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Aus Rückschlägen gestärkt für die Gegenwart

Gemmingenvon Nicole Theuer HSt

125 Jahre Frei­wil­lige Feu­er­wehr Gem­mingen: Mit einem kurz­wei­ligen Ban­kett begann am Frei­tag­abend das dreitägige Jubiläums­fest. Im Fest­zelt freute sich Kom­man­dant Karl-Richard Sorg über zahl­reiche Abord­nungen der umlie­genden Feu­er­wehren.

In seiner Rede ließ Kom­man­dant Sorg die wech­sel­volle Geschichte einer der ältesten Feu­er­wehren im Umkreis Revue pas­sieren. Dank der fast vollständig erhal­tenen Pro­to­kollbücher - ledig­lich eines ging in den letzten Tagen des Zweiten Welt­krieges ver­loren - konnten die Flo­ri­ansjünger ihre Geschichte fast lückenlos rekon­stru­ieren.

So wurde in den Anfangs­jahren größter Wert auf Dis­zi­plin und Ord­nung gelegt. Mit­glieder, die bei Brand­einsätzen ohne aus­rei­chende Ent­schul­di­gung gefehlt hatten, wurden rücksichtslos bestraft. In den Anfangs­jahren der Feu­er­wehr wurden bei Übungen nicht nur die Löschmaßnahmen geübt, son­dern wurde auch das Exer­zieren groß geschrieben.

Geschichte hin­gegen schrieb die Gem­minger Feu­er­wehr Ende des 19. Jahr­hun­derts, als Hein­rich Betz Bürger­meister und Kom­man­dant in Per­so­nal­union war. In diese Zeit fiel auch der erste Großein­satz der Gem­minger Wehr: 1888 musste sie zu einem mehrtägigen Großein­satz nach Großgartach ausrücken. Auch beim „Gem­minger Hagel­schlag“ 1897 dau­erte der Ein­satz meh­rere Tage, um die Schäden, die ein ver­hee­rendes Unwetter binnen einer halben Stunde ange­richtet hatte, notdürftig zu besei­tigen.

Nachdem 1910 der Brand im Gem­minger Schul­haus dank der Hilfe der Steb­ba­cher Wehr noch bekämpft werden konnte, musste die Feu­er­wehr in der Zeit des Ersten Welt­kriegs ihre erste schwere Phase über­stehen. Ab 1919 wurde die Wehr wieder auf­ge­baut und durch­lebte in den 20er Jahren mit der Welt­wirt­schafts­krise ihre schwärzeste Phase, wie das Pro­to­koll der Gene­ral­ver­samm­lung vom April 1924 bezeugt: „Ein Rechen­schafts­be­richt konnte nicht ver­lesen werden, weil alles durch die Infla­tion ver­loren ging.“

Einen erneuten tiefen Ein­schnitt in die Gem­minger Feu­er­wehr­ge­schichte bedeu­tete der Zweite Welt­krieg, denn nach dessen Ende verspürten die Gem­minger Männer wenig Lust, jemals wieder eine Uni­form zu tragen, so dass sich der erneute Wie­der­aufbau schwierig gestal­tete.

Einen Mei­len­stein mar­kierte die Erstel­lung der Gem­minger Was­ser­ver­sor­gung, die den Flo­ri­ansjüngern ihre Arbeit auch in der heu­tigen Zeit wesent­lich erleich­tert. Bemer­kens­wert war auch der Umbau des Gärtner­hauses des Schlosses in ein Gerätehaus, denn diesen bewerk­stel­ligten die Männer in Eigen­regie in der rekord­verdächtigen Zeit von nur zwei Wochen. Nachdem dieses Gerätehaus zu klein geworden war, konnte die Wehr im Jahr 1977 ihr jet­ziges Domizil beziehen.

Beson­ders stolz zeigte sich Kom­man­dant Sorg über die Gründung der Jugend­feu­er­wehr im Jahr 1988. Der Gem­minger Löschnach­wuchs zählt der­zeit 38 Mit­glieder, so dass der Fort­be­stand der Abtei­lung gesi­chert ist. Seine Freude über den guten Aus­bil­dungs­stand der Wehr äußerte Gem­min­gens Bürger­meister Timo Wolf. In seiner Lau­datio wies er darauf hin, dass in der heu­tigen Zeit nicht die Brand­einsätze das Gros der Feu­er­wehr­ar­beit dar­stellten, son­dern Gefahrgut und Unfälle das Risiko für die Ret­tungskräfte erhöht haben. „Heut­zu­tage braucht die Feu­er­wehr zwei Vor­aus­set­zungen für die Zukunft. Zum einen das rich­tige Mate­rial, zum anderen ehren­amt­liche Mit­ar­beiter“, so der Rat­haus­chef. Er sicherte zu, dass sich die Gemeinde not­wen­digen Anschaf­fungen in der Zukunft nicht ver­schließen werde.

Ausrüstung im übert­ra­genen Sinn brachte der Vor­sit­zende des Kreis­feu­er­wehr­ver­bandes, Rein­hold Korb, mit nach Gem­mingen. Er über­reichte Kom­man­dant Karl-Richard Sorg eine alte Glocke, wie sie früher benutzt worden ist, um die Aktiven zu Einsätzen zu rufen: Damit Sorg „bei Sit­zungen für Ruhe sorgen kann“.