Abschuss durch einen Jäger frei­ge­geben sei. Da lässt die Feu­er­wehr den Bock im Gebüsch und tritt dezent den Rückzug an.

Ob der Jagdpächter, der sich am nächsten Tag auf die Lauer legte, den Reh­bock geschossen hat, ist über den Fei­ertag nicht über­lie­fert. Doch eins ist nach der Geschichte unzwei­fel­haft belegt: Wer sich mit Böckinger Böcken anlegt, braucht zuweilen einen langen Atem.