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Am Himmel brennen Christbäume

von Barbara Barth HSt

An den Schick­salstag der Heil­bronner erin­nern sich die Neckar­sulmer zwar, aber der 1. März 1945, als ihre Stadt in Schutt und Asche gelegt wurde, ist in all ihren Chro­niken natürlich präsenter.

Mit vier Löschfahr­zeugen und 40 Mann leistet die Neckar­sulmer Feu­er­wehr der Nach­bar­stadt Heil­bronn Hilfe am 4. Dezember 1944 und in den nach­fol­genden Tagen. Über Neckar­gartach und den Kanal­hafen kommen sie bis zum Fir­mengelände Hagen­bu­cher in der Kra­nen­straße. In die bren­nende Stadt­mitte dringen sie anfangs nicht vor.

Vier Tage lang dauert der Ein­satz, die Ruhe­stunden sind kurz. In der Jubiläums­schrift der Neckar­sulmer Feu­er­wehr zum 125-jährigen Bestehen ist nach­zu­lesen, dass die Firmen Bruck­mann in der Ler­chen­straße 46, Wei­sert & Daur in der Inns­bru­cker Straße 12-16 und Baier & Schneider in der Woll­haus­straße 60 Ein­satz­orte der Neckar­sulmer Wehr sind.

Dr. Karl Bach­lechner, von 1923 bis 1930 Chef­arzt des Städti­schen Kran­ken­hauses Neckar­sulm, und danach in glei­cher Funk­tion in Heil­bronn tätig, kommt bei dem Luft­an­griff auf Heil­bronn ums Leben. Mit einem seiner Söhne gehört er zu den fast 7000 Opfern.

Schon wenige Wochen zuvor, am 10. Sep­tember, ist Heil­bronn Ziel eines großen Angriffs gewesen. Auch hier eilen Neckar­sulmer Feu­er­wehr­leute zu Hilfe. In der Bahn­hofs­vor­stand, in der Frank­furter Straße, wird der Neckar­sulmer Feu­er­wehr­mann Jakob Gnann bei einem Decken­ein­bruch verschüttet. Wenige Wochen später erliegt er seinen schweren Ver­let­zungen.

Hilfe kommt auch aus den Reihen der Rot­kreuzler. Wer nicht ein­ge­zogen ist, also in erster Linie Frauen, werden zur Hilfe in Heil­bronn ver­pflichtet. Aus­ge­bil­dete Schwes­tern­hel­fe­rinnen sind in diesen Tagen beson­ders gesucht.

Eindrückliche Erin­ne­rungen an den Abend des 4. Dezember 1944 hat die heute 76 Jahre alte Gisela Mühlbeyer. Als 16-jähriges Mädchen lebt sie mit ihren Eltern in Stein am Kocher. „Nach einem Flie­ger­alarm, der damals gang und gäbe war, gingen wir gegen 19 Uhr auf die Veranda“, erzählt die heu­tige Heil­bron­nerin. „Der Himmel sah aus wie Weih­nachten, voller Leucht­ku­geln, als ob tau­sende von Christbäumen brannten.“ Die Deto­na­tionen aus dem weit ent­fernten Heil­bronn sind noch in Stein so stark, dass beim Nach­barn das Scheu­nentor hin und her vibriert„, erin­nert sich Gisela Mühlbeyer.

Dies sind im übrigen ihre ersten Eindrücke von Heil­bronn gewesen. “Ich war vorher nie dort, vom Land kam man nicht so leicht dort hin.„ Und auch später ver­gehen noch viele Jahre, ehe sie die “Stadt mit dem Weih­nachts­himmel am 4. Dezember„ das erste Mal sieht

Foto: Aufräumar­beiten in der zerstörten Kai­ser­straße: Tau­sende kamen täglich nach Heil­bronn um zu helfen, die Trümmer der zerstörten Stadt aufzuräumen.