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Tiefgarage kann zum Labyrinth werden

Obersulmvon Gustav Döttling, HSt

Aus der Tief­ga­ra­gen­ein­fahrt und den Lichtschächten der großen Wohn­an­lage gegenüber dem Ober­sulmer Rat­haus quillt dichter Rauch. Ein Auto­fahrer fährt irri­tiert an der Gara­gen­ein­fahrt vorbei und hält auf dem Roh­ren­dorfer Platz neben einem Feu­er­wehr­mann. Neu­gierig bleiben einige Pas­santen stehen. "Nur eine Übung, Sie können ruhig rein­fahren", klärt Holger Herdeg, stell­ver­tre­tender Kom­man­dant der Feu­er­wehr Ober­sulm, den Haus­be­wohner auf.

Nebel­ma­schine Mit Zugführer Mat­thias Not­h­durft bereitet Herdeg am Diens­tag­abend die Ein­satzübung der Abtei­lung Ober­sulm vor. Die Nebel­ma­schine sorgt mit einem dichten Schwall Übungs­rauch in der Tief­ga­rage, in Fluren und Trep­penhäusern der Wohn­an­lage für starken Rauch. "Wir simu­lieren einen Pkw-Brand auf einem Tief­ga­ra­gen­stell­platz neben einem Licht­schacht", erläutert Herdeg. Weil Brand­schutztüren offen seien, dringe der Rauch in die Trep­penhäuser und schneide den Fluchtweg ab. "Ziel der Übung ist die Per­so­nen­ret­tung mit Hilfe der Dreh­leiter, die Löschung des Brand­herds in der Tief­ga­rage und eine Überprüfung der Was­ser­ver­sor­gung", sagt der stell­ver­tre­tende Kom­man­dant.

Kurz vor 20 Uhr gibt Herdeg den Ein­satz­be­fehl. Mit Blau­licht trifft als erstes Löschfahr­zeug das LF 8/6 ein. Grup­penführer Jürgen Hohl infor­miert sich beim heftig win­kenden "Haus­meister" über die Situa­tion und gibt seiner achtköpfigen Gruppe den Ein­satz­be­fehl. Die Männer legen ihre Atem­schutzgeräte an, bauen eine Schlauch­lei­tung zum Hydranten auf.

Die Dreh­leiter muss wenden. Das LF 8 und Schläuche blo­ckieren den Weg zu den Bal­konen, wo "Bewohner" auf ihre Ret­tung warten. Grup­penführer Ernst Dorsch lässt die Dreh­leiter über die Lang­feld­straße anfahren.

"Hilfe, Hilfe", simu­lieren Sebas­tian Niko­laus und Mehmet Tubai von der Jugend­feu­er­wehr auf dem Balkon im zweiten Stock ein­ge­schlos­sene Haus­be­wohner. "Die retten wir zuerst", ent­scheidet der Grup­penführer. Karl-Ulrich Vollert steuert den Dreh­lei­ter­korb und "rettet" die Sta­tisten.

Manöver­kritik "Die Tief­ga­rage hat 125 Stellplätze auf drei Etagen und ist ein rich­tiges Laby­rinth. Da kann man sich im Rauch ver­irren", sagt Herdeg. "Men­schen­ret­tung ja, aber bei der Brandbekämpfung bräuchten wir eine Voll­alar­mie­rung aller Ober­sulmer Abtei­lungen und zusätzlich externe Kräfte", lautet seine Erkenntnis aus dieser Übung mit 21 Ein­satzkräften und vier Fahr­zeugen in dem kom­plexen Gebäude. Zum Abschluss wird im Feu­er­wehr­haus ein Film über das Inferno bei echten Tief­ga­ra­genbränden in Den­ken­dorf und Stutt­gart gezeigt.

Bild: Mit der Dreh­leiter üben die Ein­satzkräfte, Men­schen von den Bal­konen im ersten und zweiten Stock zu retten. (Foto: Gustav Döttling)