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Kostenfrage ist der Knackpunkt

Ellhofenvon Redaktion HSt

Die Bürger­meister von Leh­ren­steins­feld und von Ell­hofen zur Fusion der Feu­er­wehren

Dass die Feu­er­wehren von Ell­hofen und Leh­ren­steins­feld zu einer Truppe ver­schmelzen, haben die Gemeinderäte beider Orte im Spätjahr 2013 beschlossen. Doch bis es tatsächlich so weit ist und ein gemein­samer Neubau steht, muss noch sehr vieles geklärt werden. Anja Krezer hat mit den beiden Bürger­meis­tern Björn Stein­bach (Leh­ren­steins­feld) und Wolf­gang Rapp (Ell­hofen) über das rich­tungs­wei­sende Pro­jekt gespro­chen.

Mit dem Fusi­ons­be­schluss gehen Ell­hofen und Leh­ren­steins­feld lan­des­weit neue Wege. Ist Ihnen ange­sichts dieser Vor­rei­ter­rolle bange?

Wolf­gang Rapp: Nein, im Gegen­teil: Das ist eine inter­es­sante Auf­gabe und eine Her­aus­for­de­rung. Björn Stein­bach: Das sehe ich genauso. Von außen ver­folgt man inter­es­siert, was bei uns pas­siert. So eine Fusion funk­tio­niert aber nicht überall. Bei uns bietet sich das von den Gemein­degrößen und den Ein­satz­zeiten her an.

Wie packt man so ein Pro­jekt über­haupt an, wenn man sich an nie­mandem ori­en­tieren kann?

Rapp: Wir hatten in unserem Gemein­de­rats­be­schluss ein paar Eck­punkte genannt, die nun abzu­ar­beiten sind: etwa Orga­ni­sa­ti­ons­form, Finan­zie­rungs­kon­zept, Kos­ten­auf­tei­lung, Bau­leit­pla­nung, Grob­kon­zept für das Feu­er­wehr­haus, Archi­tek­ten­aus­wahl, Betei­li­gung von Gre­mien und even­tuell Experten. Stein­bach: Herr Rapp und ich haben uns im Januar getroffen. Wir sind die Liste durch­ge­gangen, und wir haben geschaut: Wo sind wir deckungs­gleich? Wo sind Knack­punkte? Unser Kom­man­dant in Leh­ren­steins­feld hat dar­aufhin die wesent­li­chen Punkte zu Papier gebracht. Unsere Feu­er­wehr hat einen Aus­schuss zur Fusion gebildet, ebenso der Leh­ren­steins­felder Gemein­derat. Wir haben uns zusam­men­ge­setzt und uns über die wesent­li­chen Punkte abge­stimmt. Rapp: In Ell­hofen haben wir uns im Gemein­derat vor dem Beschluss über grundsätzliche Dinge unter­halten. Es gab noch keine Bespre­chung mit unserer Feu­er­wehr.

Fusion heißt: Zweck­ver­band oder öffent­lich-recht­liche Ver­ein­ba­rung. Wo sind die Unter­schiede, und wel­chen Weg gehen die beiden Orte?

Stein­bach: In einem Zweck­ver­band sind Inhalte ein­fa­cher zu verändern. Rapp: Er ist eine sehr lang­le­bige Sache. Gemessen daran, was wir wissen, und aus unseren Erfah­rungen ist ein Zweck­ver­band das Rich­tige.

Welche sind die wesent­li­chen Hürden auf dem Weg zur Fusion?

Rapp: Zum einen sicher die Dimen­sion des Neu­baus, etwa: Wie viele Stellplätze werden gebaut? Und damit ver­bunden die Kos­ten­seite. Stein­bach: Sie ist sicher das Kern­thema beim Bau.

Wie teuer wird der Neubau?

Stein­bach: Jetzt schon Zahlen zu nennen, halte ich für unseriös. Die Kosten sind der­zeit schwierig zu bezif­fern, zum Bei­spiel wegen der Erschließung. Und sie hängen eben von der Größe ab. Rapp: Und davon, ob und welche wei­teren Bereiche einmal dazu­kommen könnten.

Was heißt das?

Stein­bach: Es gibt schon lange Über­le­gungen, mehr gemeinsam zu machen: Stich­wort Bauhof. Zunächst hat die Feu­er­wehr Priorität, aber bei der Bau­leit­pla­nung muss man solche Über­le­gungen berücksich­tigen, ohne sie gleich umsetzen zu müssen.

Die Erschließung im Gebiet in den Rotäckern an der Quer­spange wird nicht billig. Wie viel kostet sie? Wer zahlt was?

Rapp: Es gab mal ein Grob­kon­zept mit Kosten von 800 000 Euro. Jetzt müssen wir prüfen: Sind die Zahlen belastbar, bezie­hungs­weise lassen sich die Kosten ver­rin­gern? Stein­bach: Und ob damit auch ein Bau­ge­biet in Ell­hofen erschlossen wird. Das hätte Aus­wir­kungen auf die Kos­ten­ver­tei­lung.

Rapp: Ja, im Flächen­nut­zungs­plan gibt es zwei mögliche Bau­ge­biete: Dorfäcker II und Rotäcker I. Unser deut­li­cher Favorit ist Dorfäcker II. Es ist völlig unklar, ob Rotäcker I ver­wirk­licht wird. Falls es ver­wirk­licht wird, muss geklärt werden, ob Ell­hofen mehr zahlt oder nicht. Wir wollen uns sicher nicht ein Bau­ge­biet auf Kosten der Nach­bar­ge­meinde erschließen. Wir wollen aber auch keine Mehr­kosten tragen für etwas, was später nicht kommt.

Was, wenn Sie sich nicht einigen?

Rapp: Wir werden uns einigen. Stein­bach: Das denke ich auch.

Wer wird Chef der neuen Feu­er­wehr?

Rapp: Aus der neu zu gründenden Feu­er­wehr heraus wird ein Kom­man­dant gewählt. Das wird nicht Sache der Ver­bands­ver­samm­lung sein. Diese muss aber zustimmen.

Wie ist der­zeit die Stim­mung in den Wehren in Sachen Fusion?

Stein­bach: Nach wie vor stehen wir hinter der Fusion. Unsere Wehr arbeitet kon­struktiv mit. Wir pflegen einen offenen Umgang mit­ein­ander. Viele Leute denken mit und sind enga­giert bei der Sache. Darüber freue ich mich. Rapp: Auf­grund der Führungs­si­tua­tion muss ein der­ar­tiger Pro­zess bei uns erst noch angestoßen werden. Mit dem Thema Fusion befasst sich unsere Wehr der­zeit weniger. Ein­zelne stehen dem Thema sicher auf­ge­schlossen gegenüber. Sie gilt es nun her­aus­zu­fil­tern und zu moti­vieren, sich enga­giert zu betei­ligen.

Wann sind die Wehren ver­eint?

Rapp: Den Zeit­plan wollen wir in einem Aus­schuss abste­cken. Stein­bach: Wenn wir uns in strit­tigen Punkten einig sind, kann es schnell gehen. Die Fusion muss vor dem Neubau voll­zogen sein.

Wel­chen Zeit­punkt wünschen Sie beide sich?

Rapp: Weih­nachten ist erst wieder in zehn Monaten. Nein, im Ernst: Der Kol­lege und ich sind uns ziem­lich einig, was wir wann anstreben, aber ich halte es nicht für richtig, damit an die Öffent­lich­keit zu gehen. Stein­bach: Die Frage ist: Wie dick sind die Bretter, die wir noch bohren müssen? Es ist schwierig, Ziel­vor­gaben zu machen, und dann holen sie uns womöglich wieder ein.

Wie heißt die neue Wehr?

Stein­bach: Darüber haben wir uns auch schon Gedanken gemacht. Feu­er­wehr­zweck­ver­band Ell­hofen/Leh­ren­steins­feld ist kein beson­ders grif­figer Name. Für Vor­schläge sind wir offen.

Kann das Vor­haben noch schei­tern?

Stein­bach: Nein, ich denke nicht. Rapp: Nein. Die Fusion ist poli­ti­scher Wille. Auch bei Pro­blemen wird man Wege finden.

Bild: Leh­ren­steins­felds Bürger­meis­ter­gespräch Björn Stein­bach (links) und sein Ell­ho­fener Kol­lege Wolf­gang Rapp. (Foto: Guido Sawatzki)