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Handlungsbedarf bei der Nachwuchswerbung

Landkreis Heilbronnvon Michael Endres, Feuerwehr Sinsheim

Die Feu­er­wehren in Baden-Württem­berg sind gut auf­ge­stellt. Den­noch gibt es nach den Worten von Dr. Frank Knödler, Präsident des Lan­des­feu­er­wehr­ver­bands, Inves­ti­ti­ons­be­darf bei der Geräte- und Fahr­zeug­aus­stat­tung der Stadt- und Gemein­de­feu­er­wehren.

Ange­sichts der posi­tiven Wirt­schafts­ent­wick­lung und spru­delnden Steu­er­ein­nahmen wünscht sich der Lan­des­feu­er­wehrpräsident eine ent­spre­chende Bezu­schus­sung von­seiten des Landes. "Es kann nie schaden, wenn Geld aus Stutt­gart in die Fläche geht", betonte der 51-jährige Chef der Lan­des­feu­er­wehren zum Auf­takt des Ver­bands­tages, der am Wochen­ende in Sins­heim statt­fand.

Rund 500 Dele­gierte der 1107 Feu­er­wehren in Baden-Württem­berg dis­ku­tieren in der Messe Sins­heim die neu­esten Ent­wick­lungen und gesetz­li­chen Vor­gaben zum Brand­schutz. Drin­genden Hand­lungs­be­darf sehen die Feu­er­wehren im Südwesten aller­dings bei der Nach­wuchs­wer­bung.

Zwar gebe es laut Dr. Knödler in 90 Pro­zent der Gemeinden eine Jugend­feu­er­wehr, doch zuneh­mend stehe die Jugend­ar­beit der Feu­er­wehr in Kon­kur­renz mit anderen Frei­zeit­an­ge­boten. Um nach­haltig Jugend­liche für die inter­es­santen Auf­gaben der Feu­er­wehren zu begeis­tern, müsse verstärkt in die kom­pe­tente Aus­bil­dung der Jugend­grup­penführer inves­tiert werden. "Ich hoffe nicht, dass sich hier schon der demo­gra­phi­sche Knick bemerkbar macht."

Was gut für die Ener­gie­bi­lanz und Bewohner ist, bereitet den Ein­satzkräften der Feu­er­wehren zuneh­mend Kopf­zer­bre­chen: Moderne Wohnhäuser bergen im Brand­fall beson­dere Risiken. Durch die Ver­wen­dung hoch­wer­tiger Dämmung und Fens­ter­ver­gla­sung könne ein Feuer über lange Zeit nur schwelen, bis es dann mit einer plötzli­chen Sau­er­stoff­zu­fuhr zum gefährli­chen "flash over" komme. Dieser Pro­ble­matik wird auf der Sins­heimer Tagung beim Erfah­rungs­aus­tausch der Brand­schutz­ex­perten beson­ders breiter Raum eingeräumt. Bei einem offenen Feuer sehe man Flammen, beim Kokeln aber nur Rauch. Das sei für Bewohner und Feu­er­wehr­leute gefährlich: "Der Mensch stirbt nämlich am Rauch, an der Auf­nahme des gif­tigen Koh­len­mon­oxids." Knödler rief daher zum Einbau von Rauch­mel­dern auf, die relativ preis­wert in jedem guten Bau­markt und im Fach­handel zu haben sind.

Mit Blick auf die Finan­zie­rung von Feu­er­wehr­fahr­zeugen for­derte der Präsident mehr Geld vom Land. Der­zeit trage das Land 30 Pro­zent der Kosten, Städte und Gemeinden die rest­li­chen 70 Pro­zent. Knödler ver­langte zudem, das Land solle deut­lich mehr Geld in den Zivil- und Kata­stro­phen­schutz ste­cken. Mit 85 Cent pro Jahr und Ein­wohner sei dies ange­sichts der Bedro­hungs­lage viel zu wenig, "wir müssen auch auf große Aktionen vor­be­reitet sein". Von der ver­spro­chenen "Sicher­heits­ar­chi­tektur des Bundes" sei bis­lang bei den Feu­er­wehren im Land noch nichts ange­kommen". Des­halb mahnte der Feu­er­wehrpräsident vernünftige Kon­zepte für den Kri­sen­fall an.