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Wo eine lange Leiter die Motivation steigert

Obersulmvon Gustav Döttling, Hst

Die moto­ri­sierte Dreh­leiter „18/12 Euro­fire“ ist der Stolz der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Ober­sulm. Seit November 2005 ist sie das elfte Fahr­zeug im Fuhr­park.

„Die Anschaf­fung der Dreh­leiter hat bei unseren Leuten einen Moti­va­ti­ons­schub ausgelöst“, sagt Ober­brand­meister Valentin Vollert. Der Zugführer hat als einer der ersten Ober­sulmer Feu­er­wehr­leute eine Schu­lung für das moderne Brandbekämpfungsgerät genossen. Man könne jetzt ganz andere Einsätze als früher fahren.

Zwei Tage hat die Schu­lung für sechs Führungskräfte bei der Her­stel­ler­firma gedauert. Ihr Wissen geben sie jetzt an 18 andere Feu­er­wehr­leute weiter. Zehn Einsätze von der Brandbekämpfung bis zur Tech­ni­schen Hil­fe­leis­tung hat die Dreh­leiter im ersten Halb­jahr 2006 absol­viert. Zwei Mal wöchent­lich wird geübt. 110 Betriebs­stunden für die Leiter und rund 1800 Kilo­meter sind bei Übungen und Einsätzen zusam­men­ge­kommen. „Es ist unglaub­lich, wie schnell die Leiter am Brandort ein­satz­be­reit ist“, ist Maschi­nist Jürgen Schaf­fert von der Com­pu­ter­steue­rung fas­zi­niert.

Auf Knopf­druck fährt der Com­puter auto­ma­tisch die Stützen der Dreh­leiter aus, sta­bi­li­siert das Fahr­zeug und richtet den Dreh­kranz aus. Drei Männer - Maschi­nist, Ein­weiser und Grup­penführer - sind nötig, um das 430 000 Euro teure Gefährt zu bedienen. Über zwei Joy­sticks werden die Lei­ter­funk­tionen Drehen, Neigen und Aus­fahren gesteuert. Sowohl der Ein­weiser im Korb, als auch der Maschi­nist am Steu­er­stand auf dem Dreh­kranz können alle Funk­tionen über ein Dis­play über­wa­chen.

130 Pfer­destärken sorgen dafür, dass die 13,2 Tonnen schwere Dreh­leiter schnell zum Ein­satzort kommt. Das Fahr­zeug ist 8,50 Meter lang, 2,40 Meter breit und mit auf­ge­legter Leiter 3,30 Meter hoch. Die Sta­bi­li­sie­rungsstützen fahren auf jeder Seite 1,5 Meter aus. Maximal kann die vier­tei­lige Leiter auf eine Höhe von 25,80 Meter aus­ge­fahren werden. Dann steht sie fast senk­recht. Ihre Dienst­be­zeich­nung 18/12 kommt daher, dass die Leiter von einem Gebäude zwölf Meter ent­fernt sein kann und dann noch eine Höhe von 18 Metern erreicht, ohne dass sie umkippt.

Auf den Ret­tungs­korb können ohne Werk­zeug eine Hal­te­rung für eine Kran­ken­trage, ein Wende-Rohr oder zusätzliche Schein­werfer mon­tiert werden. Steck­dosen im Korb und ein Not­strom­ag­gregat auf dem Fahr­zeug sichern die Strom­ver­sor­gung. Zusätzlich sind Atem­schutzgeräte, ein Sprung­retter, Sägen und Werk­zeug an Bord.

Für die Was­ser­ver­sor­gung der Leiter wird ein Löschfahr­zeug mit Pumpe benötigt. Brand­einsätze, Men­schen­ret­tungen aus oberen Stock­werken, Unfall­stellen aus­leuchten oder ein­fache Kran­funk­tionen sind nur einige der Ein­satzmöglich­keiten.

Der Weingärtner Valentin Vollert aus Ober­sulm-Wills­bach ist seit 1980 bei der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr. Der Vater von drei Kin­dern ist seit zehn Jahren Zugführer. Seine feu­er­wehr­tech­ni­sche Grund­aus­bil­dung hat er in der Abtei­lung Wills­bach absol­viert, die er von 1996 bis 2001 fünf Jahre als Abtei­lungs­kom­man­dant lei­tete.

Früher hatte er Höhen­angst. Die hat er beim Berg­steigen über­wunden. Heute klet­tert er die 108 Stufen der Dreh­leiter in steilster Stel­lung in Win­des­eile empor. „Ein Schuss Aben­teu­er­lust“, habe ihn in jungen Jahren zur Feu­er­wehr gebracht, sagt der 44-Jährige. „Er wird wegen seiner Ruhe und Erfah­rung von seinen Kame­raden beson­ders geschätzt“, hebt Ober­sulms Feu­er­wehr­kom­man­dant die Qualitäten Vollerts hervor, der jetzt Einsätze mit der Dreh­leiter fährt und seine Kame­raden in der Bedie­nung des neuen Geräts unter­weist.

Bild: Valentin Vollert hatte früher Höhen­angst, heute steigt er die 108 Stufen der Ober­sulmer Dreh­leiter in steilster Stel­lung empor. (Foto: Gustav Döttling)