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Übungsziel erreicht: Das Zusammenspiel der beteiligten Einheiten hat funktioniert

Landkreis Heilbronnvon Andreas Rudlof

Frei­tag­abend, 20.30 Uhr im Bereich des Jagst­felder Bahn­hofes in Bad Fried­richs­hall. Geschäftiges Treiben vor dem Bahn­hofsgebäude und viel Betrieb auf der angren­zenden Straße. Inner­halb von Sekunden ändert sich jedoch das Bild: Ein dumpfer Knall, kurz darauf noch einer, das Split­tern von Glas und Geräusche von schlit­terndem Metall auf dem Asphalt ist deut­lich hörbar. Was ist pas­siert?

Vor dem Bahnhof Bad Fried­richs­hall-Jagst­feld ereignet sich auf der Jagst­felder Straße ein schwerer Ver­kehrs­un­fall zwi­schen einem mit einer Schul­klasse besetzten Rei­sebus, zwei Pkws sowie einem Mofa­fahrer.

Dieses - zum Glück nur ange­nom­mene - Sze­nario bil­dete die Aus­gangs­lage für eine gemein­same Übung der frei­wil­ligen Feu­er­wehren aus Bad Fried­richs­hall, Gun­dels­heim, Oed­heim und Offenau sowie dem Deut­schen Roten Kreuz und er Polizei.

Gemäß der Alarm- und Ausrücke­ord­nung wird die Feu­er­wehr Bad Fried­richs­hall mit dem Alarm­stich­wort „Ver­kehrs­un­fall mit ein­ge­klemmten Per­sonen" durch die Feu­er­wehr­leit­stelle Heil­bronn alar­miert.

Da sich dem zuerst an der Ein­satz­stelle ein­tref­fenden Zugführer die Lage wie folgt dar­stellt: ca. 30 teils ver­letzte Schüler sowie ein schwer ver­letzter Fahrer befinden sich im Rei­sebus, wobei beide Zugangstüren ver­schlossen und stark beschädigt sind. In den beiden am Unfall­ge­schehen betei­ligten Pkws sind jeweils zwei Per­sonen ein­ge­klemmt und schwer ver­letzt. Zual­ler­letzt kommt es wegen eines Defekts an der Kraft­stoff­lei­tung zum Brand des Mofas, wel­cher auf den bewusst­losen, im Straßengraben lie­genden, Mofa­fahrer überg­reift.

Auf­grund der vor­ge­fun­denen Lage ver­an­lasst der Zugführer unmit­telbar die Erhöhung der Alarm­stufe über die Feu­er­wehr­leit­stelle und löst - auf­grund der hohen Per­sonen- bzw. Opfer­zahl - die Alarm­schwelle für einen so genannten „MANV" (Mas­sen­an­fall von Ver­letzten) aus.

Dar­aufhin werden die frei­wil­ligen Feu­er­wehren aus Gun­dels­heim, Oed­heim und Offenau zur Unterstützung nach­alar­miert. Par­allel dazu ver­an­lasst die Ret­tungs­leit­stelle Heil­bronn die Alar­mie­rung sämtli­cher SEG- und Ein­satz­ein­heiten des DRK im Umkreis. Außerdem wird auf­grund der ver­mut­lich großen Anzahl an Ver­letzten und des Bedarfs an psy­cho­lo­gi­scher Betreuung - ggf. auch von Angehörigen - das Not­fall­seel­sor­ge­team des Land­kreises Heil­bronn alar­miert.

Die nach und nach zügig ein­tref­fenden Ein­satzkräfte ver­teilen sich zunächst auf ins­ge­samt drei Ein­satz­ab­schnitte. Zum einen kon­zen­trieren sich die Kräfte aus Bad Fried­richs­hall auf den Ein­satz­ab­schnitt „Bus", um dort die Ret­tungsmaßnahmen ein­zu­leiten und durchzuführen, während sich die Ein­heiten aus Gun­dels­heim, Oed­heim und Offenau um den Ein­satz­ab­schnitt „Pkws" kümmern, damit dort die ins­ge­samt vier ein­ge­klemmten und schwer ver­letzten Insassen gerettet und ver­sorgt werden können. Zum anderen muss - um an der Scha­dens­stelle auf­grund der inzwi­schen ein­ge­tre­tenen Dun­kel­heit sicher arbeiten zu können - der gesamte Bereich bestmöglich aus­ge­leuchtet werden. Hierzu wird im Ein­satz­ab­schnitt „Beleuch­tung" unter anderem die Dreh­leiter aus Bad Fried­richs­hall ein­ge­setzt.

Lautes Schreien und Klopfen an den Scheiben ist aus dem Rei­sebus zu ver­nehmen, denn die im Bus befind­li­chen Schüler stehen teil­weise unter Schock und wollen das Unfallgefährt so schnell als möglich ver­lassen. Zunächst wird jedoch von einem Trupp der bren­nende Mofa­fahrer und sein in Flammen auf­ge­gan­genes Zweirad gelöscht sowie eine Erst­ver­sor­gung des Ver­letzten durchgeführt. Zeit­gleich wird unter Ver­wen­dung von hydrau­li­schem Ret­tungsgerät ver­sucht, die ver­keilten Bustüren zu öffnen, um die ver­letzten sowie die noch gehfähigen Insassen ins Freie zu bringen und einer not­fall­me­di­zi­ni­schen Erst­ver­sor­gung zuzuführen. Kurz darauf sind die Türen offen und plötzlich strömen die unver­letzt geblie­benen Schüler auf die Straße und wollen - noch unter dem Ein­druck des gerade Erlebten ste­hend - nur noch eines: weg!

Unter mas­sivem Kräfte­auf­wand haben hier Feu­er­wehr und Ret­tungs­dienst alle Hände voll zu tun, um die Schüler bei­sammen zu halten, damit sie anschließend zur ein­ge­rich­teten Ver­letz­ten­sam­mel­stelle und anschließend zur Regis­trie­rung gebracht werden können.

Die Feu­er­wehrkräfte an den beiden Unfall­fahr­zeugen ver­su­chen der­weil - in Absprache mit dem Ret­tungs­dienst - eine möglichst Pati­enten scho­nende Ret­tung der ver­un­fallten Insassen durchzuführen. Nachdem die not­fall­me­di­zi­ni­sche Erst­ver­sor­gung erfolgt und ihr Zustand sta­bi­li­siert worden ist, kann nun die Feu­er­wehr mit hydrau­li­schem Ret­tungsgerät - sprich Schere und Spreizer - die Befreiung der Per­sonen aus ihrer miss­li­chen Lage durchführen.

Während sich dies an dem total ver­bo­genen, schwarzen Blechknäuel vor dem Omnibus relativ ein­fach bewerk­stel­ligen lässt, müssen die Ein­satzkräfte an dem zweiten, blauen Pkw schon ihr ganzes Reper­toire an Tricks und Kniffen anwenden, um die ein­ge­klemmten Men­schen zu befreien. Unter anderem müssen auch so genannte Hydrau­lik­zy­linder zum aus­ein­an­derdrücken des defor­mierten Wracks ein­ge­setzt werden, um die Ver­letzten mit­tels KED-System und Spi­ne­board so scho­nend als möglich aus den Autos zu retten.

Nach gut zwei Stunden ist die Lage kom­plett abge­ar­beitet, alle Ver­letzten wurden ver­sorgt und alle Unfall­be­tei­ligten regis­triert.

Über den gesamten Ablauf der Übung hielt die Ein­satz­lei­tung am Ein­satz­leit­wagen ELW 1 die Fäden in der Hand. Ein­satz­leiter Volker Wind­biel wurde dabei unter anderem von Ger­hard Kupfer wesent­lich unterstützt, der die Lage­karte stets auf dem lau­fenden hielt, sämtliche Verände­rungen und Aktua­li­sie­rungen ver­merkte sowie alle Infor­ma­tionen akri­bisch sam­melte, sodass die Ein­satz­lei­tung über das Geschehen in den ein­zelnen Abschnitten stets im Bilde war.

Ins­ge­samt waren - mit den Ver­letz­ten­dar­stel­lern - rund 150 Per­sonen sowie 12 Fahr­zeuge der Feu­er­wehr, 10 Fahr­zeuge des DRK und eine Streife der Lan­des­po­lizei an der Übung betei­ligt.

Bei der anschließenden Übungs­kritik im Feu­er­wehr­haus zeigte sich Ein­satz­leiter Volker Wind­biel mit dem Ver­lauf zufrieden. „Die noch durchzuführende Nach­be­ar­bei­tung wird mit Sicher­heit noch Opti­mie­rungsmöglich­keiten auf­zeigen, die dann in die wei­tere Ein­satz­pla­nung mit ein­fließen werden", so Wind­biel.

Stadt­brand­meister Kurt Semen bewer­tete den Übungs­ver­lauf eben­falls positiv. „Wir haben unser Haupt­ziel - die Erpro­bung des inter­dis­zi­plinären Zusam­men­spiels aller am Ein­satz betei­ligten Ret­tungs- und Hilfs­or­ga­ni­sa­tionen - erreicht.", bestätigte Kurt Semen. Gleich­zeitig erin­nerte der Stadt­brand­meister daran, dass das erprobte Sze­nario „nicht aus dem Ärmel geschüttelt" worden sei, son­dern eine ähnliche Lage jeder­zeit im Ein­zugs­be­reich der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Bad Fried­richs­hall - z.B. ein Mas­sen­un­fall auf der B 27 - möglich wäre. Er dankte neben den Feu­er­wehr­angehörigen aus Bad Fried­richs­hall, Gun­dels­heim, Oed­heim und Offenau auch den teil­neh­menden Hel­fern des Deut­schen Roten Kreuzes aus den Orts­ver­einen Bad Fried­richs­hall, Bad Wimpfen, Gun­dels­heim, Lein­garten, Oed­heim und Möckmühl sowie dem Per­sonal des haupt­amt­li­chen Ret­tungs­dienstes und der Polizei für ihre Bereit­schaft, an einem Frei­tag­abend eine Übung größeren Umfanges aktiv mit zu gestalten.

Bürger­meister Peter Dol­derer, der den Übungs­ver­lauf vor Ort eben­falls auf­merksam beglei­tete, unter­strich die Aus­sagen von Kurt Semen und bekräftigte eben­falls die Not­wen­dig­keit eines rei­bungs­losen Zusam­men­spiels der Kräfte bei einem derart gela­gerten Sze­nario. Ins­be­son­dere wenn auf­grund des Ausmaßes bei einem sol­chen Scha­dens­fall eine große Anzahl an Hilfskräften zur Lage­a­b­ar­bei­tung not­wendig sei, so Dol­derer weiter. „Es ist gut zu wissen, dass viele ehren­amt­liche Kräfte in so großer Zahl zur Verfügung stehen", lobte Bürger­meister Dol­derer abschließend.