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Hitzegewitter löst Emotionen aus

Heilbronnvon Joachim Friedl, HSt

Am Tag nach dem schweren Hit­ze­ge­witter vom Sonn­tag­abend war die Auf­re­gung vor allem in Heil­bronn-Fran­ken­bach groß. Die Kritik aus der Nacht am Hoch­was­ser­schutz, als das Wasser die Mühlwiese über­flutet hatte, durch die Back­haus- und Neu­wie­sen­straße geströmt und ein Keller in der Bam­berger Straße voll­ge­laufen war, entlud sich tele­fo­nisch bei der Ver­wal­tung und in der Redak­tion der Heil­bronner Stimme. Vom Rat­haus wurden alle Vorwürfe zurückge­wiesen. Dass an dem Abend in Fran­ken­bach viele Emo­tionen im Spiel waren, belegt die Aus­sage von Eber­hard Jochim, Chef der Berufs­feu­er­wehr: "Fran­ken­bach war easy. In Biberach ging es aber zur Sache."

Gefühls­wal­lungen "Da baut man für 3,5 Mil­lionen Euro am Rot­bach ein Regenüber­lauf­be­cken − und dann so was", schimpft Werner Hoff­mann und denkt an die Nacht zurück. Was den langjährigen Kom­man­danten der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Fran­ken­bach derart in Rage bringt, ist aus seiner Sicht die Tat­sache, dass die auf Auto­ma­tik­be­trieb und Was­ser­mengen für ein 100-jähriges Hoch­wasser ein­ge­stellten Schieber des Beckens nicht frühzei­tiger geschlossen wurden: "Um halb zehn wurde der Beckenwärter von Bürgern auf­ge­for­dert, den Schieber runter zu lassen. Aber er hat sich gewei­gert, weil es dafür keine Anwei­sung vom Vor­ge­setzten gab. Das gibt es doch nicht", schüttelt Hoff­mann, der für die CDU im Bezirks­beirat sitzt, fas­sungslos den Kopf.

Rücken­de­ckung "Das ist eine Frech­heit", legt der 70 Jahre alte Ulrich Wei­den­mann aus der Back­haus­straße nach. Aus dem Rückhal­te­be­cken sei jede Menge Wasser geschossen. Erst gegen halb zwölf sei schließlich der Schieber runter gegangen. "Ein Frosch hat mehr Rechte als ein Mensch", erregt sich Wei­den­mann noch Stunden danach.

"Die Men­schen ver­stehen das System nicht. Wir haben in der Nacht das maximal Mögliche getan", weist Jako­bine Biehl vom Amt für Straßenwesen die Vorwürfe zurück. Den Wärter nimmt die Fach­frau für Son­der­bauten in Schutz: "Er hat planmäßig gehan­delt."

Rücken­de­ckung gibt es von Bürger­meister Hajek: "Es wurde alles richtig gemacht." Er betonte, dass 50 Pro­zent des Hoch­was­ser­schutzes im Leintal noch nicht gebaut seien. Hajek findet klare Worte für jene Bürger, die jetzt kri­ti­sierten, aber lokale Maßnahmen blo­ckierten. Dass der am Rot­bach bis jetzt ver­wirk­lichte Schutz gewirkt habe, ver­deut­licht Biehl mit einer Zahl: "25 000 Kubik­meter Wasser wurden als Seefläche vor dem Becken zurückge­halten."

Stadt­teil­wechsel Ganz anders fallen die Reak­tionen aus Biberach aus, obwohl das Som­mer­ge­witter hier wesent­lich stärker gewütet hatte. Wasser und Schlamm von den Fel­dern sorgten vor allem in der Mühlgasse und auf der Bon­felder Straße für Land unter. "Erde und Häckselgut haben die Schächte ver­stopft. Das Wasser lief in meine Garage und in den Keller. Hier stand es 50 Zen­ti­meter hoch", zeichnet Klaus Zanon die Lage nach. Den Ein­satz der Feu­er­wehr lobt der Biber­acher in den höchsten Tönen und streicht die Nach­bar­schafts­hilfe heraus: "Das war alles her­vor­ra­gend." Nur eine Sache mahnt Zanon an: "Biberach benötigt drin­gend ein wei­teres Rückhal­te­be­cken." Hilfe ver­spricht Bürger­meister Hajek: "Am 25. Juni ist Spa­ten­stich mit Umwelt­mi­nis­terin Gönner für eines der größten Becken west­lich des Stadt­teils."

Bild: Auch der langjährige Fran­ken­ba­cher Kom­man­dant der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr, Werner Hoff­mann, war ges­tern im Dau­er­ein­satz. (Foto: Dittmar Dirks)