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Grenzen des Ehrenamts

Landkreis Heilbronnvon Simon Gajer, HSt

Die Stadt Sins­heim rüstet die Feu­er­wehr um und macht einen Schritt hin zur Berufs­wehr light, um die ehren­amt­li­chen Ein­satzkräfte zu ent­lasten. Die Kom­munen Bad Rap­penau und Eppingen haben bereits eine ähnliche Struktur und planen darüber­hinaus keine wei­teren Schritte. In Neckar­sulm über­nehmen vier Haupt­amt­liche viele Auf­gaben.

Im Fokus Schon jetzt gibt es in Sins­heim drei städti­sche Mit­ar­beiter, die bei Alar­mie­rungen ausrücken und außerdem Fahr­zeuge und Geräte der Sins­heimer Wehr warten und pflegen. Aber: Arbeits­recht­lich können sie nicht für den Ein­satz­dienst ver­pflichtet werden. Bei der Umstruk­tu­rie­rung, der die Stadträte in dieser Woche zustimmten, rücke die Arbeit für die Feu­er­wehr in den Fokus, sagt Haupt­amts­leiter Marco Ful­gner. Die Stadt Sins­heim bekommt tagsüber vier haupt­amt­liche Ein­satzkräfte.

„Es wird immer schwie­riger, Leute für den frei­wil­ligen Dienst zu begeis­tern“, beschreibt er den Aus­gangs­punkt der Über­le­gungen. Ferner sind Gerätewar­tung und -prüfung umfang­rei­cher geworden, und die Wehr rückt immer häufiger zu kleinen Einsätzen aus, bei­spiels­weise um sich um aus­ge­lau­fenen Kraft­stoff zu kümmern. Doch gerade über diese kleinen Alarme seien „die Arbeit­geber nicht beson­ders glücklich“, weiß Ful­gner. Hier kommt das neue Quar­tett zum Zuge, das als Ein­heit eigenständig agiert. Ziel­set­zung ist, dass die vier diese Einsätze abde­cken und man dafür möglichst gar nicht mehr auf Frei­wil­lige zurückgreifen müsse. Ob die Feu­er­wehr lang­fristig mit vier Haupt­amt­li­chen aus­kommt, kann Ful­gner der­zeit nicht abschätzen. „Wir hoffen, dass es aus­rei­chend ist.“

Der Stadt Neckar­sulm stehen bereits vier haupt­amt­liche Feu­er­wehrkräfte zwi­schen 7 und 16 Uhr zur Verfügung. Ehren­amt­liche allein, sagt Kom­man­dant Wolf­gang Rauh, könnten die Auf­gaben gar nicht mehr leisten. Viel Indus­trie, viel Ver­kehr: Die Stadt mit knapp 26 000 Ein­woh­nern habe eine Infra­struktur, die der einer 50 000-Ein­wohner-Kom­mune ähnele, beschreibt der Kom­man­dant die Situa­tion. Die Feu­er­wehr habe einen großen Fuhr­park und ver­sorge als zen­trale Schlauch­werk­statt zahl­reiche Kom­munen im Land­kreis. Und auch Einsätze seien arbeits­auf­wendig: Nach einem Dach­stock­brand in dieser Woche dau­erte es zwei Tage, bis alles wieder aufgeräumt war. Schwer wäre es, müsste dies von Ehren­amt­li­chen über­nommen werden, sagt Rauh. Er weiß, dass auch andere Kom­munen auf haupt­amt­liche Kräfte setzen, etwa Gerätewarte. Denn es werde immer kom­pli­zierter, die Technik zu prüfen.

Die Stadt Bad Rap­penau hat haupt­amt­lich einen Kom­man­danten und einen Gerätewart. Einen Anlass, das Per­sonal zu erwei­tern, sieht Oberbürger­meister Hans Heri­bert Blättgen nicht. „Aktuell haben wir keinen Hand­lungs­be­darf.“

Löschzüge Die Stadt Eppingen hat bei der Feu­er­wehr das haupt­amt­liche Per­sonal auf 1,75 Stellen auf­ge­stockt. Einen haupt­amt­li­chen Kom­man­danten, sagt Ord­nungs­amts­leiter Günter Brenner, lehnten die Mit­glieder aber ab. Wei­teres Per­sonal sei nicht geplant, auch tagsüber stünden aus­rei­chend Ein­satzkräfte in Führungs­po­si­tionen zur Verfügung. „Wir sind in der glückli­chen Lage, die Ehren­amt­li­chen zu haben.“ In diesem Monat befasst sich der Eppinger Gemein­derat mit der Idee, die Abtei­lungen der Orts­teile zu zwei Löschzügen Nord und Süd zusam­menzuführen. „Als tak­ti­sche Ein­heit“, sagt Günter Brenner. Die eigenständigen Abtei­lungen bleiben erhalten.

Bild: Die Frei­wil­lige Feu­er­wehr Bad Rap­penau, hier bei einer Übung in Wol­len­berg, hat zwei haupt­amt­liche Ein­satzkräfte. Oberbürger­meister Hans Heri­bert Blättgen sieht keinen Bedarf, dies zu ändern. (Foto: Archiv/Ochs)