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Kameradschaft hat ein neues Zuhause

Möckmühlvon David Binnig, HSt

Es war Zufall. Wirk­lich. Kein Außenste­hender hatte das Gebäude vor der Ein­wei­hung betreten dürfen. Nicht einmal die Frauen der Erbauer. Und doch: Das gelbe Polo­shirt von Bürger­meister Ulrich Stammer hatte haar­genau den­selben Farbton wie der Innen­raum des neuen Bau­werks: der „Flo­ri­anshütte“ der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Möckmühl.

Errichtet wurde sie kom­plett in Eigen­leis­tung. 52 der 57 Mit­glieder waren am Bau betei­ligt. „Es zeigt, dass alle an einem Strickle ziehen“, freut sich Kom­man­dant Uwe Thoma. Eigent­lich war eine ein­fache Holz­per­gola ange­dacht. „Glückli­cher­weise kam beim Bauen einmal ein Sturmtag.“ Mit Wind und Regen zog auch die Erkenntnis durchs offene Holz­ge­stell: „Wenn wir uns schon schinden, dann machen wir was Rich­tiges.“

Heraus kam ein statt­li­ches Häuschen. 68 Qua­drat­meter Nutzfläche, dreimal so groß wie der alte Auf­ent­halts­raum. „Vor allem ist es ein anderes Ambi­ente.“ Uwe Thoma ist stolz auf das Ergebnis. Und auf seine Truppe. Michael Fritz, „der alleine fast zehn Pro­zent der Arbeit geleistet hat“, Hans-Jörg Stammer und Uwe Zip­per­lein taten sich beson­ders hervor.

Stadt nicht belästigt Ins­ge­samt ste­cken 1565 Arbeits­stunden in dem Bau. Deren geschätzter Wert beträgt rund 55 000 Euro. Die Stadt Möckmühl war mit ledig­lich 1800 Euro dabei. „Wir sind gut aus­ge­stattet. Mit der Hütte wollten wir die Stadt nicht belästigen.“ Also alles in Eigen­regie. Vom Boden bis zum Dach. Auf dem Giebel thront ein Feu­er­wehrmännchen aus Ton. Ein Ein­zelstück, hand­ge­fer­tigt.

Innen: Küchen­zeile mit Geschirrspülma­schine, Kühlschrank, Infrarot-Heizkörper. Eine ange­nehme Atmosphäre. Im alten Auf­ent­halts­raum „ist man gehockt wie auf der Hühner­stange“. Mit der neuen Hütte kann das Feu­er­wehrgelände ganz anders genutzt werden. Inten­siver. „Es sind völlig neue Dimen­sionen.“

Kame­rad­schafts­pflege heißt das Stich­wort. Das Zusam­men­sitzen nach den Übungen, den Einsätzen. 70 bis 80 Mal im Jahr muss ausgerückt werden. „70 Pro­zent davon sind tech­ni­sche Hilfe.“ Auf Deutsch: Autounfälle. 30 Auto­bahn­ki­lo­meter hat die Stützpunkt­feu­er­wehr Möckmühl zu betreuen. Die Bilanz 2006 ist „positiv“. „Nur“ zwei Tote. Vor drei Jahren waren es noch sechs. Das, was man an den Unfall­stellen sieht, muss ver­ar­beitet werden. „Viele verdrängen es, aber wir spre­chen darüber.“

Franz Stadtmüller ist seit 43 Jahren bei der Feu­er­wehr. Vieles hat er erlebt. Am schlimmsten ist das Bergen von Lei­chen. „Einmal waren zwei Leute so ver­brannt, die haben in eine Apfel­kiste gepasst.“ Wie geht man mit sol­chen Erleb­nissen um? „Man darf es nicht in sich hin­ein­fressen, muss darüber schwätzen.“

Kame­rad­schaft Genau dafür ist die neue Hütte da. „Sie trägt zur Kame­rad­schaft bei.“ Des­halb hat auch er mit­ge­holfen. 99 Arbeits­stunden leis­tete der 72-Jährige ab. Beto­nieren, Mauern, Strei­chen, Ver­putzen. Wird denn nach all der Arbeit die heu­tige Ein­wei­hung noch ordent­lich gefeiert? „Ja sicher.“ Schel­mi­sches Grinsen. „Früher war ich bei so was ja immer einer der letzten.“

Bild: Feu­er­wehr­kom­man­dant Uwe Thoma schneidet statt eines Bandes Löschschläuche mit einer hydrau­li­schen Schere durch. (Foto: David Binnig)