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Wie kommt der Schweiß aus der Jacke?

von Thomas Dorn, HSt

Eine Luft­tem­pe­ratur von 30 Grad, eine Luft­feuch­tig­keit von 50 Pro­zent: Die Werte würden auch zu einem nor­malen Som­mertag passen. Doch in der großen Kli­ma­kammer der Hohen­stein-Insti­tute wird es dem Redak­teur in seinem Feu­er­wehr­schutz­anzug allmählich warm. Das Lauf­band unter den Füßen hält ihn in Trab, und die Strah­lungs­wand, nur einen guten Meter vom Körper ent­fernt, bul­lert mit satten 60 bis 70 Grad. Die Jacke hält die Hitze ab, den­noch beginnt der Körper kräftig zu schwitzen.

"Das sind die klas­si­schen Bedin­gungen in Brandnähe", sagt Dr. Jan Beringer. Der Diplom-Che­miker und Wis­sen­schaft­liche Leiter am Bönnig­heimer Tex­til­for­schungs­in­stitut ist ver­ant­wort­lich für ein jetzt ange­lau­fenes For­schungs­vor­haben, bei dem es um die Opti­mie­rung von Feu­er­wehr­schutz­klei­dung geht. Das Pro­jekt ist auf zwei Jahre ange­setzt und wird vom Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­rium finan­ziert. Wie viel Geld fließt? "Das geht in die Hun­dert­tau­sende", sagt Beringer. 20 Leute im Hause mischen mit.

Schutz vor Hitze

Heu­tige Feu­er­wehr­ja­cken und -hosen, jeden­falls die Top-Modelle, bieten den Brandbekämpfern bei Einsätzen bestmögliche Abschir­mung vor der Hitze. Sie bestehen aus einer Che­mie­faser, die nicht brennt und nicht schmilzt, sowie einer Wat­tie­rung. Das Pro­blem besteht darin, dass diese Wat­tie­rung nach außen und innen iso­liert. Der Feu­er­wehr­mann strengt sich an, seine Körper­tem­pe­ratur steigt, er pro­du­ziert Schweiß, der aber nicht ver­dampft und damit auch nicht zur Kühlung bei­tragen kann. Die Folge: Unter der Feu­er­wehr­klei­dung gibt es einen Wärme- und auch einen Feuch­te­stau. Und der Körper droht zu über­hitzen. "Es sterben mehr Feu­er­wehr­leute den Hit­zetod als durch Feuer", weiß Jan Beringer.

Basis­daten

Solche Tests in der Kli­ma­kammer, wie sie der Redak­teur als Pro­band an diesem Vor­mittag am eigenen Leib mit­er­lebt, lie­fern den Fach­leuten Basis­daten, zeigen den Ist-Zustand auf. Meh­rere auf der Haut auf­ge­klebte Fühler messen die Tem­pe­ratur zwi­schen Klei­dung und Körper sowie die Feuch­tig­keit. Inner­halb von knapp 20 Minuten steigt die Feuchte von 72 auf fast 100 Pro­zent an. Der Körper pro­du­ziert unter der Klei­dung Schweiß, "aber ich krieg ihn nicht weg", sagt Beringer. Im Ein­satz sei es des­halb sehr wichtig, dass sich Feu­er­wehr­mann oder -frau immer wieder vom Brand­herd zurückziehen und sich abkühlen. "Dann können sie wieder rein."

Ziel des For­schungs­pro­jekts ist es, eine Unter­klei­dung zu ent­wi­ckeln, die den ther­mi­schen Kom­fort ver­bes­sert und dafür sorgt, dass der Feu­er­wehr­mann nicht so schnell über­hitzt. Mit einer Schicht, die den Schweiß auf­saugt, und einer Schicht, die ihn wei­ter­trans­por­tiert. Wie diese Schicht beschaffen sein muss? Beringer lächelt: "Genau das müssen wir her­aus­finden."

Ein zweiter Aspekt des For­schungs­vor­ha­bens: Die Feu­er­wehr­klei­dung soll − was bis­lang nur ein­ge­schränkt möglich ist − auch gewerb­lich waschbar werden. Ohne dass sich die Schutz­ei­gen­schaften ändern. "Das Mate­rial darf zum Bei­spiel nicht ver­klumpen", sagt Beringer. Wie so vieles bei seiner Arbeit emp­findet er auch das als ein "super span­nendes Thema".

Bild: Lauf­band und Strah­lungs­wand: Ver­suche mit Test­per­sonen, in diesem Fall dem Redak­teur, sind für Hohen­stein-Mit­ar­beiter Thomas Fiala Rou­tine. (Foto: Guido Sawatzki)