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Kreisbrandmeister Uwe Vogel bewertet Einsatzverlauf bei Großbrand in Löwenstein positiv

Löwensteinvon Reto Bosch und Carsten Friese, HSt

In der Löwen­steiner Innen­stadt brannten am ver­gan­genen Sonntag vier Häuser. Schaden in Mil­lio­nenhöhe ent­stand. Im Gespräch mit Reto Bosch ana­ly­siert Kreis­brand­meister Uwe Vogel den Großein­satz von acht Wehren und mehr als 200 Feu­er­wehr­leuten.

Herr Vogel, haben Sie einen Ein­satz wie am ver­gan­genen Sonntag schon einmal erlebt?

Uwe Vogel: In meiner inzwi­schen fünfjährigen Amts­zeit als Kreis­brand­meister hatten wir keinen Ein­satz dieser Dimen­sion. Auch lan­des­weit kommen solche Brände sehr selten vor.Waren Sie mit dem Ein­satz­ver­lauf am Sonntag zufrieden?

Vogel: Der Ein­satz war sehr auf­wendig und kom­plex. Wenn man die schwie­rigen Rah­men­be­din­gungen betrachtet, war ich sehr zufrieden.

Wurde recht­zeitig nach­ge­meldet? Hätte die Heil­bronner Feu­er­wehr nicht früher mit wei­teren was­serführenden Fahr­zeugen ange­for­dert werden müssen?

Vogel: Als der Bedarf erkennbar war, wurden die Heil­bronner − wie alle anderen auch − sehr schnell nach­alar­miert. Ich kann keine Versäumnisse erkennen. Die Ver­ant­wort­li­chen erkannten die Schwere der Gefah­ren­lage sofort. Es ent­stand auch sehr schnell eine Führungs­struktur. Dass Löschwas­ser­be­darf bestand, wurde eben­falls erkannt und der ent­spre­chende Auto­ma­tismus ausgelöst.

Warum konnten die Flammen nicht daran gehin­dert werden, auf ins­ge­samt vier Gebäude über­zu­greifen?

Vogel: Fotos von einem frühen Sta­dium des Brandes beweisen, dass sich der Brand rasend schnell aus­ge­breitet hatte. Es blieb kaum Zeit zu reagieren. Dazu kommen ungünstige Rah­men­be­din­gungen. Die Häuser sind teil­weise anein­an­der­ge­baut, in dem Gebäude, wo das Feuer aus­brach, lagerten viele Kunst­stoff­rohre mit hoher Brand­last. Eine offene Holz­treppe ebnete dem Feuer sehr schnell den Weg ins Dach­ge­schoss. In einem derart alten Gebäude­be­stand fehlen auch die Brand­ab­schnitts­tren­nungen wie sie heute vor­ge­schrieben sind.

Gab es recht­zeitig Innen­an­griffe, um die Aus­brei­tung zu stoppen?

Vogel: Die Atem­schutzträger waren in der Anfangs­phase in aus­rei­chender Zahl im Ein­satz. Schwie­rig­keiten berei­tete die enorme Hit­ze­ent­wick­lung in den Gebäuden, zum Teil mussten sich die Atem­schutzträger wieder zurückziehen.

Welche Lehren ziehen Sie aus dem Großbrand?

Vogel: Wir werden den Ein­satz gründlich nach­ar­beiten und jedes Ver­bes­se­rungs­po­ten­zial nutzen. Wir wollen das so schnell wie möglich tun.

Am Sonntag stand zu wenig Wasser zur Verfügung. Nicht wegen leerer Hochbehälter, son­dern weil das Lei­tungs­netz über­lastet war. Ein ver­brei­tetes Pro­blem?

Vogel: Ja. Das kann in allen Kom­munen pas­sieren. Die gesetz­li­chen Vor­gaben an ein Lei­tungs­netz, die die Städte und Gemeinden erfüllen müssen, sind nicht allzu hoch. Diese Vor­schriften erfüllt Löwen­stein bei weitem. Ein Brand dieser Dimen­sion ver­ur­sacht aber einen viel höheren Bedarf.

Die Feu­er­wehr­leute arbei­teten bis zur Erschöpfung. Wie groß ist das Risiko ?

Vogel: Das Risiko ist enorm. Bei sol­chen Bränden sind auch schon Feu­er­wehr­leute ums Leben gekommen. Bei Innen­an­griffen müssen die Aktiven tief ins Gebäude ein­dringen.Das früh von den Flammen betrof­fene Eckgebäude war großflächig mit Pho­to­vol­ta­ik­mo­dulen bestückt. Welche Folgen hatte dies für die Arbeit der Feu­er­wehren?

Vogel: Es gibt drei Pro­blem­punkte. Die Dach­haut ist schwer zu öffnen, was den Lösch­an­griff von der Dreh­leiter aus erschwert. Die Module können nach unten rut­schen, wenn die Hal­te­rungen beschädigt werden. Und: Solar­zellen kann man nicht abschalten, sie pro­du­zieren ständig Strom und gefährden so die Ein­satzkräfte.

Kom­man­danten stützen Vogel

Die Feu­er­wehr­kom­man­danten im Land­kreis unterstützen Kreis­brand­meister Uwe Vogel, dessen erste, fünfjährige Amts­zeit ausläuft. Das sagte Rein­hold Gall, Vor­sit­zender des Kreis­feu­er­wehr­ver­bands. In nichtöffent­li­cher Sit­zung habe sich eine breite Mehr­heit für den 53-Jährigen aus­ge­spro­chen. „Die Kom­man­danten sind mit der Arbeit zufrieden“, erklärt Gall. Es sei keine fach­liche Kritik an Vogel laut geworden. Sorgen bestünden, ob der Kreis­brand­meister zeit­lich über­for­dert ist. Für diesen Fall gebe es vom Landrat die Zusage, Orga­ni­sa­ti­ons­struk­turen zu verändern. Gall geht davon aus, dass Vogel dem Kreistag für eine zweite Amts­pe­riode vor­ge­schlagen wird.

Berufs­feu­er­wehr zu alar­mieren ist keine Pflicht

„Es gibt keine Vor­schriften oder Alarmpläne, dass man bei einem bestimmten Brand eine Berufs­feu­er­wehr hin­zu­ziehen muss.“ Dies sagte Lan­des­brand­di­rektor Her­mann Schröder auf Stimme-Nach­frage. In man­chen Gegenden gebe es gar keine Berufs­feu­er­wehr oder sie habe lange Anfahrts­wege. Der zuständige Gemein­de­kom­man­dant oder der Kreis­brand­meister ent­scheiden über die wei­tere Alar­mie­rung. Die Frei­wil­ligen Feu­er­wehren „müssen eine gleiche Leis­tungsfähig­keit wie eine Berufs­feu­er­wehr haben“, sagt Schröder. Und dies sei „gegeben“.Schröder bestätigt, dass ein lokales Was­ser­netz bei einem Großbrand an seine Grenzen stoße. Nach den Vor­schriften sei die Löschwas­ser­ver­sor­gung über Hydranten für einen nor­malen Löschein­satz aus­ge­legt. Ein Durch­fluss von 800 bis 1200 Liter Wasser pro Minute sei die Norm. Bei einem Großbrand „ist das wenig“, so Schröder. Dass man dann Wasser über wei­tere Ent­fer­nungen zum Brandort trans­por­tieren müsse, „ist normal“.

Egal ob eine Gemeinde eine fremde Frei­wil­lige Wehr oder eine Berufs­feu­er­wehr alar­miert, die Kosten sind gleich. Berechnet werden 20 Euro pro Ein­satz­kraft und Stunde. Geht der Ein­satz über drei Stunden, kann zusätzlich eine Stunde pro Kopf für die Wie­der­her­stel­lung der Ausrüstung berechnet werden. Rund 200 Feu­er­wehrkräfte waren am Sonntag in Löwen­stein im Ein­satz.