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Nachts ein Rettungswagen weniger

Heilbronnvon Carsten Friese, HSt

Es ist kurios: Im Ret­tungs­dienst schafft das Rote Kreuz in Heil­bronn in den Nacht­stunden einen Ret­tungs­wagen ab, den es zuletzt offi­ziell gar nicht gab. Seit Anfang Oktober stehen in den drei Wachen Heil­bronns zwi­schen 22 und 8 Uhr nur noch zwei Ret­tungs­wagen des ASB mit Per­sonal für Notfälle bereit. Zwei Wagen − so, wie es der durch Gut­achter gestützte Bereichs­plan Not­fall­ret­tung für die Stadt als Bedarf vor­gibt. Nur diese zwei Wagen werden über das fest­ge­legte Jah­res­budget von Kran­ken­kassen, Unfall­ver­si­che­rungen und Berufs­ge­nos­sen­schaften finan­ziert.

Fahne hoch

Es waren drei. Aus Eigen­mit­teln hat der DRK-Kreis­ver­band in Heil­bronn über Jahre den dritten Ret­tungs­wagen betrieben. Weil man "die Fahne des DRK" auch nachts hoch­halten wollte, als die pri­vate − inzwi­schen aufgelöste − Franken Ambu­lance 1998 neu auf den Markt kam, wie Geschäftsführer Ludwig Land­zettel erläutert. Das DRK musste damals seinen Ret­tungs­wagen laut Bedarfs­plan nachts eigent­lich abschaffen. Man ent­schied sich dafür, den Wagen weiter ein­zu­setzen. Rund 100 000 Euro zahlte das DRK pro Jahr aus dem eigenen Gesamt­topf. Für eine Besat­zung, die auch auf einem Kran­ken­trans­port­wagen hätte fahren können. Die Ein­satz­leit­stelle habe dadurch "mehr Luft gehabt", blickt Land­zettel auf wei­tere Gründe.

Jetzt, durch stei­gende Kosten, zum Bei­spiel durch zu erset­zendes Per­sonal bei Zivil­dienst­stellen, sieht der DRK-Chef verstärkten Druck, zu sparen. Die nächt­liche "Über­ver­sor­gung" in Heil­bronn durch den dritten Ret­tungs­wagen wird abge­baut; die Besat­zung zunächst auf einen Kran­ken­wagen umge­setzt.

Im Schnitt waren es "zwei bis drei Einsätze nachts", sieht Land­zettel keine großen Pro­bleme durch den Abzug. An einer sicheren Ver­sor­gung der Bevölke­rung werde nicht Hand ange­legt. Wenn die zwei ver­blie­benen Wagen in Heil­bronn gleich­zeitig im Ein­satz seien, "kommt ein Wagen aus Plat­ten­wald, Ils­feld oder Bad Rap­penau".

Verständnis

In 95 Pro­zent aller Fälle muss ein Ret­tungs­wagen inner­halb von 15 Minuten am Unfallort sein. Ob diese Hilfs­frist künftig in Heil­bronn wie bisher ein­ge­halten wird, fragt sich ASB-Ret­tungs­dienst­leiter Werner Eckert. In Ein­zelfällen "kann es zu Über­schrei­tungen kommen", glaubt er. Man müsse sehen, wie es sich ent­wickle. Den Schritt des DRK kann er ver­stehen. Durch Ände­rungen im Zivil­dienst "werden erheb­liche Mehr­kosten ent­stehen". Skep­tisch sieht der Heil­bronner Spre­cher der Lei­tenden Notärzte die Ent­wick­lung. "Die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung wird geschwächt, das ist ein­fach so", sagt Dr. Georg Breuer. Er ver­weist darauf, dass bei einem schweren Unfall "schnell drei, vier Ret­tungs­wagen unter­wegs sind". Bei einer Reani­ma­tion habe man ein Zeit­fenster von wenigen Minuten, ehe Hirnschäden auf­treten.

Man sollte nie­manden ver­un­si­chern, mahnt AOK-Geschäftsführerin Michaela Lier­heimer. Ein Gut­achter habe den Bedarf für Heil­bronn mit zwei Ret­tungs­wagen berechnet. Jeder Ein­satz werde doku­men­tiert. Sollte die neue Struktur dazu führen, dass die Hilfs­frist nicht ein­ge­halten werde, "muss man prüfen, ob etwas zu kor­ri­gieren ist". Sie sieht aktuell keine Gefahr für Pati­enten. Im Not­fall könne ein Ret­tungs­hub­schrauber ange­for­dert werden.

Struktur Not­fall­ret­tung

Elf Ret­tungs­wa­chen gibt es in der Region, drei in der Stadt Heil­bronn, acht im Land­kreis (Bad Fried­richs­hall, Bad Rap­penau, Eppingen, Bra­cken­heim, Möckmühl, Löwen­stein, Ils­feld, Lauffen). Im Land­kreis steht in jeder Wache rund um die Uhr ein Ret­tungs­wagen bereit – bis auf Lauffen (nur tagsüber). Daran werde sich künftig nichts ändern, teilen DRK und ASB mit.Wie ähnlich große Städte wie Heil­bronn nachts mit Ret­tungs­wagen besetzt sind? In Reut­lingen stehen zwei Wagen bereit, in Pforz­heim und Ulm drei.