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Rettung kommt durchs Fenster

Massenbachhausenvon Stefanie Pfäffle, HSt

Feu­er­wehrübung in der Lin­den­hof­schule: Das Sze­nario sieht vor, dass in der Aula ein Feuer aus­ge­bro­chen ist und der ent­stan­dene Rauch die Flure so ver­ne­belt, dass nie­mand mehr nach draußen kann.

Zwei Mädchen sind noch ver­misst. Keiner findet sie. „Wo könnten die denn viel­leicht sein?“, fragt Franz Kapinus, Leiter der Lin­den­hof­schule Mas­sen­bach­hausen, die vor ihm gescharten Erstklässler. „Auf dem WC“, platzt ein Mädchen heraus. Markus Reis­ten­bach, Trup­penführer der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr, horcht auf. „Ihr habt Infor­ma­tionen für uns, das ist wichtig“, hakt er nach und bekommt sofort seine Aus­kunft. Kurz darauf werden die beiden Mädchen tatsächlich auf der Toi­lette gefunden. Am Samstag war das alles nur eine Übung, aber geprobt wird immer für den Ernst­fall.

Überfällig

Sieben Jahre ist die letzte Übung der Flo­ri­ansjünger an der Grund­schule schon her, und das, obwohl man sich direkt gegenüber liegt. „Es wird wirk­lich wieder Zeit“, meint auch Kom­man­dant Mat­thias Schüssler. Das Sze­nario sieht vor, dass in der Aula ein Feuer aus­ge­bro­chen ist und der ent­stan­dene Rauch die Flure so ver­ne­belt, dass nie­mand mehr nach draußen kann. Statt­dessen werden die Zweit- bis Viertklässler über die Feu­er­treppe ins Freie gelangen, die Erstklässler müssen durch das Fenster in ihrem Klas­sen­zimmer gerettet werden.

Der Nebel ist dicht. Man sieht kaum die Hand vor den Augen. Die drei auf­ge­stellten Nebel­ma­schinen haben ganze Arbeit geleistet. Fast alle Schul­kinder sind an diesem Sams­tag­vor­mittag gekommen, nur ein paar fehlen wegen sport­li­cher Ver­pflich­tungen.

„Wir üben den nor­malen Flucht­plan min­des­tens einmal im Jahr, meist aber zweimal und davon einmal unangekündigt“, erläutert Kapinus. Seine Auf­gabe ist es heute, den Haus­alarm zu betätigen und danach die Feu­er­wehr zu alar­mieren. Letz­teres aber nur theo­re­tisch, prak­tisch wurde das bereits durch eine schrift­liche Anmel­dung bei der Leit­stelle von Kom­man­dant Schüssler erle­digt. Alar­mie­rung mit Sirene ist darauf vor­ge­sehen, für Mas­sen­bach­hausen und die Kol­legen in Mas­sen­bach.

Während der Rektor seinen Job erle­digt und die Schüler brav hinten das Gebäude ver­lassen, pas­siert vorne noch gar nichts. Die Leit­stelle alar­miert nicht, die Übung ist irgendwie unter­ge­gangen. Schüssler ist etwas genervt, denn schließlich soll auch die Zusam­men­ar­beit mit den Kame­raden aus Mas­sen­bach geprobt werden. Schließlich ruft er dort selber an, alar­miert mit dem am Haus befind­li­chen Feu­er­melder auch seine Truppe, und es kann end­lich los­gehen.

Ausrücken müssen sie trotzdem, auch wenn die Schule direkt gegenüber vom Magazin ist. Das liegt an den Hydranten auf der Straße, da muss man möglichst nah ran. Zwei Mann mit Atem­schutzgeräten gehen ins Gebäude, und kurz darauf beginnt auch schon die Eva­ku­ie­rung der Erstklässler, die im Erd­ge­schoss aus­ge­harrt haben. Einer nach dem anderen wird aus dem Fenster gehievt, ganz zum Schluss kommen die Leh­re­rinnen.

Dis­zi­pli­niert

Par­allel dazu beginnen die Löschar­beiten. „Wir sind noch nie vorher durchs Fenster geklet­tert“, erzählen Simon und Julien auf­ge­regt. Aber bei den Flo­ri­ansjüngern haben sich die Sechsjährigen sicher gefühlt. Kapinus ist zufrieden. „Ich konnte oben beob­achten, wie dis­zi­pli­niert alles raus­ge­gangen sind“, erzählt er. Türen und Fenster wurden wie vor­ge­schrieben geschlossen, auch an das Klas­sen­buch zur Kon­trolle der Anwe­senden haben die Lehrer gedacht. Auch die Feu­er­wehr lobt das Ver­halten der Kinder. „Sie waren relativ ruhig und haben auf uns gehört“, stellt Reis­ten­bach fest.

Bild: Hier wird der Ernst­fall geprobt: Einen Erstklässler nach dem anderen hieven die Feu­er­wehrmänner durchs Fenster ins Freie. (Foto: Ste­fanie Pfäffle)