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Von der Arbeit zum Unfall in drei Minuten

Neuenstadt a.K.von Reiner Köller, HSt

Immer wieder wun­dern sich Bewohner im Ver­wal­tungs­raum Neu­en­stadt über einen weißen Ford Mondeo, der mit einem Magnet­blau­licht auf dem Dach und Tatütata unter­wegs ist. Tatsächlich han­delt es sich bei den Fahr­zeug­insassen nicht um haupt­amt­liche Poli­zisten, Feu­er­wehr­leute oder Sanitäter, son­dern um so genannte Helfer vor Ort (HvO) des Deut­schen Roten Kreuzes.

Die HvOs gibt es inzwi­schen überall im Land­kreis Heil­bronn, wo die Anfahrts­zeiten der Ret­tungs­dienste unter bestimmten Umständen zu lange dauern könnten. Die Ehren­amt­li­chen fahren zu medi­zi­ni­schen Notfällen, zu Ver­kehrsunfällen und sogar zur Alko­hol­ver­gif­tung oder zum Brand­ver­letzten. Sie helfen, bis der Ret­tungs­dienst über­nimmt. Beim DRK-Orts­ver­band Neu­en­stadt gibt es mit den dor­tigen Bereit­schafts­lei­tern Jürgen Grimm und Norman Schneider solche Helfer zwar schon länger, doch die beiden sind berufstätig und des­halb werk­tags nicht ein­setzbar.

Tagespräsenz Des­halb kam den Neu­en­stadtern ein Vor­schlag von zwei Mit­glie­dern des DRK-Orts­ver­bandes Möckmühl gerade recht. Josef Stute und Georg Schultes sind aus­ge­bil­dete Ret­tungs­sanitäter und arbeiten bei der Firma Helbig in Neu­en­stadt. Der Betriebs­leiter und der Qualitätsma­nager bei der Medi­zin­tech­nik­firma boten an, die Tagespräsenz der Helfer vor Ort für die Gemeinden Neu­en­stadt, Hardt­hausen und Lan­gen­bret­tach zu erhöhen.

Seit April rücken Stute und Schultes nun bei Bedarf zu Notfällen aus. Zudem werden sie unterstützt von der Lager­lei­terin der Firma Helbig, Bärbel Rückert, die eine Aus­bil­dung als San-Hel­ferin hat. Josef Stute: "Manchmal gibt es zwei Wochen gar keinen Ein­satz, und dann haben wir drei Notfälle an einem Tag." Georg Schultes, der auch Kreis­be­reit­schafts­leiter ist, ver­zeich­nete 1800 HvO-Einsätze im ver­gan­genen Jahr im Land­kreis. Im Bereich des Orts­ver­bandes Neu­en­stadt waren es immerhin 136. "Rund ein Drittel davon leis­teten die HvO von der Firma Helbig", sagt Norman Schneider.

Sym­biose Das Trio Stute, Schultes und Rückert wird von den Kran­ken­kassen nicht bezahlt. Nur das Mate­rial wird über­nommen. Müssen sie die Ein­satz­zeit dann mit Über­stunden abgelten? "Nein", erklärt Josef Stute, "das über­nimmt die Firma." Warum macht Hil­de­gard Helbig so etwas? Die Chefin, eine gelernte Kran­ken­schwester, die auch schon Lei­terin einer Unfall­am­bu­lanz war, gründete ihre Firma vor 20 Jahren in Neu­denau. Vor einem Jahr zog das Unter­nehmen nach Neu­en­stadt um. Hil­de­gard Helbig zeigt sich bescheiden: "Meine Bereit­schaft, die Mit­ar­beiter frei­zu­stellen kann man als Sym­biose sehen." Einer­seits sehe sie das soziale Enga­ge­ment als ihre Pflicht an, und ande­rer­seits bleibe so der Kon­takt zum DRK bestehen. Außerdem wollte sie den Wunsch ihrer Mit­ar­beiter nicht abschlagen. Kreis­be­reit­schafts­leiter Schultes: "Es wäre schön, wenn es mehr solche Fir­men­chefs geben würde."

Bild: Fir­men­chefin Hil­de­gard Helbig (von links) unterstützt ihre Mit­ar­beiter Josef Stute und Georg Schultes, hier mit Norman Schneider vom DRK-Orts­ver­band Neu­en­stadt, als Helfer vor Ort. (Foto: Agentur Kochertal)