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Abschied nach exakt 42,49 Dienstjahren bei der Polizei

von Franziska Feinäugle HSt

Seit Mit­ter­nacht ist ein neuer Mann für die Sicher­heit der rund 450 000 Unterländer ver­ant­wort­lich: Hartmut Grasmück (49) hat Gerd Born­schein (60) als Chef der Unterländer Polizei abgelöst.

„Ich räume keine hehren Träume bei­seite“, sagt Gerd Born­schein, der Mann mit dem tro­ckenen Humor und der lyri­schen Ader, nachdem er beim fei­er­li­chen Amts­wechsel in der Heil­bronner IHK ein Gedicht von Eugen Roth zitiert hat. „Ich räume so gegen 24 Uhr ledig­lich meinen Schreib­tisch, so dass Sie, Herr Grasmück, um 0 Uhr nahtlos wei­ter­ma­chen können. . .“ Und über­gibt seinem Nach­folger zur Sicher­heit ein Ersatz-Sor­ti­ment Chef-Schul­ter­klappen.

Der Bra­cken­heimer Hartmut Grasmück, zuletzt Refe­rats­leiter im Innen­mi­nis­te­rium, lässt sich nicht nur will­kommen heißen: Ein „Will­kommen“ ruft er in seiner Rede auch schon den Kol­le­ginnen und Kol­legen der Auto­bahn- und Was­ser­schutz­po­lizei zu, die im Zuge der Ver­wal­tungs­re­form im Januar 2005 der Heil­bronner Poli­zei­di­rek­tion zuge­schlagen werden.

Bürger­ori­en­tie­rung auf der einen Seite, alte Tugenden wie Kor­rekt­heit, Zuverlässig­keit und Freund­lich­keit auf der anderen Seite sind dem neuen Polizei-Chef wichtig, der vor genau 30 Jahren und einem Monat schon einmal seinen Dienst in Heil­bronn ange­treten hat - damals nicht als Chef, son­dern als Abitu­rient und Polizei-Neu­ling.

Exakt 42,49 Dienst­jahre hat das Lan­desamt für Besol­dung dem schei­denden Polizei-Chef Born­schein attes­tiert. Für diese Zeit dankt Innen­mi­nister Heri­bert Rech dem 60-Jährigen, nicht ohne ausführlich Born­scheins Ver­dienste aufzuzählen und sich laut zu fragen, „ob es über­haupt ver­tretbar ist, einen so dyna­mi­schen Mann in den Ruhe­stand zu ver­ab­schieden“.

Die kürzeste Würdi­gung von Born­scheins vier­ein­halbjähriger Chef-Zeit in Heil­bronn gelingt Poli­zeipräsident Konrad Jelden: „Gerd Born­schein, ein Rad fah­render Wein­lieb­haber, hat's ein­fach toll gemacht.“ Heil­bronns Lei­tender Ober­staats­an­walt Volker Link spielt auf die Erfin­dung der Polizei-Bene­fiz­kon­zerte unter Born­schein an und mutmaßt, dass es „auch im Ruhe­stand musi­ka­lisch wei­ter­gehen“ werde: „Sie werden lernen, die zweite Geige zu spielen.“

Dass „gerade in kon­junk­tu­rell schwa­chen Zeiten Sicher­heit ein wich­tiger Wirt­schafts­faktor ist“, betont Heil­bronns Oberbürger­meister Helmut Him­mels­bach. Und weil der Polizei-Per­so­nal­rats­vor­sit­zende Erich Weiß mit Blick in die Zukunft Bedenken äußert, „dass die Ver­sor­gung der Bevölke­rung mit innerer Sicher­heit zu wünschen übrig“ lassen könnte, erwi­dert ihm der neue Chef: „Lassen Sie uns ein­fach auch mal etwas aus­pro­bieren.“

Foto: Der Neue und der Alte: Hartmut Grasmück (l.) mit seinem Vorgänger Gerd Born­schein (r.) und Poli­zeipräsident Konrad Jelden. (Foto: Dirks)