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Menschenrettung hat Vorrang

Leingartenvon Josef Staudinger, HSt

Man hofft, sie nie im Ernst­fall rufen zu müssen, ist aber heil­froh, im Not­fall auf sie zählen zu können: die Feu­er­wehr. Beob­achtet von 20 bis 30 Schau­lus­tigen zeigte die Lein­gar­tener Hilfs­or­ga­ni­sa­tion bei ihrer Hauptübung am Sonn­tag­vor­mittag, dass sie bei Scha­dens­er­eig­nissen schnell und moti­viert zur Stelle ist. Unterstützt wurde sie vom zwölfköpfigen Ein­satz­team des DRK Lein­garten. Als Übungs­sze­nario hatten sich die Ver­ant­wort­li­chen eine kniff­lige Auf­gabe aus­ge­dacht: einen Dach­stuhl­brand im neuen AWO-Pfle­ge­heim am Lein­bach.

Fünf Minuten nach der Alar­mie­rung ist das erste Feu­er­wehr­fahr­zeug, ein TLF 16/25, das 2500 Liter Wasser an Bord und eine Pum­pen­leis­tung von 1600 Litern pro Minuten hat, vor Ort. Ihm folgen zwei Löschgrup­pen­fahr­zeuge (LF 8 TS) mit trag­barer Pumpe sowie der Mann­schafts-Trans­port­wagen.

Die Übungs­vor­gaben sind spek­takulär: Vor den Augen der 40 Flo­ri­ansjünger bricht der Dach­stuhl zusammen, die beiden Trep­penhäuser in der Mitte und im Westflügel des Gebäudes sind ver­raucht. Schnell ver­schaffen sich die Ein­satz­leiter, Kom­man­dant André Göbl und sein Stell­ver­treter Roland Gräsle, ein Bild über von der Lage. „Das Trep­pen­haus Ost ist durch Reno­vie­rungs­ar­beiten nicht begehbar, im ersten Stock­werk befinden sich noch einige teils geh­be­hin­derte Per­sonen“, wird ihnen über Funk von den Grup­penführern gemeldet. „Men­schen­ret­tung geht vor“, ruft Gräsle. Er befiehlt, die Heim­in­sassen so schnell wie möglich her­aus­zu­holen und dem DRK zu überg­eben.

Mit­tels eines Druckbelüfters wird der Rauch aus dem Gebäude gepresst. Ein zweiter wird vom Feu­er­wehr­ma­gazin ange­for­dert und ins west­liche Trep­pen­haus geschafft. In der zweiten Etage scheinen sich noch wei­tere Per­sonen zu befinden. Sie machen sich wild ges­ti­ku­lie­rend am Fenster bemerkbar.

Der Kom­man­dant ordert Flucht­hauben. Dann rennen die Wehrmänner die Treppen hoch und dringen zu den Hil­fe­su­chenden vor. Eine Person ist bewusstlos. Die meisten werden auf Tragen abtrans­por­tiert, einige über eine trag­bare Leiter. Die Brandbekämpfung ist in vollem Gange. Nach ein­ein­halb Stunden wird Ent­war­nung gegeben. Der Brand ist unter Kon­trolle. Alle Pfle­ge­heim­in­sassen sind gerettet.

Zwei Zelte hat das DRK auf­ge­schlagen. Eines davon für die Ver­letzten, die dort erst­ver­sorgt werden. Die beiden DRK-Ein­satz­leiter, Thomas Krieger und Uli Fischer, sind mit der Übung zufrieden: Die Koope­ra­tion mit der Feu­er­wehr habe her­vor­ra­gend geklappt.

Recht ordent­lich fällt die Manöver­kritik von Kom­man­dant Göbl aus. Die Übung habe einige wich­tige Ergeb­nisse gebracht. Sie habe auch dazu gedient, die Räumlich­keiten der Pfle­ge­ein­rich­tung ken­nen­zu­lernen. Es sei sicher­lich nicht alles 100-pro­zentig gelaufen, räumt Göbl ein. Aber: Die Fehler würden „ana­ly­siert und nach Möglich­keit abge­stellt“.

Eines hat sich für den Kom­man­danten gezeigt: Dass eine Übung dieser Größenord­nung ohne Ein­satz­leit­wagen (ELW) kaum durchführbar ist. Bürger­meister Ralf Stein­brenner ver­si­cherte ihm jedoch, dass die Chancen auf eine bal­dige Neu­be­schaf­fung gut seine. Ange­bote lägen bereits vor.

AWO-Heim­lei­terin Ilona Krotz freute sich, dass die Übung gut geklappt hat. Als kleines Dan­keschön lud sie die Ein­satzkräfte zu Speis und Trank ins Pfle­ge­heim ein.

Bild: Ret­tung eines Ver­letzten über das Trep­pen­haus: Die Lein­gar­tener Wehr­leute machten sich bei der Übung auch mit dem neuen Gebäude des Pfle­ge­heims ver­traut. (Foto: Josef Stau­dinge)