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Proben für den Ernstfall

Eppingenvon Renée Ricarda Billau, HSt

Es ist kurz nach halb neun am Morgen. Die Klasse 10c zeichnet gerade die Mona Lisa. Plötzlich füllt sich der Flur mit schwerem Qualm. "Sehr nervös" sei sie gewesen, als an der teil­weise ver­glasten Tür immer mehr Rauch vor­bei­zieht, erzählt später Leh­rerin Cris­tina De Filippo. Von der Straße aus sieht man ihn aus einem Zimmer im ersten Ober­ge­schoss durch das Fenster nach außen dringen. Die Schüler der 10c im Raum nebenan öffnen die Fenster und halten eine große rote Karte raus: Das Zei­chen für unmit­tel­bare Gefahr.

Nicht ein­ge­weiht Was sie nicht wissen: Es ist alles eine Übung. Die Schule probt den Ernst­fall und weder Lehrer noch Schüler sind ein­ge­weiht. "Wir wollten alles so rea­lis­tisch wie möglich machen", sagt Schul­leiter Wolf­gang Neu­mann. Indes scharen sich die Klassen auf den drei Sam­melplätzen bei der Schule. "Wir haben gerade einen Film geschaut", sagt die 10-jährige Jac­que­line aus der fünften Klasse. Dann sei auf einmal der Alarm los­ge­gangen. "Wir sind dann schnell durch den Not­aus­gang nach draußen gegangen", erzählt sie weiter.

Inzwi­schen ist die Feu­er­wehr ein­ge­troffen und posi­tio­niert ein Auto vor dem Fenster. Die Dreh­leiter setzt sich in Bewe­gung. "Bisher läuft alles rei­bungslos", bewertet der Schul­si­cher­heits­be­auf­tragte Sieg­fried Schwarzer die Lage. Inner­halb von 15 Minuten rettet die Feu­er­wehr die 21 Schüler aus dem Klas­sen­zimmer. Nicole Frey wurde gerade mit einer Freundin auf der Dreh­leiter her­un­ter­ge­bracht. "Es war sehr auf­re­gend, am Anfang wussten wir gar nicht, was los ist", erzählt die 15-Jährige erleich­tert. Als letzte wird schließlich Leh­rerin De Filippo jubelnd von ihren Schülern in Emp­fang genommen. Außer der 10c werden noch zwei wei­tere, weniger gefährdete Klassen aus dem Ober­ge­schoss eva­ku­iert. "Zehn Minuten nachdem der Alarm ausgelöst wurde, konnten wir mit der Men­schen­ret­tung beginnen", sagt der Stadt­kom­man­dant Martin Kuh­mann. Seine Leute waren über den Zeit­punkt der Übung nicht infor­miert. Des­halb war der Ein­satz auch für sie ein wich­tiger Test. Ganz unver­mit­telt traf es die Eltern­bei­rats­vor­sit­zende Silvia Weiß, als eine besorge Mutter bei ihr anrief. "Ich bin dann sofort her­ge­fahren", erzählt sie.

Gut gerüstet Die Verständi­gung mit den Eltern ist eine der wenigen Schwach­stellen an diesem Tag. Diese auf­zu­de­cken, "war ja auch Sinn der Sache", sagt Neu­mann. Man habe auch erkannt, dass eine Men­schen­masse auf der Sam­mel­stelle direkt an der Straße die Feu­er­wehr behin­dern könnte. Aus Sicht der Feu­er­wehr sind außerdem die Fenster zu schmal. Den­noch zeigen sich die Ver­ant­wort­li­chen im Anschluss an die Übung sehr zufrieden. "Die Kom­mu­ni­ka­tion hat wun­derbar geklappt", sagen sowohl Neu­mann als auch Kuh­mann. Für den Ernst­fall sei man auf jeden Fall gut gerüstet.

Bild: Die Feu­er­wehr rettet die 21 Schüler mit der Dreh­leiter aus dem ersten Ober­ge­schoss. Diese wussten nicht, dass es sich um eine Übung han­delt. (Foto: Renée Ricarda Billau)