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Rat macht Weg für Drehleiter frei

Obersulmvon Reto Bosch HSt

Die Gemeinde Ober­sulm kauft eine Feu­er­wehr-Dreh­leiter. Das hat der Gemein­derat am Mon­tag­abend nach langer Dis­kus­sion mehr­heit­lich beschlossen. Die Gesamt­kosten betragen rund 440 000 Euro. Der Anteil der Kom­mune beläuft sich auf etwa 200 000 Euro. Künftig gibt es also zwei Dreh­lei­tern im Tal.

Kreis­brand­meister Hans-Wil­helm Hans­mann erläuterte, warum aus tak­ti­scher Sicht Ober­sulm zum Dreh­leiter-Standort werden soll. Eine Risi­ko­ana­lyse habe ergeben, dass es in Ober­sulm Gebäude gebe, deren Ret­tungshöhe zwölf Meter über­schreitet und die über keinen bau­li­chen zweiten Fluchtweg verfügen.

In Weins­berg ist der­zeit eine Dreh­leiter sta­tio­niert. Doch von der Kern­er­stadt aus sei Ober­sulm nicht zu ver­sorgen, sagte Hans­mann mit Blick auf die so genannte Ein­treff­zeit von zehn Minuten. Diese gibt vor, wann die Ein­satz­fahr­zeuge in der Regel am Brandort ankommen müssen. Von Ober­sulm aus könne inner­halb dieser Frist das Gebiet zwi­schen Ell­hofen und Löwen­stein bedient werden.

Ins­ge­samt kostet die Leiter rund 440 000 Euro. Nach Angaben Hans­manns steuern Land und Kreis 240 000 Euro bei. Rund 80 000 Euro Lan­des­mittel fließen erst 2008/2009. Der Kreis­brand­meister betonte, dass die Kom­mune bis zum 1. Mai die Beschaf­fung beginnen muss, weil sonst der Förder­be­scheid verfällt. Es sei völlig unklar, ob ein erneuter Antrag erfolg­reich sein werde. Hans­mann appel­lierte an die Gemeinderäte, dem Kauf zuzu­stimmen. Schließlich habe das Gre­mium bereits 1996 eine Dreh­leiter in das Ober­sulmer Feu­er­wehr-Kon­zept auf­ge­nommen.

Dass eine Dreh­leiter Men­schen­leben retten kann und wünschens­wert ist, bezwei­felte im Gemein­derat nie­mand. Einige Bürger­ver­treter erin­nerten aber an die finan­zi­ellen Pro­bleme der öffent­li­chen Hand. Andreas Götz (FWV) kri­ti­sierte, dass Ober­sulm viel Geld aus­gebe, aber auch andere Kom­munen von der Dreh­leiter pro­fi­tierten. Hans­mann erwi­derte, dass gerade wegen dieser überörtli­chen Einsätze der Land­kreis-Zuschuss von 95 000 Euro gewährt werde. Bürger­meister Harry Murso ergänzte, dass sich benach­barte Kom­munen aus recht­li­chen Gründen nicht finan­ziell am Dreh­leiter-Kauf betei­ligen könnten.

Georg Sta­ther (FWV): „Jeder Euro, den wir in die Dreh­leiter inves­tieren, ist kre­dit­fi­nan­ziert.“ Die Vor­schriften müssten so geändert werden, dass auch andere Kom­munen ihren Obolus leisten müssten. Hans­mann: „Ver­gessen Sie nicht, dass auch Ober­sulm von Ein­satz­fahr­zeugen pro­fi­tiert, die andere Kom­munen ange­schafft haben.“

Peter Mul­finger (CDU) hält die Leiter für nicht finan­zierbar. Zudem beklagte er, dass dem Gemein­derat die Pis­tole auf die Brust gesetzt werde. Hans­mann ent­geg­nete, dass im August ver­gan­genen Jahres der Bewil­li­gungs­be­scheid erteilt worden sei. Die Kom­mune habe also viel Zeit ver­geudet. „Wenn das so weiter geht, werde ich mich beim Kom­mu­nalamt beschweren“, erwi­derte ein erboster Bürger­meister Murso. Hans­mann müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Gemeinde erst einen geneh­migten Haus­halt brauche, bevor solche Ent­schei­dungen getroffen werden könnten.

Rein­hold Gall, SPD-Frak­ti­ons­chef und selbst Feu­er­wehr­mit­glied, machte deut­lich, dass die Dreh­leiter drin­gend gebraucht werde. „Damit ver­bes­sern wir die Sicher­heit der Bürger.“ Zudem seien die Anschaf­fungs­kosten in der mit­tel­fris­tigen Finanz­pla­nung sowieso ent­halten, ein früherer Kauf belaste den Etat nicht zusätzlich.

Nach der 15:6-Ent­schei­dung in Ober­sulm gibt es künftig zwei Dreh­lei­tern im Tal. Die Kern­er­stadt will Ersatz für ihr in die Jahre gekom­menes Gerät beschaffen. Über den Weins­berger Antrag wird dann der Kreis­brand­meister ent­scheiden.