QR-Code zur Seite

Für diesen Job lässt man auch mal eine Party sausen

Bad Wimpfenvon Rolf Muth HSt

Julians Geburts­tags­fete hat einen kleinen Haken. André und Alex­ander müssen weg. Ein­satz im Bad Wimp­fener Feu­er­wehr­haus.
Die beiden Sechsjährigen gehören zur neu gegründeten Kin­der­feu­er­wehr - eine der ersten im ganzen Land. Die kurz­zei­tige Unter­bre­chung der Geburts­tags­party nehmen sie gelassen. Das kennen sie von zuhause. Auch die Papas rennen zu jeder Tages- und Nacht­zeit zum Magazin, sobald sich der Piepser meldet - egal ob Michael Bal­lack gerade für die deut­sche Natio­nalelf ein Tor schießt oder der Onkel in der Kirche das Ja-Wort spre­chen will.

Im Magazin kennen sich die acht Knirpse der neuen Gruppe schon bes­tens aus. ?Wir haben bis­lang nur die Kinder von aktiven Mit­glie­dern auf­ge­nommen?, sagt Kom­man­dant und Kreis­feu­er­wehr-Chef Rein­hold Korb. Denn die Ver­ant­wor­tung für die sechs- bis elfjährigen Jungs und Mädchen ist groß. Innen­mi­nis­te­rium, Württem­ber­gi­sche Gemein­de­ver­si­che­rung, Lan­des­feu­er­wehr­ver­band - Korb hat seine Wehr nach allen Seiten abge­si­chert, bevor die Flo­ri­ansjünger der Stau­fer­stadt die Kin­der­feu­er­wehr ins Leben gerufen haben.
An Nach­frage man­gelt es nicht. Schon gibt?s eine War­te­liste.

Nach­wuchs­sorgen hat die Feu­er­wehr im Land­kreis nicht. 1200 Jugend­liche zwi­schen 12 und 18 Jahren gehören einer Jugend­wehr an.

Kinder- und Jugend­be­treuer Chris­tiane Ott und Phillip Dautel haben in Wimpfen keinen leichten Job: Die Kids flitzen durch die Kom­man­do­zen­trale, unterm Dreh­lei­ter­korb hin­durch, am Tanklöschfahr­zeug vorbei zum Schlauch­lager. Dort steht auch die Kin­der­aus­stat­tung, die gerade erneuert und auf­ge­motzt wird. ?Die haben wir seit 45 Jahren in einer Scheune?, sagt Korb. Schon damals hatten die Wimp­fener eine Kin­der­wehr, die aber wieder ein­ge­schlafen ist. Seitdem kam der kleine Anhänger mit Mini­pumpe und Spritzen nur beim Fest­umzug zum Ein­satz. Das soll sich ändern. ?Ich will die Kinder schon für die Feu­er­wehr begeis­tern, bevor sie ein anderer Verein kas­siert?, sagt Rein­hold Korb.

Behände werfen die Jungs die kleine D-Schläuche aus. Diese wiegen nur ein Kilo und sind für eine Was­ser­menge von 50 Litern pro Sekunde geeignet. Von der Erwach­se­nen­wehr werden sie nur für kleine Zim­merbrände ver­wendet. Bei einem großen Feuer kommen zehn Kilo schwere B-Schläuche mit einer Förder­menge von 600 Sekun­den­li­tern zum Ein­satz. Wie beim Brand der Sonne. Beim Nachlöschen der Hotel­ruine am zweiten Tag war André als Beob­achter mit dabei. ?Das war echt cool!? Sein Freund Alex hat sich schon mit der Dreh­leiter aus dem dritten Stock eines Hauses retten lassen - also zwei richtig kleine Profis. Natürlich werden die Kinder nicht zu Löscheinsätzen mit­ge­nommen. ?Aber viel­leicht zu einer Übung mit den Vätern?, sagt Korb.

Im Winter sind die Möglich­keiten noch etwas ein­ge­schränkt. Das Wimp­fener Feu­er­wehr­haus hat aber jede Menge Platz zum Tisch­tennis spielen, malen und bas­teln. Die Kinder werden nach und nach auch lernen, wie man einen Notruf absetzt, was der Unter­schied zwi­schen Brandbekämpfung und der Tech­ni­schen Hil­fe­leis­tung beim Ver­kehrs­un­fall ist. Oder wie eine Löschgruppe vor­geht. Und wie die Fahr­zeuge und Geräte heißen.

Aber auch da macht man André und Alex­ander nichts mehr vor. Sie wissen, dass der Ver­teiler, der auf den Hydranten auf­ge­schraubt wird, Stand­rohr heißt und das ?LF 8-6? 600 Wasser mit sich führt sowie Platz für acht Mann bietet.

Atem­schutz ist noch ein Weil­chen aus­ge­klam­mert. Wiegt doch eine befüllte Atem­schutz­fla­sche 25 Kilo. So viel bringt Feu­er­wehr­mann André gerade mal auf die Waage.

Foto: André Pas­quale Tomse (rechts) und Alex­ander Fried­rich kennen sich im Bad Wimp­fener Feu­er­wehr­ma­gazin schon bes­tens aus. Die Jungs gehören zur neuen Kin­der­feu­er­wehr in Bad Wimpfen, eine der ersten im Land. (Foto: Ralf Seidel)