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Giftiger Rauch und ein eingeklemmter Verletzter

Beilsteinvon Wolfgang Seybold HSt

Die heu­lende Sirene auf dem Rat­haus schreckte am Nach­mittag das fried­lich in der Herbst­sonne lie­gende Beil­stein abrupt auf. Kurz darauf war schon das Mar­tins­horn der ausrückenden Löschfahr­zeuge zu hören. Wo brennt es? Nir­gends. Es war nur eine Übung.

Langsam kris­tal­li­sierte sich der Unglücksort heraus: Aus einer Werk­statt am Gar­tenweg, mitten im Zen­trum, drang dichter Rauch. Ziel dieser in der Form zum ersten Mal durchgeführten Übung ist es, die Ein­satz­be­reit­schaft der Wehr unter rea­lis­ti­schen Bedin­gungen zu proben , sagte Kom­man­dant Bernd Kir­cher, der am Brandort auf­merksam das Geschehen ver­folgte.

Die Übung unterlag strikter Geheim­hal­tung, so dass die Feu­er­wehr­leute wie bei einem realen Ein­satz aus ihrer All­tags­ar­beit gerissen wurden. Ein Mann­schafts­trans­port­wagen brauste als erstes Fahr­zeug in den Gar­tenweg. Der Ein­satz­leiter musste dort erkunden, welche Maßnahmen sofort zu ergreifen sind.

Die Lage ist so, dass es im Heiz­raum mit Ölfeue­rung brennt und gif­tiger Rauch die darüber lie­gende Werk­statt unpas­sierbar gemacht hat. Eine Person ist dort unter umgestürzten Paletten ein­ge­klemmt , gab Kom­man­dant Kir­cher die Situa­tion an Jochen Sturm, Leiter der Abtei­lung I, weiter.

Die Men­schen­ret­tung hatte Priorität. Während vom Tanklöschfahr­zeug die Schlauch­lei­tungen auf­ge­baut wurden, legten Alex­ander Kawa und fünf wei­tere Kame­raden ihre Atem­schutzgeräte an. Die drei Atem­schutz­trupps hatten in der ersten Phase die schwie­rige Auf­gabe, zu dem ver­meint­lich Ver­letzten vor­zu­dringen. Dieter Bet­zel­berger hatte die wich­tige Funk­tion, die Atem­schutz­trupps zu über­wa­chen. Auf einer gelben Schreib­klatte ver­merkte er genau die Zeiten unter der Atem­maske und sorgte recht­zeitig für Ablösung.

Vier Feu­er­wehrmänner von der Abtei­lung II trugen den Spreizer herbei, mit dem die umgestürzte Palette von dem Ver­letzten hoch­ge­hoben werden musste. Der Rauch wurde immer dichter. Nach bangen Minuten konnte der Ver­letzte schließlich dem dreiköpfigen Ein­satz­team des DRK zur ersten Ver­sor­gung überg­eben werden. Im Ernst­fall könnten die Wehrmänner sich jetzt voll auf die Brandbekämpfung kon­zen­trieren.

Im Laufe der Übung trafen rund 30 Feu­er­wehr­leute - das ist ungefähr die Hälfte der Beil­steiner Wehr - am Brandort ein. Kom­man­dant Bernd Kir­cher war mit dieser Mann­schaftsstärke zufrieden, wohl wis­send, dass sie an einem Werktag sicher schlechter aus­ge­fallen wäre.

Als erstes Ergebnis hielt der Beil­steiner Kom­man­dant fest, dass die eigene Mann­schaft im Ernst­fall mit der Brandbekämpfung allein fertig geworden wäre. Zur Sicher­heit hätten aber Atem­schutz­trupps aus dem benach­barten Obers­ten­feld und der Gerätewagen der Berufs­feu­er­wehr Heil­bronn mit Atem­schutzgeräten ange­for­dert werden müssen.

Foto: Mit ver­einten Kräften trugen Feu­er­wehr­leute den Spreizer in die total ver­qualmte Werk­statt, um damit die Palette hoch­zu­hieven, unter der der Ver­letzte fest­ge­klemmt war. (Foto: Wolf­gang Sey­bold)