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Nicht nur Fischer stehen im Wasser

Leingartenvon Tanja Ochs und Adrian Hoffmann, HSt

Kurz nach halb acht am Sonn­tag­abend ging es los: Die Gewit­ter­wolken ent­luden sich mit aller Macht über dem Leintal. Beim Lein­gar­tener Fischer­fest bra­chen plötzlich regel­rechte Sturzbäche ins Zelt: "Es hat gegossen wie aus Kübeln", sagt Haupt­kas­sierer Bert­hold Unser. Während der Musik­verein Lein­garten unver­zagt bis 20 Uhr wei­ter­spielte, zogen die Gäste Schuhe und Strümpfe aus, um im knöchel­tiefen Wasser wei­ter­zu­feiern. "Beide Seen waren über­flutet", erklärt Unser. Einen ein Meter langen Aal ret­teten die Angler aus dem über­schwemmten Zelt zurück in die Tiefe des Eich­bot­t­sees.

19.45 Uhr ging der erste Notruf bei der Schwai­gerner Feu­er­wehr ein. Fünf Keller in der Kern­stadt, ein Haus in den Marienhöfen Rich­tung Mas­sen­bach, ein Indus­trie­be­trieb und die Lade­rampe des Han­dels­hofs mussten aus­ge­pumpt werden, bestätigt der Pres­se­spre­cher der Wehr, Volker Lang. 30 Männer und Frauen waren bis 1 Uhr im Ein­satz. "Wir sind glimpf­lich davon gekommen", resümiert Lang.

Kul­turgebäude Schlimmer sah es in der Nach­bar­ge­meinde aus, wo die Kame­raden 90 Einsätze inner­halb kürzester Zeit hatten. Der Lein­gar­tener Bürger­meister Ralf Stein­brenner legte in der Gewit­ter­nacht bis halb drei zusammen mit vielen Hel­fern am Kul­turgebäude Hand an, um den Schaden der Was­ser­massen so gering wie möglich zu halten. "Der Eich­bot­t­graben war ein reißender Bach", erin­nert sich Stein­brenner. 30 Zen­ti­meter hoch stand das Wasser vor der Tür des Kul­turgebäudes. Meh­rere Stunden waren Haus­meister, Feu­er­wehr und andere Helfer im Ein­satz, um die Türen mit Sandsäcken abzu­dichten und den Dreck zu besei­tigen.

Dank dieses Ein­satzes konnten die Erst- und Zweitklässler am Mon­tag­morgen ihre Klas­sen­zimmer wie gewohnt nutzen. "Haus­meister und Putz­frauen waren sehr tüchtig", erklärt Mareike Wie­denhöfer, Kon­rek­torin der Eich­bot­t­schule. Nur der Pau­senhof konnte ges­tern nicht genutzt werden. Dort waren die Schlamm­massen ebenso hartnäckig wie im Freibad nebenan, das bis ein­schließlich Don­nerstag, 10. Juni, wegen der Aufräumungs­ar­beiten geschlossen sein wird.

Freibad Die Schlamm­walzen von den Fel­dern waren für das Lein­gar­tener Freibad nicht das Pro­blem, aller­dings das Hoch­wasser des Lein­bachs. Es ist unglaub­lich, was die Brühe inner­halb weniger Minuten ange­richtet hat. "Kata­strophe", sagt Schwimm­meister Nor­bert Müller. Der Lein­bach sei 80 Meter breit gewesen, der Schlamm 30 Zen­ti­meter hoch. Das Kin­der­plansch­be­cken ist am Mon­tag­morgen noch von einer Matsch­schicht über­zogen. Das eigent­liche Pro­blem aber wird im Tech­nik­raum ersicht­lich. Teure Maschinen sind dem vielen Schlamm zum Opfer gefallen, mit der Elek­trik ist es momentan nicht mehr weit her. Das ist auch der Grund dafür, warum das Freibad bis Don­nerstag geschlossen bleibt.

Bild: Am Kul­turgebäude im Lein­gar­tener Eich­bot­t­zen­trum stand das Wasser nach dem Gewitter etwa 30 Zen­ti­meter hoch. (Foto: Oliver Laube)