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Mit Schutzengel ins Feld gesegelt

Bad Wimpfenvon Rolf Muth, HSt

Koope­rativ in der Sache, aber kom­pro­misslos, wenn es um das Wohl seiner 7000 Feu­er­wehr­leute geht: Rein­hold Korb wird heute 60 Jahre alt. Die Stadt Bad Wimpfen, das Land­ratsamt und die Lan­des­feu­er­wehr ehren den Chef des Heil­bronner Kreis­feu­er­wehr­ver­bandes bei einem Emp­fang.

?Die Feu­er­wehr ist Mädchen für (nahezu) alles geworden.? Mit großem Respekt für die Kame­raden, aber auch mit Sorge blickt Korb auf die gestie­genen Anfor­de­rungen in 42 aktiven Feu­er­wehr­jahren zurück. Seit 32 Jahren leitet der Vater zweier Töchter die Bad Wimp­fener Wehr. Seit 18 Jahren ist er Kopf des Kreis­feu­er­wehr­ver­bands Heil­bronn und sitzt im Präsidium der Lan­des­feu­er­wehr­ver­bandes.

Wird bei Nacht ein Marder auf der Land­straße über­fahren - wer muss das Ver­kehrs­hin­dernis besei­tigen? Die Feu­er­wehr. Die Flo­ri­ansjünger ver­langen keinen Stun­den­lohn. 15 tote Vögel hat die Feu­er­wehr in den letzten Wochen allein in Wimpfen ein­ge­sam­melt.? Ohne Befund - keine Vogel­grippe. Bei jeder Ölspur streuen die Flo­ri­ansjünger Bin­de­mittel auf den Asphalt. Dazu kommen Alarme bei Bränden und Unfällen. 150 Einsätze haben die Kreis­wehren in diesem Jahr bereits gefahren. Da stoße das Ehrenamt zuweilen an seine Grenzen. Vor allem, wenn der Arbeit­geber bremst.

?Wer weiß schon um die Belas­tung für die Familie?, erin­nert sich Korb mit Schre­cken an einen Ver­kehrs­un­fall Weih­nachten vor zwei Jahren. Mitten aus dem Fami­li­en­frieden gerissen, mussten er und seine Kame­raden einen Vater, dessen Ehe­frau und Kind aus einem Blechknäuel schneiden. Oder das Kind, das beim Hoch­haus­brand erstickt ist. Diese Eindrücke bleiben. Bitter schmeckt, wenn dann in der Öffent­lich­keit ums Geld geha­dert wird. Dabei will jeder Betrof­fene, dass die Feu­er­wehr schnell und mit modernsten Mit­teln zur Hilfe eilt.

Aller­dings ver­hehlt Korb auch Fehl­ent­wick­lungen nicht. Das bis­he­rige Gefahr­gut­kon­zept des Land­kreises sei über­zogen, müsse kor­ri­giert werden. Auch die neue Zuständig­keit der auto­bahn­nahen Wehren sieht er mit leichtem Unbe­hagen, setzt daher auf Aus­bil­dung. ?Notärzte wollen pro­fes­sio­nelle Hilfe.? Früher waren hier aus­schließlich die Experten aus Heil­bronn und Neckar­sulm zuständig.

Den Alarm­plan müsse man noch einmal unter die Lupe nehmen. ?Wir wollen nicht, dass im Land­kreis Heil­bronn ein Mensch stirbt, nur weil ein Fahr­zeug zu wenig im Ein­satz war.? Da ist er mit seinem Freund und Neckar­sulmer Kom­man­danten, Her­mann Jochim, einer Mei­nung. Dass dessen Bruder Eber­hard Chef der Berufs­feu­er­wehr Heil­bronn ist, sei optimal. Für einen Kreis­brand­meister, der Struk­turen in seinem Sinne ent­wi­ckelt, ist das Trio aber schwer zu kna­cken. Als Strip­pen­zieher ver­steht sich Rein­hold Korb aller­dings nicht.

Dass er heute mit seiner Frau Ange­lika Geburtstag feiern kann, ist nicht selbst­verständlich. Bei einem Ein­satz im Januar hat?s ihn von der spie­gel­glatten Bahn gefegt. Korb stieg ohne Kratzer aus dem schrott­reifen Kom­man­do­wagen: ?Da war mein Schutz­engel mit an Bord.?

Bild:
Rein­hold Korb ist Kom­man­dant in Bad Wimpfen und Chef des Kreis­feu­er­wehr­ver­bandes Heil­bronn. Heute feiert er seinen 60. Geburtstag. (Foto: Ralf Seidel)