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Einsatz für die Gemeinschaft

Bad Rappenauvon Stefanie Pfäffle, HSt, www.lesebar.net

Yilmaz Akdogan war vor 25 Jahren der erste Migrant bei der Bon­felder Feu­er­wehr

Seine Mutter war unheim­lich stolz. Ich musste mich extra für sie foto­gra­fieren lassen, erzählt Yilmaz Akdogan. Der Bon­felder wurde kürzlich für seine 25- jährige aktive Tätig­keit bei der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr aus­ge­zeichnet. Die Reak­tion seiner Mutter ist ein deut­li­ches Zei­chen dafür, wie wichtig es seinen türki­schen Eltern schon immer war, dass sich ihre Kinder in Deutsch­land inte­grieren und wohl fühlen. Dass er tatsächlich zu den Flo­ri­ansjüngern ging, ist trotzdem nicht selbst­verständlich. Damals war Akdogan der erste Migrant bei der Rap­pen­auer Wehr und einer der ersten im gesamten Land­kreis.

Freun­des­kreis In Bon­feld selber war es aber keine Beson­der­heit, wie sich Frank Rieth erin­nert. Der ist heute Abtei­lungs­kom­man­dant und damals mit Akdogan gemeinsam zur Jugend­feu­er­wehr gekommen. "Wir waren ein Freun­des­kreis, der auch so ständig unter­wegs war. Und er war dabei nie der Türke." So beschreibt es auch der heute 39-Jährige selbst. "Wir waren alle zusammen in der Haupt­schule in Bad Rap­penau, die meisten aller­dings eine Klasse höher als ich. Fußball spielte man gemeinsam, und auch sonst trafen sich die Kum­pels nach der Schule zum Fahrrad fahren, Ausflüge machen und vielem mehr. Haupt­sache draußen, das war das Wich­tigste. Ich hatte nie türki­sche Freunde, alles war immer deutsch", erzählt der Einkäufer. Außer der eigenen Familie gab es keine wei­teren Türken in Bon­feld. Die Freunde teilten alle seine Inter­essen kein Grund also, sich andere zu suchen. Ein älterer Bruder war schon bei der Jugend­feu­er­wehr. Als diese eine neue Gruppe star­tete, ging die Clique geschlossen hin. Von den zehn sind heute noch sechs bei der Truppe. "Meine Eltern haben sich damals richtig gefreut, für sie war es selbst­verständlich, dass ich mich für die Gemein­schaft ein­setze." Akdogan bleibt aber der ein­zige der acht Geschwister, der zur Wehr geht. Nur die Nichte zieht noch mit. Akdogan ist froh, dass sich Vater und Mutter in dieser Hin­sicht für ihre Kinder sorgten. Früher als viele andere hätten sie den Hebel umge­legt und rea­li­siert, dass sie in Deutsch­land bleiben werden. Denn an den Eltern liegt es seiner Mei­nung nach, dass in seiner Gene­ra­tion noch so wenige Migranten bei der Feu­er­wehr sind. Die beein­flussen schließlich, wie ihre Kinder auf­wachsen. Das werde zwar besser, doch immer noch sind andere Türken sehr über­rascht, wenn er von seinem Hobby erzählt.

Staatsbürger Der bald zwei­fache Vater, die Tochter ist unter­wegs, hat sich immer wohl gefühlt. Das Gemein­schaftsgefühl sei stark, er ist stolz darauf, dabei zu sein. Nach der Jugend­feu­er­wehr war es ein logi­scher Schluss, den Vor­bil­dern aus den Reihen der Aktiven nach­zu­ei­fern. "Auch wenn ich nie ein schlechtes Wort gehört habe, wollte ich trotzdem beweisen, dass ich das kann", gibt Akdogan zu, der schon viele Jahre die deut­sche Staatsbürger­schaft hat. Auch wenn er heute beruf­lich etwas kürzer treten muss bei den Flo­ri­ansjünger, ist ihm das Hobby noch sehr wichtig. "Sogar mein dreijähriger Sohn will an Fasching Feu­er­wehr­mann werden."

Hin­ter­grund: Mit­ma­chenÜber­ra­schung ist das Erste, was Yilmaz Akdogan bemerkt, wenn er türki­schen Freunden von seinem Hobby erzählt. Aber auch Inter­esse. "Sie setzen es bloß nicht um, irgendwie fehlt der letzte Schub", stellt er fest. "Viel­leicht müsste man die Kinder schon in den Schulen begeis­tern." Die deut­sche Staatsbürger­schaft muss man nämlich nicht haben, um aktiv bei der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr mit­zu­ma­chen. Der Aspi­rant muss vor Ort leben, darf nicht vor­be­straft und muss gesund­heit­lich zum Feu­er­wehr­dienst taug­lich sein.

Text zum Bild:Selbst heute noch etwas beson­deres: Der türkischstämmige Yilmaz Akdogan ist seit 25 Jahren Mit­glied bei der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr in Bon­feld

Foto: Ste­fanie Pfäffle