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Herr der 1000 Schläuche: Das war mal

Eppingenvon Alexander Hettich, HSt

Ver­kehrs­un­fall. Die Feu­er­wehr rückt aus. Jede Minute zählt. Und dann streikt der Ein­satz­wagen, oder ein anderes Gerät ver­sagt den Dienst. Eine Hor­ror­vi­sion. Damit das nie pas­siert, gibt es den Gerätewart. Seit einem Vier­tel­jahr­hun­dert ver­sieht Dietmar Waidler in der Fach­werk­stadt den Job, der sich grund­le­gend gewan­delt hat. "Dienst­leister für die Kame­raden." So sieht sich der 49-Jährige selbst. Wenn der Ein­satz­alarm los­geht, rückt er selbst mit aus.

Fahr­zeug­park Das Gerätehaus an der Wil­helm­straße ist Waid­lers Reich. Zählt man die Orts­teile mit, umfasst der Fuhr­park 17 Fahr­zeuge. Dazu kommt eine für den Laien undurch­schau­bare Viel­zahl an Gerätschaften, Ber­gungs­werk­zeugen, Uni­formen oder Funk­ausrüstungen. Alles ist in Schuss zu halten, alles regelmäßig zu warten. Dazu kommt Schreib­ar­beit, Doku­men­ta­tion, alles muss fest­ge­halten und nachprüfbar sein. Unterstützt wird Waidler von sechs ehren­amt­li­chen Gerätewarten in den Stadt­teilen.

"Wenn ein Bürger kommt und eine Führung will", for­mu­liert Waidler seinen Anspruch, "dann muss ich ihm jedes Teil erklären können." Ein­fa­cher wird das nicht. Früher war ein Gerätewart vor allem Rei­ni­gungs­kraft. "Da ging es darum, dass Autos sauber sind und die Schläuche gepflegt." Herr der 1000 Schläuche − das war einmal. Zwar muss er auch heute noch dafür sorgen, dass 15 Kilo­meter Feu­er­wehr­schläuche ihren Dienst tun oder Uni­formen in die Groß-Wasch­ma­schine wuchten.

Moderne Technik All das ist aber nur noch ein Teil der Auf­gaben. Dazu gehört die War­tung der Hydraulik-Spreizer, mit denen Unfall­opfer aus Autos befreit werden. Das kleinste Loch in der Lei­tung hätte fatale Folgen. Das Hydrauliköl steht unter mächtigem Druck. "Wenn das aus­tritt, gibt es schwerste Ver­let­zungen." Dass Atem­schutzgeräte funk­tio­nieren, ist lebens­wichtig. Waidler führt in den hin­teren Bereich des Gerätehauses. Schwingtüren öffnen sich zu einer Werk­statt: "Die sind aus dem OP des früheren Kran­ken­hauses." Drinnen ist eine Art Schau­fens­ter­pup­pen­kopf mit einem PC ver­bunden, der Prüfstand für Atemgeräte. "Das hätten wir zen­tral in Heil­bronn machen lassen können." So ist es günstiger. Der 49-Jährige will darauf achten, dass Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Gut ausgerüstet sei die Eppinger Wehr. Ange­messen, wie er findet. "Luxus muss nicht sein." Ein Pri­vileg für die Truppe ist allen­falls, dass die Stadt einen haupt­amt­li­chen Gerätewart beschäftigt. "Da gibt es größere Städte, die das nicht haben."

Dietmar Waidler hütet nicht nur das Feu­er­wehr­haus. Wenn ausgerückt wird, ist er meist dabei. Es ist nicht mehr selbst­verständlich, dass jeder alar­mierte Kamerad vom Arbeits­platz los­kommt: "Da braucht es jeden Mann." Sein wich­tigster Job ist, dass sich jeder Mann auf die Technik ver­lassen kann. Und der Job macht auch nach 25 Jahren noch Spaß. "Es geht darum, dass alle wieder gesund heim­kommen."

Bild: Selbst ist der Gerätewart: Dietmar Waidler prüft Atem­schutzgeräte im Gerätehaus. Das Werk­statt­mo­bi­liar stammt zum Teil aus dem alten Kran­ken­haus. (Foto: Het­tich)