QR-Code zur Seite

Horst Köhler stimmt an, und alle singen das Ständchen mit

Neckarsulmvon Barbara Barth, HSt

Neckar­sulm hat ihn wieder: Die große Reise ins ferne Berlin zum Neu­jahrs­emp­fang des Bun­despräsidenten hat Torsten Rönisch über­standen. "Das war echt gut", erzählt der Neckar­sulmer Feu­er­wehr­mann und Seel­sorger begeis­tert. Aber froh ist er doch, "wieder bei den Nor­malen zu sein".

Vom Pro­to­koll des Bun­despräsidi­al­amtes minutiös geplant, ver­lief der zweitägige Aus­flug ohne jede Panne. Kaum im Hotel nahe Unter den Linden ein­ge­checkt, machte sich Torsten Rönisch auf die Socken und erlebte, was jeder Berlin-Neu­ling erstaunt fest­stellt: "Da ist ja alles so nah bei­ein­ander."

Abends qualmten zwar doch die Socken, doch der 35-Jährige hatte vieles in Augen­schein genommen, was er sonst immer nur im Fern­sehen sah. Eine Stunde lang wurden die 70 ehren­amt­li­chen Bürge­rinnen und Bürger aus allen Bun­desländern, drei kamen aus Baden-Württem­berg, dann noch vom Pro­to­koll auf den nächsten Tag ein­ge­stimmt und mit dem guten Rat, keine Angst zu haben, ins Bett geschickt. "Ich habe auch ganz gut geschlafen, aber beim Frühstück war "s mir doch flau", erzählt der Neckar­sulmer rückbli­ckend. Schließlich geht man nicht jeden Tag über den roten Tep­pich ins Schloss Bel­levue und schüttelt dem Bun­despräsidenten die Hand.

Total über­rascht war er auch, dass er plötzlich neben der Bun­des­kanz­lerin Angela Merkel stand, mit Franz Münte­fe­ring plau­dern konnte und sich Annette Schavan nach seinem Wohl­be­finden erkun­digte. Bun­destag, Bun­desrat, die Regie­rungs­chefs der Länder, Par­teien, Sicher­heits­or­gane, Verbände, Kam­mern, Wohl­fahrts­or­ga­ni­sa­tionen, Wirt­schaft und Gewerk­schaften bil­deten das Defilee. Und mit­ten­drin die Bürger.

Wichtig war Torsten Rönisch, sein Ehrenamt gut zu ver­treten. "So, bei der Feu­er­wehr Neckar­sulm sind Sie", sagte der Bun­despräsident mit Blick auf seine Uni­form. Sein Auf­ga­ben­ge­biet bei der Not­fall- und Feu­er­wehr­seel­sorge schil­derte ihm Rönisch ein­ge­hend, und Köhler bekun­dete mit Blick auf das Unglück von Bad Rei­chen­hall, wie wichtig es sei, dass auch Helfer Hilfe erhalten. Beim noblen Mit­tag­essen - es gab Kraftbrühe von Havelländer Fluss­krebsen, Rücken vom Fläminger Dam­wild und Halb­ge­fro­renes von Aka­zi­enblüten­honig mit ein­hei­mi­schen Feigen - ließ das Staats­ober­haupt die Gäste wissen, dass das Ehrenamt nicht alle Lücken schließen könne. "Ohne wäre die Gesell­schaft aber ärmer und dunkler, durch das Ehrenamt wird sie rei­cher und heller." Ein Geburts­tagsständchen, ange­stimmt vom Bun­despräsidenten und seiner Frau für einen 70-jährigen Gast, ver­einte alle 300 Teil­nehmer zu einem rie­sengroßen Chor.

Beglückt von vielen Gesprächen und voller Ideen und Inspi­ra­tionen kehrte Torsten Rönisch zurück in seine kleine Welt. "Ich war einen Tag auf dieser Bühne, die Poli­tiker stehen da jeden Tag drauf", wurde ihm klar. Für sich ent­schied er, dass ihm sein Leben in Neckar­sulm doch mehr behagt.