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Maßnahmenkatalog für die Zukunft der Abstatter Feuerwehr

Abstattvon Claudia Kostner, HSt

Feu­er­wehr­be­darfs­plan beschei­nigt Ein­satzkräften in Abstatt sehr guten Aus­bil­dungs­stand. Für die Aus­stat­tung wird zu Inves­ti­tionen in Höhe von 745 000 Euro geraten.

Die Frei­wil­lige Feu­er­wehr Abstatt ist gut auf­ge­stellt„, so das Fazit von Dr. Roland Demke. In Bezug auf die Aus­stat­tung, orga­ni­sa­to­risch und bei der Tages­verfügbar­keit ist aber durchaus noch Luft nach oben, wird in seiner Ist-Ana­lyse deut­lich. Der Leiter der Staat­li­chen Feu­er­wehr­schule Würzburg hat in Koope­ra­tion mit der örtli­chen Feu­er­wehrführung den ersten Feu­er­wehr­be­darfs­plan für die Gemeinde Abstatt erstellt. “Das soll ein gutes Werk­zeug sein, um die Ein­satz­be­reit­schaft auch in Zukunft zu erhalten„, lei­tete er seinen Vor­trag in der Gemein­de­rats­sit­zung ein.

In dem 82-sei­tigen Papier sind bis 2032 auch Inves­ti­tionen in Höhe von 745 000 Euro ent­halten. Größte Posten sind der Aus­tausch des Ein­satz­leit­wa­gens (Bau­jahr 2002) durch ein Mehr­zweck­fahr­zeug mit Führungs­aus­stat­tung für 130 000 Euro und die Ersatz­be­schaf­fung eines 520 000 Euro teuren Löschgrup­pen­fahr­zeugs LF20 AF für das rund 30 Jahre alte Tanklöschfahr­zeug. “Das sollten Sie zügig angehen, weil die Lie­fe­rung zur­zeit vier Jahre dauert„, riet Demke Ver­wal­tung und Gemein­derat. Ob die aktuell ange­setzten Preise zu halten seien, bezwei­felte er. “Die Erfah­rung zeigt: Es kann auch 50 Pro­zent teurer werden.„

Haupt­amt­liche Kraft für den Fuhr­park
Grundsätzlich sei der Fuhr­park der Abstatter Wehr mit sechs Fahr­zeugen “effi­zient„. Für War­tung und Pflege schlägt Roland Demke die Ein­rich­tung einer haupt­amt­li­chen Per­so­nal­stelle mit einem Anteil von 50 Pro­zent oder 520-Euro-Kräften vor.

Obwohl mit 5000 Ein­woh­nern eine relativ kleine Gemeinde, gibt es jede Menge Gefah­ren­po­ten­tial auf der Gemar­kung. In seiner Gefährdungs­ana­lyse hat Demke Brand-, Wasser- und ABC- sowie tech­ni­sche Gefahren aus­ge­macht: vom Pfle­ge­heim über Kin­dergärten, Hotels, Flücht­lings­un­terkünfte, Ver­samm­lungs- und Ver­kaufsstätten, Aus­sied­lerhöfe bis hin zu großen Gewer­be­be­trieben, die Che­mi­ka­lien, Lacke oder Kunst­stoffe her­stellen, Holz oder Möbel lagern.

Auch Stark­re­gen­er­eig­nisse machen den Ein­satz der Feu­er­wehr immer wieder erfor­der­lich. Der Experte rät zu einem pegelabhängigen Hoch­was­ser­ein­satz­plan.

Aktuell hat die Feu­er­wehr­ab­tei­lung 77 Mit­glieder. Ihnen beschei­nigte Roland Demke einen “sehr guten Aus­bil­dungs­stand ohne Defi­zite„. Das Durch­schnitts­alter liegt bei 37 Jahren. Vier der Feu­er­wehr­leute sind Frauen, deren Anteil könne noch gestei­gert werden, meint Demke. Die Alters­ab­tei­lung hat 25 Mit­glieder, die Jugend­feu­er­wehr 16. Um wei­teres Per­sonal zu gewinnen, solle die Gemeinde Anreize schaffen durch eine erhöhte Aner­ken­nung dieses beson­deren Ehren­amtes - Demkes Vor­schläge rei­chen vom kos­ten­losen Bezug des Amts­blattes bis zur Bevor­zu­gung bei der Ver­gabe von Bauplätzen.

Tages­verfügbar­keit ver­bes­sern
Zwei Löschgruppen, besetzt mit jeweils neun Leuten, kann die Abstatter Wehr bei Einsätzen stellen. “Das ist eine sehr gute Ein­satz­be­reit­schaft, aber nur die Grund­aus­stat­tung„, erklärte Demke. Des­halb werden jetzt schon die Berufs­feu­er­wehr Heil­bronn und die Feu­er­wehren Unter­grup­pen­bach und Ils­feld mit­al­ar­miert. Den­noch müsse der Alar­mie­rungs­plan auf wei­tere Kom­munen aus­ge­weitet werden. Vor allem bei der Tages­verfügbar­keit sieht der Lei­tende Brand­di­rektor Ver­bes­se­rungs­po­ten­tial. Eine Möglich­keit sei, Feu­er­wehr­angehörige bei Neu­ein­stel­lungen in der Gemeinde zu bevor­zugen. Zur­zeit kommen drei Mit­ar­beiter aus diesem Bereich, “Ziel sollte eine Staffel von sechs sein.„ Außerdem emp­fiehlt Demke die Umstel­lung auf Digi­tal­funk (20 000 Euro).

“Das Feu­er­wehr­haus gibt alles her„, lobte er Standort und Aus­stat­tung des 2005 erbauten Gebäudes. Ledig­lich klei­nere Schäden müssten besei­tigt werden. Zum Schutz der erheb­li­chen Werte sollte das Gebäude mit einer Brand­melde- und Ein­bruch­an­lage aus­ge­stattet werden, so sein Rat.

Von 2016 bis 2021 wurde die Truppe durch­schnitt­lich im Jahr 64 Mal alar­miert und war in der Regel in acht Minuten vor Ort. Vor­gabe sind zehn Minuten. In mehr als der Hälfte der Fälle musste sie tech­ni­sche Hilfe leisten, 29 Pro­zent waren Fehl­alarme, elf Pro­zent Brände. “In 98 Pro­zent aller Fälle war die Feu­er­wehr in der not­wen­digen Zeit und Stärke am Ein­satzort. Das sind sehr gute Werte„, erklärte der Experte.

Grund­lage für die Pla­nungen
Laut Feu­er­wehr­ge­setz von Baden-Württem­berg müssen Kom­munen eine “den örtli­chen Verhältnissen ent­spre­chende leis­tungsfähige„ Feu­er­wehr auf ihre Kosten auf­stellen, ausrüsten und unter­halten. Das heißt, sie müssen ihr Gefährdungs­po­ten­tial und ihre spe­zi­fi­sche Risi­ko­si­tua­tion ana­ly­sieren, um dann zu defi­nieren, wie die Feu­er­wehr besetzt und aus­ge­stattet sein soll. Grund­lage ist ein fun­dierter Bedarfs­plan, dem der Abstatter Gemein­derat jetzt ein­hellig zustimmte.“Qualität und Enga­ge­ment seien außergewöhnlich hoch„, lobte Bürger­meister Klaus Zenth seine Feu­er­wehr­leute. Er machte jedoch mit Blick auf die vor­ge­schla­genen Inves­ti­tionen auch auf die “nicht mehr so rosige„ finan­zi­elle Situa­tion von Abstatt auf­merksam: “Diese müssen wir immer im Hin­ter­kopf haben.„