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Wie sind Feuerwehren in der Region auf Extremwetter vorbereitet?

Landkreis Heilbronnvon Kirsi-Fee Rexin, HSt

Stark­regen, Hoch­wasser, Hagel, Stürme: Bei Extrem­wet­ter­er­eig­nissen sollen fünf neue Ergänzungs­ein­heiten die Feu­er­wehren im Land­kreis Heil­bronn unterstützen. Wie genau das funk­tio­niert und wann die Ein­heiten ein­satz­be­reit sind.

Immer häufiger haben es kom­mu­nale Feu­er­wehren mit Extrem­wet­ter­er­eig­nissen wie Stark­regen, Hoch­wasser, Hagel, Stürmen und Tor­nados zu tun. In ganz Deutsch­land haben Unwetter in den ver­gan­genen Jahren immense Schäden ver­ur­sacht und Leben gekostet. Auch in der Region gab es bereits brenz­lige Fälle. Zum Bei­spiel als kürzlich ein hef­tiger Regen mit Hagel­sturm über dem Kraichgau nie­der­ging, wobei eine Frau in ihrem Auto in einer Garage von Was­ser­massen ein­ge­schlossen wurde.

Um ange­sichts der Häufig­keit dieser Großereig­nisse hand­lungsfähig zu bleiben, sollen die Feu­er­wehren in der Region in rund zwei Jahren von soge­nannten Großscha­densergänzungs­ein­heiten unterstützt werden.

Wie es zu dieser Ent­schei­dung kam, erklärt Kreis­brand­meister Bernd Halter: „2021 erteilte der Kreistag den Auf­trag, eine Sach­stands­be­trach­tung des Bevölke­rungs­schutzes über den gesamten Land­kreis Heil­bronn zu erstellen.“ Die Gefährdungs­be­ur­tei­lung fußt auf einem stan­dar­di­sierten Ver­fahren des Bun­des­amtes für Bevölke­rungs- und Kata­stro­phen­schutz (BBK). Der Fokus liege dabei auf der „nicht­po­li­zei­li­chen Gefah­ren­ab­wehr“. Hierzu zählen wit­te­rungs­be­dingte und nicht­wit­te­rungs­be­dingte Gefahren wie Sturm, Stark­regen, Hoch­wasser, Hagel, Schnee, Erd­rut­sche, Strom­ausfälle und Hitze, aber auch Brände und che­mi­sche Gefahren.

„Dabei wurde fest­ge­stellt, dass jede Kom­mune mit ihrer Feu­er­wehr bezogen auf die örtli­chen Verhältnisse gut auf­ge­stellt ist. Es zeigte sich aber auch, dass wir über den gesamten Land­kreis betrachtet, schnell an die Grenze der Leis­tungsfähig­keit kommen - gerade bei Hoch­wasser, Stark­regen und Sturm­ereig­nissen.“ Treten solche Extrem­wet­ter­lagen auf, sei es schwer, die Res­sourcen so ein­zu­setzen, dass die ein­zelne Kom­mune trotzdem aus­rei­chend ausgerüstet sei. Das Fazit: Es brauche unterstützende Ein­heiten, die im ganzen Land­kreis ein­ge­setzt werden können und die die Ein­satz­lei­tung kurz­fristig anfor­dern könne.

Die Region sei bereits in fünf Feu­er­wehr­be­zirke, die sich in Sachen Infor­ma­tion und Aus­bil­dung orga­ni­sieren, geglie­dert. Aus ein­satz­tak­ti­schen Über­le­gungen heraus, greife man nun auf diese Auf­tei­lung zurück, wenn es um die Instal­la­tion der neuen soge­nannten Großscha­densergänzungs­ein­heiten geht. „Für jeden der fünf Bezirke wird eine Großscha­densergänzungs­ein­heit auf­ge­stellt, die nicht nur dem Bezirk dient, son­dern inner­halb des gesamten Land­kreises ein­ge­setzt werden kann.“ Eine Ein­heit werde von zwei Kom­munen betrieben und rekru­tiere sich aus dem Per­so­nal­stamm der Stand­ort­feu­er­wehren. Fest­ge­legt wurden Zaber­feld und Pfaf­fen­hofen, Itt­lingen und Kirchardt, Gun­dels­heim und Offenau, Wid­dern und Jagst­hausen sowie Löwen­stein und Wüstenrot.

Jede Ein­heit könne bereits mit ins­ge­samt sechs Per­sonen aktiv werden. „Damit errei­chen wir eine hohe Fle­xi­bilität“, so Halter. Aus­ge­stattet werden die Ein­heiten nach dem Motto ein­fach und robust. Dabei han­delt es sich um einen geländegängigen Mann­schafts­trans­port­wagen (MTW), der auch bei über­flu­teten Straße oder Geröllabgängen fahren kann. Dieser diene dem Mann­schafts- und dem Ausrüstungs­trans­port, könne aber auch bei Eva­ku­ie­rungen ein­ge­setzt werden.

Zudem besitze er ein Schie­nen­system für Tragen oder Rollstühle bei Kran­ken­trans­porten. „Die Aus­stat­tung ist darauf aus­ge­legt, dass die Ein­heiten zwölf bis 24 Stunden autark ope­rieren können“, erklärt der 52-Jährige. Jeder Feu­er­wehr­mann und jede Feu­er­wehr­frau könne nach der Grund­aus­bil­dung die Gerätschaften darin bedienen. „Außerdem ist die Ausrüstung so gewählt, dass auch Spon­tan­helfer vor Ort nach kurzer Ein­wei­sung mit­ein­be­zogen werden können.“

Das zweite Fahr­zeug ist ein geländegängiger Lkw mit einer soge­nannten Modul­be­la­dung aus Hand­werks­zeug, Beleuch­tungs­equip­ment und Was­ser­saugern. Ergänzend werde an jede Ein­heit ein Spe­zi­alanhänger ver­geben, der mit bei­spiels­weise einer Großpumpe oder mit Hoch­wasser-Schub­booten aus­ge­stattet sei.

Der­zeit läuft die Beschaf­fung der Ausrüstung. „Die langen Lie­fer­zeiten der Fahr­zeuge sind auch der Grund, wes­halb die Ein­heiten in frühes­tens zwei Jahren vollumfänglich ein­satzfähig sind“, so Halter. Das wünsche man sich anders, doch einen Ein­fluss habe man nicht darauf. Den­noch: „Jedes Gerät, das wir bereits erhalten, wird auch direkt ein­ge­setzt.“ Ver­an­schlagt ist das Pro­jekt mit 2,5 Mil­lionen Euro, das mit 500.000 Euro Lan­des­mit­teln gefördert wird. „Wir sind froh, dass der Kreistag seine Ver­ant­wor­tung ernst nimmt“, betont Halter.

Der Kli­ma­wandel stellt Feu­er­wehren vor neue Her­aus­for­de­rungen. Der Land­kreis reagiert darauf und hat 2020 eine Sand­sackabfüllan­lage gekauft, die in Neckar­sulm sta­tio­niert ist. Bei der Feu­er­wehr Ell­bachtal steht ein Tanklöschfahr­zeug mit Zusatz­be­la­dung für Wald­brand. Ent­spre­chend werden Ein­satzkräfte aus Ell­hofen und Leh­ren­steins­feld in der Vege­ta­ti­ons­brandbekämpfung aus­ge­bildet. Diese Fach­gruppe berät andere Feu­er­wehren und kann bei Flächenbränden ange­for­dert werden.