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Im Mittelalter folgte auf den Brand die Armut

Neudenauvon Manfred Dod, HSt

Ein halbes Dut­zend modern aus­ge­stat­teter Ein­satz­fahr­zeuge der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Neu­denau glänzten zum „Tag der offenen Tür“ auf dem Park­platz beim Feu­er­wehr­haus in Neu­denau.

Während die ersten inter­es­sierten Besu­cher in der Früh, die roten Fahr­zeuge mit der in Weiß auffällig ange­ord­neten Not­ruf­nummer 112 bewun­derten, ver­schlug es die „Blauröcke“, die aus allen Teilen der Umge­bung angerückt waren, an die Tische und Bänke ins Innere. Bevor sie sich das „Flo­rianmenü“ schme­cken ließen, wurden beim Frühschoppen in gesel­liger Runde Gedanken aus­ge­tauscht. Ehren­kom­man­dant Trud­bert Keim wusste inter­es­sante Feu­er­wehr­ge­schichten aus den Anfängen, die er teils selber „mit­ge­macht“ bezie­hungs­weise aus der Chronik nach­ge­lesen hatte.

Ins Gespräch brachte er eine Brand­ord­nung um 1688, die bis zur Gründung der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Neu­denau im Jahre 1865 ver­bind­lich war und aus der fol­gendes zu ent­nehmen war: Im Mit­tel­alter gab es noch keine Feu­er­ver­si­che­rungen. Auf einen Brand folgte unwillkürlich Armut. Die „Obrig­keit“ traf vor­beu­gende Anord­nungen, die den Bürger vor Brandschäden schützen sollten. Der Neu­de­nauer Valentin Cloßmann lud das Gericht des Magis­trats ins Rat­haus und unter­brei­tete eine Feuerlösch­ord­nung. Darin war gere­gelt, dass im Brand­fall etwa 130 nament­lich benannte Jungbürger und Bürgersöhne mit Feu­er­eimer bewaffnet vor dem Rat­haus zu erscheinen haben. Im Falle eines Brandes in der Nach­bar­schaft wurde dies mit der großen Kir­chen­glocke alar­miert. Außerdem wurde vom Schloss ein Schuss abge­geben.

Wer dar­aufhin mit Pfer­de­ge­spann als erster beim Rat­haus ein­traf, um dort drei Feu­er­haken und zwei Feu­er­lei­tern auf­zu­laden, erhielt als Lohn pro Pferd 20 Kreuzer. Für den Ein­satz waren 34 Mann vor­ge­sehen, die das Geschirr am Brandort abluden. Zim­mer­leute, Maurer und Bauern warden zur Ent­nahme des Löschwas­sers aus der Jagst bestimmt. Das Kom­mando wurde von Schultheiß, Keller, Stadt­schreiber und Land­haupt­mann geführt. Ferner wurden vier Stadträte zur Feu­er­schau bestimmt. Um Feu­er­zei­chen zu signa­li­sieren, sollten drei Dop­pel­haken-Böllerschüsse auf dem Schloss­turm stets geladen sein.

Wenn es in der Stadt brannte, musste mit allen Glo­cken Sturm geläutet werden. Wenn es in Her­bolz­heim brannte, wurde die zweitgrößte Glocke geläutet, wozu zwei Schüsse durch das Tal don­nerten.

Bild: Beim Frühschoppen unter­hielt sich Ehren­kom­man­dant Trud­bert Keim mit Jörg Wagner, dem der­zei­tigen Kom­man­danten, über die Geschichte der Wehr.

Foto: Dod