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250kg Sprengbombe im Ortskern

Einsatz der Feuerwehren Oedheim, Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Möckmühl, Leingarten und EppingenGefahrgut am von Sven Kübler, Feuerwehr Oedheim

Eva­ku­ie­rung for­dert Großauf­gebot an Ret­tungskräften

Im Orts­kern beim alten Friedhof wurde ges­tern am 15.03.2017 kurz nach 16:00 Uhr bei Bau­ar­beiten eine 250kg Flie­ger­bombe aus dem 2. Welt­krieg gefunden.

Im ersten Schritt wurde von der Feu­er­wehr der Fundort abge­sperrt und die zuständigen Stellen alar­miert. Nach Ein­treffen der Polizei stimmte sich die Ein­satz­lei­tung der Feu­er­wehr und der Polizei über das wei­tere Vor­gehen ab.

Als der alar­mierte Kampf­mit­telräumdienst an der Ein­satz­stelle ein­ge­troffen war, erkun­dete dieser den Spreng­satz um das wei­tere Vor­gehen fest­zu­legen. Das Fund­ob­jekt wurde vor­sichtig vom Kampf­mit­telräumdienst frei­ge­legt um den genauen Typ zu erkennen und daraus die not­wen­digen Maßnahmen abzu­leiten. Nach dem Frei­legen war klar, dass es sich um einen intakten ame­ri­ka­ni­schen Spreng­satz aus dem zweiten Welt­krieg han­delte. Dieser muss vor Ort entschärft werden um ihn abtrans­por­tieren zu können. Die Ein­satz­lei­tung von Polizei und Feu­er­wehr wurden unter­richtet in einem Radius von 300m um den Fundort herum alle Per­sonen zu eva­ku­ieren.

Nach der ersten Einschätzung wurde damit gerechnet, dass ca. 1500 Per­sonen von dieser Eva­ku­ie­rung betroffen sind. Zum einen bestand die Schwie­rig­keit darin, diese Anzahl an Per­sonen aus diesem Gebiet heraus zu befördern, zum anderen mussten schnellstmöglich aus­rei­chend Not­un­terkünfte vor­be­reitet werden um dieser Per­sonen dort hin zu ver­bringen. Um dieses logis­tisch zu meis­tern, wurden meh­rere Ein­satz­ab­schnitte gebildet. Der erste Ein­satz­ab­schnitt kon­zen­trierte sich auf die Eva­ku­ie­rung der Per­sonen, der zweite Ein­satz­ab­schnitt war für die Koor­di­na­tion der Busse ver­ant­wort­lich und der dritte Ein­satz­ab­schnitt war für die Not­un­terkünfte zuständig. Als Zeit­plan wurde defi­niert, dass für die Eva­ku­ie­rung rund drei Stunden benötigt werden, für die anschließende Vor­be­rei­tung der Entschärfung ca. 30min und für die eigent­liche Entschärfung ca. eine Stunde benötigt wird. Danach kann der Rücktrans­port ver­an­lasst werden.

Im ersten Schritt wurden nun der Eva­ku­ie­rungs­ra­dius in vier Sek­toren ein­ge­teilt und soge­nannte Unter­ab­schnitte gebildet. In jedem dieser vier Sek­toren wurde ein Sam­mel­platz defi­niert, an wel­chem sich die zu eva­ku­ie­renden Per­sonen ein­finden sollen um durch Busse zu den Unterkünften befördert zu werden. Par­allel dazu wurden über Bus­un­ter­nehmen die Trans­port­mittel orga­ni­siert und ein zen­traler Bereit­stel­lungs­platz im Bereich der L1088 ein­ge­richtet, von wel­chem die Busse zu den ein­zelnen Sam­mel­punkten ent­sendet werden konnten. Die L1088 wurde dar­aufhin voll gesperrt um den Bussen an der Bus­wen­de­platte im Neu­berg eine rei­bungs­lose An- und Abfahrt zu gewährleisten. Um ein Ver­kehrs­chaos zu ver­hin­dern, wenn diese Anzahl an Per­sonen zeit­gleich das Eva­ku­ie­rungs­ge­biet ver­lassen, wurde darauf ver­zichtet die Per­sonen anzu­weisen, eigenständig mit PKWs das Gebiet zu ver­lassen. Eine Viel­zahl tat dies aller­dings trotzdem um bei Bekannten und Ver­wandten unter­zu­kommen. Das befürch­tete Ver­kehrs­chaos blieb Gott sei Dank aus und es kam ledig­lich zu leichten Staus auf Oed­heims Straßen, die gesäumt von Ret­tungs­fahr­zeugen waren.

Zeit­gleich wurde über alle Medien sowie der App „NINA“ eine Bevölke­rungs­war­nung her­aus­ge­geben mit der Bitte, dass alle betrof­fenen Per­sonen den Gefah­ren­be­reich ver­lassen sollen und sich am Sam­mel­platz ein­finden.

Da nicht vor­aus­ge­sagt werden konnte, wie viele Per­sonen sich aktuell in dem 300m Radius befinden und eben­falls wie viele Per­sonen sich an die Sam­melplätze begeben und in Not­un­terkünfte unter­ge­bracht werden mussten, wurden vom Ein­satz­ab­schnitt Not­un­ter­bringen Hallen in Oed­heim und Bad Fried­richs­hall vor­be­reit um die geschätzte Anzahl von 1500 Men­schen unter­zu­bringen. Eben­falls wurden Getränke und Lebens­mittel geor­dert um die Eva­ku­ierten ver­sorgen zu können.

Die alar­mierten Kräfte der Feu­er­wehr Oed­heim und der Polizei wurden um 18:30Uhr in die ein­zelnen Sek­toren ent­sandt um mit Laut­spre­cher­durch­sagen und per Fußtruppe die Per­sonen aus dem Gefah­ren­be­reich zu eva­ku­ieren.

Der Führungs­stab des Land­kreise Heil­bronn hatte mitt­ler­weile in Feu­er­wehr­haus in Oed­heim die Arbeit auf­ge­nommen und begann mit der Unterstützung der örtli­chen Ein­satz­lei­tung. Es wurde eine Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struktur, eine Lage­dar­stel­lung und wei­tere Infor­ma­tionen im Stab zusam­mengeführt um ein Bild über die Lage zu bekommen.

Bei Beginn der Eva­ku­ie­rung wurden wei­tere Kräfte der Feu­er­wehr hauptsächlich mit ELWs hin­zu­ge­zogen, damit zu jeder Not­un­ter­kunft sowie in den ein­zelnen Ein­satz­ab­schnitten eine zen­trale Stelle als Ansprech­partner zur Verfügung stand. Der Ein­satz­ab­schnitt Eva­ku­ie­rung wurde über den ELW2 beim Gerätehaus koor­di­niert. Der Abschnitt Trans­port wurde über den ELW 1 aus Bad Fried­rich­hall im Beriech L1088, Ein­fahrt Neu­berg, geleitet. Wei­tere Kräfte aus Bad Rap­penau, Möckmühl und Bad Fried­rich­hall bil­deten die Schnitt­stellen zu den Not­un­terkünften.

Ab dem Zeit­punkt liefen alle Infor­ma­tionen im Führungs­stab und der Ein­satz­lei­tung zusammen. In der Ein­satz­lei­tung waren Ver­treter der Feu­er­wehr, der Polizei, des DRK sowie des THW um die jewei­ligen Ein­satz­aufträge ent­gegen zu nehmen. Dies waren bei­spiels­weise Trans­port­aufträge von Per­sonen die nicht eigenständig ihr Haus ver­lassen konnten oder auch Aufträge zur Aus­leuch­tung von diversen Plätzen im Ort.

Um 19:00Uhr fand die erste Bespre­chung der Lei­tung und des Stabes statt, welche dann immer zur vollen Stunde ein­be­rufen wurde um alle Ein­satzkräfte auf den aktu­ellen Stand zu bringen. Das DRK mit seinem orga­ni­sa­to­ri­schen Leiter und dem lei­tenden Not­arzt nahm par­allel zur lau­fenden Eva­ku­ie­rung zusammen mit Mit­ar­bei­tern der Gemeine die ersten Per­sonen in den Not­un­terkünften ent­gehen und betreute diese zusammen mit der Seel­sor­ge­ein­heit. Eben­falls bereitet sich das DRK, wel­ches aus dem kom­pletten Land­kreis Heil­bronn angerückt war, auf einen MANV vor, sollte die Entschärfung nicht wie geplant ablaufen. Zum Glück mussten wir dieses Register nicht ziehen, aber die Ein­satzkräfte waren auf das Schlimmste vor­be­reitet.

Im wei­teren Ver­lauf des Ein­satzes berei­tete sich die Feu­er­wehr eben­falls auf den „Worst­case“ vor. Da die Oed­heimer Ein­satzkräfte und Fahr­zeuge in der Eva­ku­ie­rung gebunden waren, wurden von Bad Fried­richs­hall und von Neckar­sulm ein Halbzug und ein Löschfahr­zeug im Orts­ge­biet bereit­ge­stellt. Eine Ein­heit deckte den Bereich östlich der Fund­stelle ab, die andere Ein­heit wurde west­lich bei kath. Gemein­de­haus in Stel­lung gebracht. Diese Ein­heiten sicherten zum einen den Grund­schutz der Gemeinde ab, sollte ein zeit­kri­ti­scher Ein­satz hin­zu­kommen und standen eben­falls zur Verfügung, wenn die Entschärfung miss­lungen wäre.

Bei der zweiten Stab­be­spre­chung um 20:00Uhr kam bereits die Mel­dung dass zwei Sek­toren kom­plett eva­ku­iert sind und die wei­teren zwei Sek­toren ca. zur Hälfte abge­ar­beitet sind. Der Führungs­stab berei­tete sich dann auf seine eigene Eva­ku­ie­rung aus dem Gefah­ren­ge­biet vor, da das Feu­er­wehr­haus ca. 150m Luft­linie vom Fundort ent­fernt war. Hierzu wurde das kath. Gemein­de­haus vor­be­reitet um nach der kom­pletten Eva­ku­ie­rung die Arbeit dort wei­terzuführen. Eben­falls ver­legten die Polizei und das DRK ihre Ein­satz­lei­tung und ihre Fahr­zeuge in den Bereich Gemein­de­haus/EDEKA.

Bei der zweiten Bespre­chung um 21:00 konnte bis auf einen Kran­ken­trans­port der bereits im Gange war Vollzug der Eva­ku­ie­rung gemeldet werden. Somit wurde auch der zuvor fest­ge­legte Zeit­plan von drei Stunden besser als geplant ein­ge­halten. Dar­aufhin ver­legten die Ein­satzkräfte zum katho­li­schen Gemein­de­haus. Par­allel wurde eine Kotroll­fahrt durch die Feu­er­wehr sowie eine Kon­trolle durch die Polizei durchgeführt, damit man die dop­pelte Sicher­heit hatte, dass der kom­plette Gefah­ren­be­reich geräumt ist. Alle Zufahrts­straßen in den Gefah­ren­be­reich wurden durch die Polizei und die Feu­er­wehr abge­rie­gelt. Nachdem beide Orga­ni­sa­tionen ihr ok gemeldet hatten, begann der Kampf­mit­telräumdienst nach Zeit­plan kurz nach 21:30Uhr mit der Entschärfung der Bombe.

Nach rund 30min kam der erlösende Anruf, dass die Bombe entschärft wurde und nun ver­laden werden konnte. Nach dem Abtrans­port wurde die Sper­rung des Gefah­ren­be­rei­ches auf­ge­hoben und die Busse brachten die Eva­ku­ierten Per­sonen wieder zurück an die Sam­melplätze. Zeit­gleich wurde die Auf­he­bung der Bevölke­rungs­war­nung ver­an­lasst, sowie eine Pres­se­mit­tei­lung heraus gegeben, dass die Eva­ku­ie­rung auf­ge­hoben ist.

Die Ein­satzkräfte been­deten ihren Ein­satz und rückten wieder nach und nach ab.

Im Ein­satz waren ins­ge­samt rund 350 Ein­satzkräfte von Feu­er­wehr, Polizei, DRK und THW.

Die Feu­er­wehr Oed­heim möchte sich an dieser Stelle noch­mals bei allen ein­ge­setzten Kräften für die pro­fes­sio­nelle und rei­bungs­lose Zusam­men­ar­beit bedanken. Eben­falls gilt unser Dank der kath. Kir­chen­ge­meinde für das schnelle zur Verfügung stellen des Gemein­de­hauses.

Nicht zuletzt bedanken wir uns bei allen Ein­woh­nern für das Verständnis sowie bei Allen die in irgend­einer Weise zu dem rei­bungs­losen Ablauf bei­getragen haben. Wir waren auf das Schlimmste vor­be­reitet aber mussten Gott sei Dank nicht darauf zurückgreifen.