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2. Vierteljahrestreffen 2023 der Feuerwehr- Altersabteilung Bad Friedrichshall

Bad Friedrichshallvon Kurt Semen, Feuerwehr Bad Friedrichshall

Am 16. Mai trafen sich die Angehörigen der Alters­ab­tei­lung mit Frauen beim Bahnhof in Unter­gries­heim zu einem Spa­zier­gang zur Erkun­dung der Geschichte des Teil­orts mit anschließendem gemütli­chem Bei­sam­men­sein im dor­tigen Feu­er­wehr­haus.

Nachdem in den ver­gan­genen Jahren Führungen durch die Teil­orte Jagst­feld, Kochen­dorf und Hagen­bach erfolgten, war diesmal Unter­gries­heim an der Reihe. Dieser Teilort konnte 2022, Corona bedingt um ein Jahr verspätet, sein 1250-jähriges Jubiläum feiern.

Archivar Simon Haag führte die Teil­nehmer durch den Ort und erläuterte bei den ein­zelnen Sta­tionen die dazugehörende Geschichte. Bürger­meister Timo Frey brachte ein Grußwort und beglei­tete die Gruppe bis zum Rat­haus, wo er sich wegen eines Fol­ge­ter­mins ver­ab­schieden musste.

Das Dorf wurde ver­mut­lich in fränki­scher Zeit im sechsten Jahr­hun­dert gegründet. Unter­gries­heim, als Creit­zheim an der Jagst gelegen, wurde nach­weis­lich im Jahr 771 im Lor­scher Codex genannt, nachdem Jahre zuvor nur Gries­heim ohne genaue Angaben mehr­mals genannt wurde und daher nicht Ober- oder Unter­gries­heim zuge­ordnet werden kann. Der Ort war Reichs­be­sitz und wurde mehr­mals verpfändet, letzt­mals an das Erz­bistum Mainz, von dort wei­ter­verpfändet an die Herren von Sickingen. 1484 wurde es ausgelöst und an den Deutsch­orden ver­kauft, aller­dings ohne den Kir­chen­satz. Dieser war recht früh als Würzburger Lehen bei den Herren von Weins­berg. Konrad IX. verpfändete zunächst den Kir­chen­satz in großer Finanznot an den Pfalz­grafen bei Rhein in Hei­del­berg, und ver­kaufte ihn 1446 an den­selben. Der Deutsch­orden kaufte ihn dann 1581. Im Rahmen der Napo­leo­ni­schen Flur­be­rei­ni­gung kam Unter­gries­heim an das Kurfürstentum Württem­berg, ab 1806 König­reich Württem­berg. 1807 erfolgte die Zuord­nung zum Oberamt Neckar­sulm, 1938 nach dessen Gründung zum Land­kreis Heil­bronn. Zum 1.Januar 1975 wurde Unter­gries­heim im Zuge der Gemein­de­re­form in die Stadt Bad Fried­richs­hall ein­ge­meindet. In Folge mussten ver­schie­dene nun dop­pelte Straßennamen geändert werden, z. B. Kirch­straße in Com­burg­straße, die Frie­den­straße blieb, die in Jagst­feld wurde in „Am Schachtsee“ umbe­nannt.

Der Bahnhof Unter­gries­heim an der Bahn­strecke Jagst­feld- Oster­burken wurde 1869 ein­ge­weiht. Pro­mi­nenter Bahn­fahrer mit Zwi­schen­halt war Bun­des­kanzler Ludwig Ehr­hardt. In Bahn­hofsnähe befand sich die Bahn­hofs­wirt­schaft, heute Wohngebäude.

Die Turn- und Fest­halle der Sport­freunde Unter­gries­heim 1937 e.V. wurde 1950 von den Ver­eins­mit­glie­dern erbaut.

In der Com­burg­straße wies Herr Haag auf gefun­dene Rei­hengräber aus der Mero­winger Zeit hin, was bedeutet, dass bereits vor 771 Men­schen hier lebten.

Das Schul­haus, heu­tige Ver­wal­tungs­stelle und Jugend­haus, wurde 1892 neu gebaut, 1912 auf­ge­stockt und ein Leh­rer­wohn­haus ange­baut.

Gegenüber stand das Back­haus aus 1838, wel­ches 1979 abge­bro­chen wurde. Es ent­hielt 2 Backöfen mit einem Fas­sungs­vermögen von ins­ge­samt 34 Broten. Später war hier z. Teil auch die Feu­er­wehr unter­ge­bracht.

Schon recht früh gab es zwei Kel­tern im Bereich der heu­tigen Straße im Dorf.

1860 erwarb der Ort das Unter­ge­schoss seines Rat­hauses aus pri­vaten Händen und baute hier einen Schul­saal ein. In der ange­bauten Kelter hatte die Feu­er­wehr einen kleinen Raum. Nach Beschaf­fung des ersten Feu­er­wehr­fahr­zeuges 1977, einem Trag­kraft­sprit­zen­fahr­zeug, wurde für dessen Unter­stel­lung ein wei­terer Raum in die Kelter ein­ge­baut. Das Gebäude wurde 2009/2010 an einen Pri­vat­mann ver­kauft.

Vorbei an den nun jeweils als Wohnhäuser genutzten früheren Wirtshäusern Sonne (damals mit Bier­garten) und Karpfen wurde die Geschichte der Unter­gries­heimer Wirtshäuser erläutert.

Bei dem Pump­brunnen, Ecke Brünnlestraße/ Obere Dorf­straße, ging Herr Haag auf die Was­ser­ver­sor­gung Unter­gries­heims ein. Es gab meh­rere Pump- und Schöpfbrunnen. Viele Häuser im Bereich der Brunnen hatten vor dem Haus ihre „Gold­grube“, die Miste. Oft­mals floss aus denen die Gülle in die Brunnen, was dazu führte dass das Wasser auch einen beson­deren Geschmack hatte. Erst als dadurch 1870 eine Typhus- Pan­demie aus­brach, wurden Ver­hin­de­rungsmaßnahmen vom Oberamt Neckar­sulm ange­ordnet. 1910 wurde dann die Was­ser­lei­tung gebaut und aus der Gut­manns­quelle gespeist.

Gegenüber des Brun­nens steht das sich jetzt in Pri­vat­be­sitz befind­liche Pfarr­haus aus dem 17. Jahr­hun­dert. Bei den Pfarr­ge­schichten wurde auch Pfarrer Gärtner als Retter der Glo­cken vor dem Ein­schmelzen im 1. Welt­krieg erwähnt, was im 2. Welt­krieg jedoch nicht gelang.

Die im Ober­dorf von Unter­gries­heim auf dem heu­tigen Friedhof errich­tete Cäcilien-Kirche, erst­mals um 1295 genannt, war im Mit­tel­alter Mut­ter­kirche für Hagen­bach und Heuch­lingen und bis 1713 für Tie­fen­bach und Höchst­berg. Nach Neubau der Kirche St. Johann Bap­tist wurde die feuchte, dunkle und enge Kirche 1845 abge­bro­chen.

Beim Johan­nes­heim und dem Kin­der­garten St. Johannes wurde über das Sozi­al­wesen refe­riert.

1839/1840 wurde die Kirche St. Johann Bap­tist gebaut und 1849 offi­ziell geweiht. 1886 wurde ein Kir­chen­chor gegründet, 1956 der Musik­verein Kath. Schwa­ben­ju­gend, aus dem dann 1963 der Musik­verein Unter­gries­heim wurde.

An dem 1993/1994 erbauten Feu­er­wehr­haus endete der Rund­gang. Anschließend gab es bei Kaffee und Kuchen im Feu­er­wehr­haus Gele­gen­heit Fragen zu stellen.

Anschließend stellte Kurt Semen die Feu­er­wehr­ge­schichte Unter­gries­heim in einer Bild- Präsen­ta­tion vor. In der Württem­ber­gi­schen Zeit um 1806, und ver­mut­lich schon lange davor unter dem Deutsch­orden, gab es eine Pflicht­feu­er­wehr, zunächst nur mit Leder­ei­mern und Feu­er­haken aus­ge­stattet. Die Bevölke­rung bil­dete bei Bränden Eimer­ketten. Für jeden Bürger hing im Rat­haus je ein Leder­eimer. Jeder neu ange­hende Bürger musste einen Leder­eimer kaufen bzw. bezahlen. Lei­tern und Butten stellte die Gemeinde. Nach Inkraft­treten der neuen Lan­des­feuerlösch­ord­nung am 7.6.1985 mussten orga­ni­sierte Pflicht- oder Frei­wil­ligen-Feu­er­wehren unter­halten werden. Bis zum Jahr 1932 bestand in Unter­gries­heim eine Pflicht­feu­er­wehr. Die Frei­wil­lige Feu­er­wehr wurde am 23. Januar 1932 gegründet.

Bis 1952 war die Feu­er­wehr in einem Anbau an das Back­haus unter­ge­bracht. Im Zuge des Rat­haus­um­baus erhielt die Feu­er­wehr dort einen Raum für das Hydro­phor und Geräte. Die 1967 beschaffte Anhänge­leiter wurde im Back­haus unter­ge­stellt. Ab diesem Zeit­punkt gab es Pla­nungen für den Umbau des Back­hauses oder auch für einen Neubau, zusammen mit dem Bauhof an der Jagst­straße. 1973 sollte ein Trag­kraft­sprit­zen­fahr­zeug beschafft werden, was jedoch an der feh­lenden Unter­stellmöglich­keit schei­terte.

Zum 1. Januar 1975 wurde Unter­gries­heim (unfrei­willig) in die Stadt Bad Fried­richs­hall ein­ge­glie­dert, nicht ohne Bedin­gungen zum Inhalt des Ein­glie­de­rungs­ver­trags zu stellen. Zwei der Bedin­gungen waren fol­gende: „…dass die bestehende Feu­er­wehr als gleich­be­rech­tigter Löschzug in die Gesamt­feu­er­wehr über­nommen und baldmöglichst ein Trag­kraft­sprit­zen­fahr­zeug beschafft werden muss. Außerdem soll inner­halb von zehn Jahren ein Feu­er­wehr­haus in Unter­gries­heim gebaut werden.“

Bei Über­nahme der Feu­er­wehr waren nur der Kom­man­dant und der Stell­ver­treter mit einer Feu­er­wehr­uni­form aus­ge­stattet. Die Übungsanzüge der über 30 Mann starken Mann­schaft waren alte Dril­liche. Daher mussten gleich im ersten Jahr alle Feu­er­wehrmänner des Löschzuges Unter­gries­heim mit neuen Uni­formen aus­ge­stattet werden. Die Ein­glie­de­rung in die Gesamt­feu­er­wehr hat, ins­be­son­dere durch das Enga­ge­ment von Kom­man­dant Anton Kremsler, sehr gut geklappt.

Das Feu­er­wehr­fahr­zeug­wurde 1977 beschafft, zur Unter­stel­lung wurde in die Kelter ein Raum ein­ge­baut. Wei­terhin fehlten die Sozialräume.

Der Bau des zuge­sagten Feu­er­wehr­hauses verzögerte sich, auch weil der Bau des Zen­tralen Feu­er­wehr­hauses in der Kern­stadt Priorität hatte, bis ins Jahr 1994. Es gab ver­schie­dene unter­suchte Stand­orte beim Bahnhof, letzt­end­lich im östli­chen Teil des Bahn­hofs­gar­tens.

Am 18.09.1993 war dann der Spa­ten­stich, die Ein­wei­hung am 02.07.1994. Die Feu­er­wehr hat sich mit sehr vielen Eigen­leis­tungen ein­ge­bracht. Die Gesamt­kosten beliefen sich auf ca. 700.000 DM.

2009 wurde nach Weg­fall des Lager­raums wegen Ver­kauf des Rat­hauses eine Lager­halle beim Feu­er­wehr­haus gebaut, welche für die Stadt durch den Lan­des­zu­schuss, Eigen­leis­tungen und Zuwen­dungen der Feu­er­wehr kos­ten­neu­tral war.

Heute ist die Feu­er­wehr­ab­tei­lung Unter­gries­heim mit einem Löschgrup­pen­fahr­zeug LF 8/6, einem MTW (Ford Ranger) und einem Schlauch­wagen SW 2000, sowie einem Hoch­was­ser­boot aus­ge­stattet. Zusammen mit der Abtei­lung Dut­ten­berg stellen sie den Was­serförderzug der Feu­er­wehr Bad Fried­richs­hall.

Im Anschluss an den Vor­trag wurde anhand Bilder und Videos der gefährliche Ein­satz, Großbrand in Dut­ten­berg am 12. Mai, gezeigt und erläutert.

Zum guten Schluss gab es in gesel­liger Runde ein Vesper und gute Gespräche.