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Rettungsdienst reagiert auf zu lange Wartezeiten

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Carsten Friese, HSt

Das System Ret­tungs­dienst ist im Umbruch: Auf einen Schlag ist im Dienst­be­reich für den Stadt- und Land­kreis Heil­bronn in den ver­gan­genen Wochen an drei von elf Ret­tungs­wa­chen nachgerüstet worden. Nachdem die gesetz­liche Hilfs­frist, in min­des­tens 95 Pro­zent aller Not­fall­einsätze in 15 Minuten am Ein­satzort zu sein, im Vor­jahr nicht erreicht wurde, sieht es in diesem Jahr nicht besser aus. Mit anderen Worten: Die Retter kommen zu oft zu spät am Ein­satzort an. „Der Bereichs­aus­schuss hat Gegenmaßnahmen beschlossen“, erklärt DRK-Geschäftsführer Ludwig Land­zettel auf Stimme-Nach­frage.

Seit Sep­tember ist in der Wache Bad Rap­penau von Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr ein zweiter Ret­tungs­wagen im Ein­satz, der Engpässe über­winden soll. Es dauere zu lange, bis bei einem wei­teren Not­fall ein Wagen von einem anderen Standort nachrücken kann, erklärt Land­zettel. In der Lauf­fener Ret­tungs­wache ist die Arbeits­zeit von Montag bis Freitag aus­ge­dehnt worden: statt von 8 bis 18 ist die Wache nun von 6 bis 24 Uhr besetzt – auch, um bei par­al­lelen Notfällen in der Stadt Heil­bronn ein­springen zu können. In der Wache Bra­cken­heim ist das System, dass der Not­arzt im Alarm­fall in einen Ret­tungs­wagen zusteigen muss, verändert worden. Seit wenigen Tagen steht ihm unter der Woche von 8 bis 20 Uhr ein eigenes Not­arzt­ein­satz­fahr­zeug zur Verfügung, er kann jetzt direkt ins Auto steigen und los­fahren. „Ein Zeit­ge­winn“, wie Land­zettel ver­si­chert.

Für bis zu sieben neue Stellen fallen Per­so­nal­kosten von etwa 315 000 Euro pro Jahr an, die zwei Fahr­zeuge kosten etwa 125 000 Euro. Eine große Summe wird von den Kos­tenträgern in das System inves­tiert, das durch ständig stei­gende Ein­satz­zahlen an seine Grenzen gestoßen war.

Zeit­stempel

Ob die drei Maßnahmen rei­chen, um die 15-Minuten-Frist künftig ein­zu­halten? ASB-Ret­tungs­dienst­leiter Werner Eckert sieht eine klare Ver­bes­se­rung. Ob die Hilfs­frist dann ein­ge­halten werden kann, müsse man beob­achten.

Der­weil zim­mert das Innen­mi­nis­te­rium daran, den Ret­tungs­dienst in wich­tigen Berei­chen umzu­struk­tu­rieren. Elek­tro­ni­sche Zeit­stempel, mit denen die Arbeit der Retter erfasst wird, sollen aus­ge­weitet werden. Das erste Tele­fon­si­gnal, die Dauer, bis ein Hörer abge­nommen wird, Alar­mie­rung und Ein­treffen am Unfallort, Behand­lung, Fahrt zum Kran­ken­haus und die Ankunft in der rich­tigen Abtei­lung sollen erfasst und von einer neuen Qualitätssi­che­rungs­stelle überprüft werden. „Damit man in der gesamten Ret­tungs­kette besser auf Per­so­nal­be­darf reagieren kann, wenn Zeit ver­loren geht“, erklärt Her­mann Schröder, Refe­rats­leiter Feu­er­wehr und Ret­tungs­dienst im Innen­mi­nis­te­rium.

Die Hilfs­frist soll für Ret­tungs­wagen künftig nur noch zwölf Minuten betragen – bei Notärzten bis zu 18 Minuten. „Der Erste, der kommt, sorgt dafür, dass der Patient über­lebt“, erklärt Schröder. Par­allel wird eine Not­fall­sanitäter­aus­bil­dung im Land zur Regel, Ret­tungs­as­sis­tenten werden nach­ge­schult. Sie dürfen dann auch Infu­sionen anlegen, Spritzen geben, intu­bieren – was bisher der Not­arzt tat. Da die Retter früher am Unfallort seien, gebe es in jedem Fall „eine Qualitätsver­bes­se­rung“, ist Schröder über­zeugt.

Ludwig Land­zettel und Werner Eckert stufen die neuen Ziele im Inter­esse der Pati­enten als positiv ein. Bei einer Zwölf-Minuten-Frist sehen sie mehr Ret­tungs­wagen plus Per­sonal jedoch als not­wen­dige Folge an. Und: „Da stehen auch neue, zusätzliche Stand­orte in der Dis­kus­sion“, glaubt ASB-Chef Eckert.

Bild: Ein­satz der Not­fall­retter: Die Hilfs­frist für Ret­tungs­wagen soll nach Lan­desplänen verkürzt werden, Pati­enten sollen schneller ver­sorgt werden. (Foto: Archiv/Sawatzki)