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Unfallgefahr bei Erdgas "ist kleiner als die eines Blitzschlags"

von Carsten Friese HSt

Zwei schwere Gas­ex­plo­sionen in Süddeutsch­land machen nach­denk­lich: Wie sicher ist das eigene Haus mit Gas­an­schluss? Die zwei Fälle, in denen Flüssiggas explo­dierte, „haben mit Erdgas über­haupt nichts zu tun“, betont HVG-Geschäftsführer Ataman Tur­anli. Erdgas über das Lei­tungs­netz stuft er als „sehr sicher“ ein.

Die Medi­en­be­richte über die schlimmen Gas­ex­plo­sionen im fränki­schen Lehr­berg und im Schwarz­wald haben dem Chef der Heil­bronner Ver­sor­gungs-GmbH nicht son­der­lich gefallen. Dass dort Flüssiggas in Fla­schen und in einem Tank explo­dierte, ist dem Gas-Experten viel zu kurz gekommen.

Solche Explo­sionen in Erd­gas­netzen hält Tur­anli für extrem unwahr­schein­lich. Zum einen sei der Druck mit 22 Mil­libar am Gaszähler beim End­ver­brau­cher weitaus geringer als in Flüssig­gasbehältern (bis zu 200 Bar). Zudem würden alle Lei­tungen in Abständen von drei bis zwölf Monaten überprüft. Und kon­ti­nu­ier­lich werde dem geruch­losen Erdgas der extrem pene­trant rie­chende Stoff Tetra­hy­dro­thio­phen (THT) bei­gemischt (siehe Stich­wort). Beim kleinsten Leck würden Bürger dies sofort im Haus wahr­nehmen. Deut­sche Sicher­heits­vor­schriften bei Erdgas stuft der HVG-Chef als die strengsten in Europa ein. Tur­anli: Die Wahr­schein­lich­keit eines Unfall durch eine Erdgas-Explo­sion „ist geringer als vom Blitz getroffen zu werden.“

Auf ganz wenige Erdgas-Einsätze ver­weist Eber­hard Jochim, Kom­man­dant der Heil­bronner Feu­er­wehr. Erdgas ist leichter als Luft „und kann in die Atmosphäre ent­wei­chen“, erklärt er. Flüssiggas dagegen sei schwerer als Luft und könne sich in Kel­lerräumen ansam­meln. „Im Regel­fall kommt es bei Erdgas im Haus zu keinem explo­siven Gemisch“, sagt Jochim. Zwei Einsätze hat er in Erin­ne­rung. In einem Fall hatte ein Heim­werker eine Lei­tung ange­bohrt. Im anderen Fall wollte sich ein Mann das Leben nehmen und hatte an der Gas­lei­tung mani­pu­liert.

In abge­le­genen Regionen, in denen keine Erd­gas­lei­tungen liegen, beim Campen oder Grillen wird Flüssiggas in Fla­schen oder Tanks ver­wendet. Dass hier immer auch die hand­werk­liche Qualität beim Umgang mit den Anlagen eine Rolle spielt, darauf ver­weist Klaus-Dieter Sätzler, Sach­verständiger Gas- und Was­ser­in­stal­la­tionen bei der Hand­werks­kammer Heil­bronn. „Der Regel­fall ist eine sichere Gas­an­lage.“ Wenn sich ein kri­ti­sches, explo­sives Gemisch von Gas und Luft gebildet habe, ist nach Angaben von Sätzler nicht unbe­dingt offenes Feuer nötig. Dann könne ein Funke auch durch elek­tri­sche Schalt­vorgänge aus­rei­chen.

An einen explo­siven Unfall vor 23 Jahren, als eine 82-jährige Frau in Heil­bronn einen undichten Gas­ofen bediente, kann sich HVG-Chef Ataman Tur­anli erin­nern. „Seitdem ist nichts Nen­nens­wertes mehr pas­siert“, ver­weist er auf die Sicher­heit der Erd­gas­ver­sor­gung per Netz. Ein schwerer Unfall mit Flüssiggas ist dagegen noch relativ jung: Im Juli 2002 war ein Mit­ar­beiter einer Heil­bronner Metz­gerei tödlich ver­unglückt, als er mit einer Gas­fla­sche han­tierte. Die Fla­sche explo­dierte.

Foto: Die jüngsten Gas­ex­plo­sionen lösen Fragen aus: Die Ver­sor­gung mit Erdgas ist sicher, betont nicht nur HVG-Geschäftsführer Ataman Tur­anli. Flüssiggas war bei den schweren Unfällen dagegen die Ursache. (Archiv­foto: Dittmar Dirks)