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1000 Tage nach 9. Sept.: Feuerwehr beklagt Stillstand

von DFV Pressedienst

Pres­se­infor­ma­tion Nr. 28/2004 vom 7. Juni 2004

Berlin ? ?Seit den ver­hee­renden Ter­ror­anschlägen vom 11. Sep­tember sind am mor­gigen Dienstag 1000 Tage ver­gangen ? aber nichts ist pas­siert! Deutsch­land reibt sich weiter im föderalen Hick­hack auf, statt end­lich die nötigen Kon­zepte umzu­setzen. In der ABC-Abwehr, beim Digi­tal­funk und in der Was­serförde­rung für große Brände und bei Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen klaffen dra­ma­ti­sche Sicher­heitslücken?, beklagt Hans-Peter Kröger, Präsident des Deut­schen Feu­er­wehr­ver­bandes (DFV).

Kröger: ?Eines der besten und leis­tungsfähigsten Gefah­ren­ab­wehr­sys­teme der Welt steht an ent­schei­denden Stellen nackt da ? und die Bürger werden uns fragen, warum unser System an diesen Knack­punkten ver­sagt hat. Fach­leute der Feu­er­wehren und der Innen­mi­nis­te­rien haben nach dem 11. Sep­tember 2001 und nach der Hoch­was­ser­ka­ta­strophe 2002 schnell die Lücken auf­ge­deckt und Kon­zepte ent­wi­ckelt. Doch Bund und Länder streiten noch immer über Risi­ko­ana­lysen. Letzt­end­lich geht es darum, wer die Umset­zung der Kon­zepte bezahlt ? und ein Ergebnis ist nicht absehbar.?

Bei­spiel ABC-Abwehr: ?Die Feu­er­wehren verfügen inzwi­schen über ein bun­des­weites Netz an modernsten Erkun­dungs­fahr­zeugen ? aber uns fehlt die Mess­leit­technik, und uns fehlt ein ein­heit­li­ches Tak­tik­kon­zept, nach dem unsere Kräfte für den Ein­satz nach Kampf­stoff­anschlägen aus­ge­bildet werden können. Beides wäre mit ver­gleichs­weise geringem Auf­wand rea­li­sierbar?, erklärt Feu­er­wehrpräsident Kröger.

Auch in anderen Berei­chen warten die Feu­er­wehren drin­gend auf neue Technik für die Kata­stro­phen­ab­wehr. So fehlen spe­zi­elle Löschfahr­zeuge für die ABC-Züge sowie Hoch­leis­tungs­pumpen für Indus­triebrände und Hoch­wasser.
Kri­tisch beäugen die Feu­er­wehren die Einführung des Digi­tal­funks. Kröger: ?Das System kommt Jahre zu spät, und jede neue Kata­strophe wird ent­schei­dende Kom­mu­ni­ka­ti­onslücken offen­baren. Beim Hoch­wasser 2002 sind dadurch Ein­satzkräfte in Lebens­ge­fahr geraten. Wei­tere Verzögerungen können wir uns also nicht leisten. Über­dies haben wir Bedenken, dass alle Erfor­der­nisse der Feu­er­wehren in dem Sprech- und Daten­funk­system auch berücksich­tigt werden. Bei einer Bil­lig­ver­sion ist das mehr als frag­lich.?

Rah­men­be­din­gungen für Frei­wil­lige Feu­er­wehren ver­schlech­tern sich

Schlei­chender Mit­glie­der­schwund, dro­hende Ver­schlech­te­rungen beim Ver­si­che­rungs­schutz, Bürokratie bei der Lkw-Maut sowie eine wei­tere Verschärfung der Führer­schein­klassen durch die EU ver­schlech­tern außerdem die Arbeits­be­din­gungen der 24.100 Frei­wil­ligen Feu­er­wehren mit mehr als einer Mil­lion ehren­amt­li­chen Hel­fern. ?Sie aber sind das Rückgrat des Kata­stro­phen­schutzes. Ohne die Frei­wil­ligen Feu­er­wehren vor Ort gäbe es weder auf dem Land schnelle Hilfe, noch in den Städten eine aus­rei­chende Reserve bei Anschlägen wie in Madrid oder Natur­ka­ta­stro­phen wie dem Orkan ,Anita? im Sommer 2002?, betont Kröger.

Der Feu­er­wehrpräsident hat in den beiden ver­gan­genen Wochen bei einer Exper­tenanhörung der SPD-Bun­des­tags­frak­tion, bei CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­neten sowie zuletzt am Freitag im Gespräch mit dem rhein­land-pfälzi­schen Minis­terpräsidenten Kurt Beck auf die Pro­bleme hin­ge­wiesen.

Kröger: ?All? unsere Bemühungen fruchten nichts, wenn nicht end­lich die überfälligen Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dungen getroffen werden. Ich möchte es keinem Feu­er­wehr­mann und keiner Feu­er­wehr­frau zumuten, im Not­fall hilflos zu sein, weil nie­mand Ver­ant­wor­tung für ihre Aus­bil­dung und für ihre Ausrüstung über­nehmen will.? Der DFV ver­tritt die 1,38 Mil­lionen Angehörigen der Berufs-, Werk- und Frei­wil­ligen Feu­er­wehren sowie der Jugend­feu­er­wehren.

Pres­se­kon­takt: Sönke Jacobs, Telefon (030) 20674804, E-Mail
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