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Sicherheit wird inzwischen anders bewertet

von Christian Gleichauf, HSt

Fragen und Ant­worten zur Nachrüstung des Sche­mels­berg­tun­nels – Unglücke wie in den Alpen sollen sich nir­gendwo wie­der­holen.

Ab 2017 soll der Sche­mels­berg­tunnel (B39) bei Weins­berg sicher­heits­tech­nisch auf den aktu­ellen Stand gebracht werden. Wie berichtet, werden dann über meh­rere Monate Sper­rungen not­wendig sein. Die detail­lierte Pla­nung erfolgt erst noch. Auf offene Fragen ant­worten Thomas Thullner, Leiter des Amts für Straßen und Ver­kehr im Land­ratsamt, und Robert Hamm, Spre­cher des Regie­rungspräsidiums in Stutt­gart.

Welche tech­ni­schen Neue­rungen sind geplant?
Die Not­strom­ver­sor­gung soll künftig kom­plett über Bat­te­rien laufen, moderne Messgeräte über­wa­chen die Luft­schad­stoffe, LEDs auf den Bord­steigen zeigen Flucht­wege auch im Rauch an. Über Laut­spre­cher können Men­schen im Not­fall ange­spro­chen und infor­miert werden. An den Por­talen werden Schranken im Not­fall die Zufahrt ver­hin­dern. Kameras sollen Bilder live an eine Leit­stelle übert­ragen.

Eine Tun­nell­eit­stelle gibt es noch nicht. Was ist hier geplant?
Die Land­kreise müssen die Über­wa­chung ihrer Tunnel sicher­stellen. Um eine kostengünstige 24-Stunden-Über­wa­chung zu ermögli­chen, könnten meh­rere Land­kreise zusammen eine Leit­stelle betreiben. Die Polizei wird solche Auf­gaben nicht über­nehmen. Alter­nativ wäre eine Erwei­te­rung der für Auto­bahn­tun­nels zuständigen Leit­stelle in Stutt­gart möglich. Das Ver­kehrs­mi­nis­te­rium befindet sich noch in der Dis­kus­sion mit den Land­kreisen.

Wie läuft die Alar­mie­rung bisher?
Nur bei einem Brand­alarm geht das Signal auto­ma­tisch an die inte­grierte Leit­stelle der Feu­er­wehr in Heil­bronn, an das Poli­zei­re­vier Weins­berg sowie an den Betriebs­elek­triker des Land­rats­amts. Bei anderen Vorfällen erfolgt die Alar­mie­rung über die Not­rufsäulen.

Wie soll der Flucht­stollen gebaut werden? Wird er befahrbar sein?
Der rund 300 Meter lange Flucht­stollen wird mit Spren­gungen und Bag­ger­ein­satz in den Berg getrieben. Er wird maximal groß genug für ein Ret­tungs­fahr­zeug sein. An zwei Stellen soll die Hauptröhre mit dem Stollen ver­bunden werden.

Was wird das kosten?
Absehbar ist ein sieben- bis acht­stel­liger Euro-Betrag. Detail­lierte Pla­nungen gibt es bisher nicht. Zahl­reiche Erneue­rungen – dar­unter das Licht – sind nach 25, 30 Jahren aber ohnehin not­wendig. Zum Ver­gleich: Der Bau des Tun­nels schlug 1990 mit 29,5 Mil­lionen Mark zu Buche.

Sind die geplanten Sicher­heits­vor­keh­rungen nicht über­zogen?
Grund­lage für die Nach­bes­se­rungen sind die Richt­li­nien für die Aus­stat­tung und den Betrieb von Straßentun­neln (RABT) von 2006. Die Vor­gaben waren auf­grund von Tun­nelbränden in den Alpen überar­beitet worden. Dort zeigte sich, dass die hohen Tem­pe­ra­turen bei einem Brand fatale Folgen haben können, Ret­tungskräfte kaum zur Unfall­stelle vorrücken konnten. In so einem Fall soll nie­mand mehr als 150 bis 200 Meter laufen müssen, um sich aus dem Tunnel zu retten.