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Großeinsatz kostet Chemiefirma einige Tausend Euro

Heilbronnvon Carsten Friese, HSt

Immer wieder Mar­tins­horn und Blau­licht in der Heil­bronner Innen­stadt: Ein Großauf­gebot an Ein­satzkräften hat die Bürger am Dienstag auf­ge­schreckt. Was ist da Schlimmes pas­siert, fragten sich viele, die vom Chlor­gas­un­fall bei einem Che­mi­ka­li­engroßhändler in der Die­sel­straße nichts wussten.

Rund 120 Ein­satzkräfte, davon 80 von der Feu­er­wehr, waren am Unfallort. Es ging glimpf­lich aus. Von sechs Leicht­ver­letzten kamen zwei vor­sorg­lich ins Kran­ken­haus, die am Abend wieder ent­lassen wurden.

War das Ret­tungskräfte­auf­gebot gerecht­fer­tigt? Achim Gruber, Ein­satz­leiter der Feu­er­wehr, ver­weist auf die unklare Lage. "Chlor­gas­aus­tritt" lau­tete der Alarm. Wie viel und mit wel­cher Gefährdung für andere war unbe­kannt. Wenn man erst erkunde und später nach­alar­miere, "verzögert sich alles um 20, 30 Minuten. Man ver­liert wich­tige Zeit."

Hoher Auf­wand Gefahr­stoffe wie Chlorgas erfor­dern laut Gruber zudem einen per­sonal- und tech­nik­in­ten­siven Ein­satz. Man brauche Löschfahr­zeuge für den Fall, dass die Dämpfe mit Sprühwasser zu Boden gebracht werden müssen; man habe die über­ge­lau­fene Che­mi­kalie umpumpen müssen, meh­rere Trupps − etwa zehn bis 15 Mann − für Luft­mes­sungen abge­stellt. Den Kräften in Spe­zi­al­schutzanzügen müssten andere beim Anziehen helfen und auch ein Sicher­heits­trupp müsse bereit stehen, falls etwas pas­siert. Ein Abc-Zug mit einem Dekon­ta­mi­na­ti­ons­zelt war vor Ort, der Ein­satz­leit­wagen, ein Gerätewagen Atem­schutz. Als "normal" bezeichnet Gruber den Auf­wand für den Bereich gefährli­cher Stoffe und Güter.

Der Firma Brenntag wird die Feu­er­wehr eine Rech­nung stellen. Dies sieht das Gesetz bei Einsätzen mit gefährli­chen Stoffen so vor − bei Bränden dagegen nicht. Ein Löschfahr­zeug kostet 56 Euro pro Ein­satz, ein Gerätewagen 45, der Ein­satz­leit­wagen 33 Euro. Pro Feu­er­wehr­kraft werden 38,50 Euro je Stunde berechnet, die Spe­zia­listen in den Schutzanzügen sind mit 192 Euro viel teurer. Es werde aber nur das berechnet, "was tatsächlich im Ein­satz war",erklärt Gruber. Das reine Bereit­stellen von Technik und Per­sonal zähle nicht. Einige Tau­send Euro kommen den­noch zusammen.

Ver­si­chert Während die Polizei laut Gesetz zur Gefah­ren­ab­wehr arbeitet und kein Geld ver­langen darf, kann der Ret­tungs­dienst zwar eine Rech­nung stellen. Aber nur an Kran­ken­kassen oder Berufs­ge­nos­sen­schaften für Pati­en­ten­trans­porte, wenn eine ärzt­liche Beschei­ni­gung vor­liegt, erklärt DRK-Ret­tungs­dienst­leiter Lothar Rein­hard.

Brenntag erhält also zunächst nur Post von der Feu­er­wehr. Man werde die Rech­nung beglei­chen, sagte ein Spre­cher am Haupt­sitz in Mülheim. Die Firma sei gegen der­ar­tige Scha­densfälle ver­si­chert.

Bild: Ein­satz beim Chlor­gas­un­fall in der Die­sel­straße: Die Feu­er­wehr baut die Funk­ver­bin­dung am Ein­satz­leit­wagen auf. Die Unfall­ur­sache ist weiter unklar. (Foto: Sawatzki)