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Polizei soll bis 2010 digital funken

von Redaktion HSt

Bun­desrat beschließt Moder­ni­sie­rung - Rech: Wich­tiger Schritt für Innere Sicher­heit

Nach jah­re­langem Kon­flikt mit den Ländern will Bun­des­in­nen­mi­nister Otto Schily (SPD) jetzt den Aufbau eines sicheren digi­talen Poli­zei­funks vor­an­treiben. Das „Rumpf­netz“ des Bundes, das etwa die Hälfte der Fläche Deutsch­lands abde­cken wird, soll von der Bahn-Tochter DB-Tele­matik betrieben werden, teilte Schily in Berlin mit.

Teile des Netzes sollen bereits bis zur Fußball-Welt­meis­ter­schaft 2006 funk­ti­onsfähig sein. Das Digi­tal­netz soll bis spätes­tens 2010 das störanfällige und nicht abhörsi­chere ana­loge Funk­netz ablösen.

Zuvor hatten die Innen­mi­nister von Bund und Ländern die am Dienstag auf Staats­se­kretärsebene getrof­fene Grund­satz­ei­ni­gung über das neue Digi­tal­netz endgültig gebil­ligt. Dies sei ein wich­tiger Schritt für die Innere Sicher­heit der Bun­des­re­pu­blik, sagte der Vor­sit­zende der Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz, Baden-Württem­bergs Res­sort­chef Heri­bert Rech (CDU) in Stutt­gart. Die Länder sollen nach der Ver­ein­ba­rung mit dem Bund die andere Hälfte des Netzes auf ihre Kosten aus­bauen. Hessen, Bran­den­burg und Thüringen hätten sich bei der Abstim­mung ent­halten, hieß es.

Für die ohne Aus­schrei­bung erfolgte „freihändige Ver­gabe“ an die Bahn-Tochter sieht Schily keine recht­li­chen Pro­bleme. Die Ent­schei­dung für die bun­des­ei­gene DB-Tele­matik fiel laut Schily auch unter Sicher­heits­ge­sichts­punkten. Die Bahn betreibe bereits ein eigenes Digi­tal­netz. „Wir fühlen uns also fach­lich kom­pe­tent“, sagte Bahn­chef Hartmut Meh­dorn. Das neue Netz für die Polizei soll eigenständig und unabhängig vom Bahn­funk sein.

Aus­ge­schrieben wird die Technik für das neue Netz. Das Aus­schrei­bungs­ver­fahren will Schily bis November abschließen und dann mit den Ländern die Auf­trags­ver­gabe abstimmen. Laut Rech über­nimmt der Bund das recht­liche Risiko für die Umsetz­bar­keit und den Bestand der Ver­trags­kon­struk­tion. Beson­ders wichtig sei, dass die Länder Mit­wir­kungs- und Betei­li­gungs­rechte vom Bund bekommen.

Die Kosten des Digi­tal­netzes können laut Schily jetzt noch nicht bezif­fert werden. Schätzungen, die bis vier Mil­li­arden Euro rei­chen, wollte er nicht bestätigen. Die Kos­ten­frage war in der Ver­gan­gen­heit

der Haupt­streit­punkt. Schily hatte For­de­rungen der Länder, der Bund solle 30 bis 50 Pro­zent über­nehmen, als nicht akzep­tabel bezeichnet. Der Nut­zungs­an­teil des Bundes liege unter zehn Pro­zent.

Die Unions-Innen­po­li­tiker Hartmut Koschyk und Ralf Göbel mel­deten Bedenken gegen die Ver­ein­ba­rung an. Die Umset­zung der Vor­stel­lungen Schilys berge erheb­liche Risiken recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Art. Vor allem die Beauf­tra­gung der DB-Tele­matik werfe ver­fas­sungs-, kar­tell- und ver­ga­be­recht­liche Fragen auf. (lsw)