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Quo vadis Katastrophenschutz - welchen neuen Herausforderungen müssen wir uns stellen?

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Marc Hoffmann, Medienteam KFV Heilbronn

Unter diesem Ober­thema stand eine Podi­ums­dis­kus­sion, die vom Kreis­feu­er­wehr­ver­band im Gebäude der AOK Heil­bronn-Franken ver­an­staltet wurde.

Flut­ka­ta­stro­phen, Erd­beben, Strom­ausfälle – solche Sze­na­rien sind meis­tens nur aus dem Fern­sehen bekannt. Dass aber auch Deutsch­land hier ver­wundbar ist, hat sich spätes­tens seit dem flächen­de­ckenden Strom­aus­fall im Münster­land 2005 gezeigt.

Kann der Kata­stro­phen­schutz ein sol­ches Sze­nario bewältigen? Für Chris­toph Unger, Präsident des Bun­des­amts für Bevölke­rungs­schutz, ist die Sach­lage klar: „Der Staat alleine schafft es nicht. Kern­punkt des Kata­stro­phen­schutzes ist nach wie vor der Gedanke, dass sich unsere Bevölke­rung auch selbst helfen können muss“.

Ist der Kata­stro­phen­schutz des­halb nicht leis­tungsfähig? Kei­nes­falls. „In keinem anderen Land der Welt sind Feu­er­wehr oder Ret­tungs­dienst so schnell bei den Betrof­fenen vor Ort, wie in Deutsch­land“, so Unger. Doch woran fehlt es dann? Für Unger liegt das Pro­blem auf einer ganz anderen Ebene.Seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich auch die Auf­ga­ben­stel­lung des Kata­stro­phen­schutzes gewan­delt; Bedro­hungen sind weg­ge­fallen, neue dazu gekommen. Wie wirkt sich in der heu­tigen Zeit bei­spiels­weise ein längerer Strom­aus­fall aus? Wie wird man bei­spiels­weise mit einem Ter­ror­an­schlag mit hun­derten Ver­letzten fertig, wenn man heute schon bei Unfällen mit 10 oder 15 Ver­letzten an seine Grenzen stößt?In Zeiten knapper Res­sourcen komme es dabei einer­seits vor allem auf die Zusam­men­ar­beit der ver­schie­denen Akteure im Bevölke­rungs­schutz an. Ande­rer­seits fehlt aber in Deutsch­land eine fun­dierte Ana­lyse, in der Wahr­schein­lich­keit eines Scha­den­ein­tritts, Aus­wir­kungen und Folgen genau unter­sucht werden.

Ein wei­teres Pro­blem liegt für Dr. Karsten Hom­rig­hausen, von der Lan­des­feu­er­wehr­ver­band für diese Dis­kus­sion nach Heil­bronn gekommen, auch in der Moral der Politik. „Der Anspruchs­ge­danke an die Ret­tungskräfte – die kommen und machen das schon – muss aufhören“ viel­mehr müssen auch wei­tere öffent­liche Stellen – bei­spiels­weise die Gesund­heitsämter bei den Anthrax-Ver­dachtsfällen nach dem 11. Sep­tember – aktiv für den Kata­stro­phen­schutz sen­si­bi­li­siert und mit ein­be­zogen werden. Auch dürfe der Kata­stro­phen­schutz keine „stiefmütter­liche“ Posi­tion inner­halb der Ver­wal­tungen haben. „In jeder städti­schen Kul­tur­ab­tei­lung sitzen mehr Leute, als in dem für den Kata­stro­phen­schutz zuständigen Fach­be­reich“.An einem ähnli­chen Punkt setzt auch Harald Schugt vom DRK-Kreis­ver­band Heil­bronn als Kata­stro­phen­schutz­be­auf­tragter an. Für ihn fehlt es vor allem an einer ein­heit­li­chen gesetz­li­chen Grund­lage für die ehren­amt­li­chen Helfer der Ret­tungs­dienste. Seien Feu­er­wehr­leute Kraft Gesetz bei Einsätzen von der Arbeit frei­ge­stellt, so gibt es für Angehörige der Ret­tungs­dienste keine solche Grund­lage. „Wie soll also der tolle neue Not­fall­kran­ken­wagen, den wir vom BBK erhalten haben, besetzt werden – wenn nie­mand der ehren­amt­li­chen Hel­fe­rinnen und Helfer zum mögli­cher­weise auch längeren Ein­satz kommt, weil die Arbeit­geber diese nicht gehen lassen?“

Mit dem selben Pro­blem haben auch Rainer Schwier­c­zinski, Vizepräsident des THW, und Harald Wiss­mann, Geschäftsführer des THW Heil­bronn-Franken, zu kämpfen. Gerade bei längeren Aus­lands­einsätzen ergebe sich oft das Pro­blem der langen Abwe­sen­heit vom Arbeits­platz; für die Arbeit­geber der Ein­satzkräfte oft ein finan­zi­elles Pro­blem.

Das Thema Geld spielt im Kata­stro­phen­schutz ohnehin auch eine Rolle. „Sind wir doch mal ehr­lich“, so Chris­toph Unger, „nach dem 11. Sep­tember hat man die Mittel für den Kata­stro­phen­schutz rapide auf­ge­stockt – und jetzt wird alles wieder suk­zes­sive abge­baut“.

Hier müsse sich die Politik klar werden, was der Kata­stro­phen­schutz in Deutsch­land sein und werden soll. „Ent­weder wir stellen einen leis­tungsfähigen Kata­stro­phen­schutz auf – dann kostet das Geld; oder aber wir lassen es“