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Feuerwehr fackelt Christbäume ab

Heilbronnvon Helmut Buchholz, HSt

Ungewöhnli­cher Test soll vor weih­nacht­li­chen Brand­ri­siken warnen

Die Haupt­saison ist eröffnet. In der Nacht von Montag auf Dienstag rückte die Heil­bronner Wehr zum ersten bren­nenden Advents­kranz aus. In keiner anderen Zeit des Jahres ist das Brand­ri­siko größer als in der Weih­nachts­zeit, sagt Günter Bau­mann, Spre­cher der Retter. „Denn in keiner anderen Zeit wird mehr mit offenem Feuer han­tiert." Von beschau­li­cher Advents­zeit und Stiller Nacht kann für die Feu­er­wehren also keine Rede sein.

Um zu demons­trieren, wie groß die Feu­er­ge­fahr ist „und um die Leute vor­sich­tiger zu machen", sind die Feu­er­wehr­leute im Hof ihrer Heil­bronner Leit­zen­trale selbst zu Brand­stif­tern geworden. Denn, so Bau­mann, „die Leute denken immer, ein Baum brennt halt. Aber wie der brennen kann, das wissen die meisten nicht." Um Echt­be­din­gungen zu schaffen, opferten die Retter sogar eigene Christ­baum­ku­geln und Lametta, mit denen sie die Test-Christbäume schmückten. Die Nadelgehölz-Pro­banden waren Spenden von Baumärkten und Ver­eins-Weih­nachts­feiern.

Ziel des ersten Ver­su­ches war es, zu zeigen, dass das Brand­ri­siko mit der Stand­dauer des geschla­genen Baumes extrem zunimmt. Zunächst hielt Günter Bau­mann ein han­delsübli­ches Feu­er­zeug an eine vor drei Wochen geschla­gene Fichte - ohne Wir­kung. Der Baum igno­rierte die Flamme nicht nur, er blies sie sogar aus! Unglaub­lich, aber wahr: Die Feuch­tig­keit in den Nadeln, erklärt Bau­mann, wird unter dem Feu­er­zeug zu Dampf, der die kleine Feu­er­quelle aus­pustet. Selbst Bau­manns Wehr­kol­lege Eck­hard Ay traute seinen Augen nicht und legte selbst Hand an. Doch auch er schei­terte als Brand­stifter kläglich. Erst mit einem mas­siven Bun­sen­brenner-Angriff war der Baum in Brand zu ste­cken. Aller­dings ließ sich so die Pflanze nicht gänzlich abfa­ckeln. Ohne Nach­schub aus dem Bun­sen­brenner erlosch der Brand. Ver­such­ser­kenntnis: Fri­sche Bäume geraten schlecht in Brand. Ältere dagegen umso schneller.

Um dies zu demons­trieren, steckte die Heil­bronner Feu­er­wehr einen Christ­baum extra zwei Tage in den Tro­cken­schrank. Als Günter Bau­mann das Feu­er­zeug ansetzt, muss er sich fast in Sicher­heit hechten. Denn was nun pas­siert, gleicht einer Explo­sion. Das Harz in den ausgedörrten 400 000 Nadeln, die ein han­delsübli­cher Weih­nachts­baum etwa hat, bildet mit dem Dampf der ver­blie­benen Flüssig­keit ein brenn­bares Gemisch, das viel Druck auf­baut, so dass ein­fache Scheiben in dem Raum zer­bersten. Bau­mann: „Das Inferno ist nicht mehr auf­zu­halten."

Prima Geschenk Heil­bronns Feu­er­wehr hat sich dazu ent­schlossen, in ihrer Leit­zen­trale aus Sicher­heitsgründen einen Weih­nachts­baum aus Plastik auf­zu­stellen. Zwar rät Bau­mann nicht gene­rell vom Natur­baum ab. „Aber ein Eimer Wasser sollte immer in der Nähe stehen." In man­chen Alters­heimen und im Heil­bronner Kran­ken­haus seien dagegen Natur­kerzen längst aus Sicher­heitsgründen tabu, nimmt der Fach­mann befrie­di­gend zur Kenntnis. Außerdem gibt es für ihn ein ideales, preis­wertes Geschenk, das eigent­lich unter keinem Weih­nachts­baum fehlen sollte, egal wie tro­cken die Tanne ist: ein Rauch­melder.

Bild 1: Günter Bau­mann legt Feuer. Ein kleiner Funke am tro­ckenen Baum genügt.Bild 2: Sofort lodern Flammen hoch. Das Feuer springt von Nadel zu Nadel über.Bild 3: In einer Ket­ten­re­ak­tion breitet sich der Brand explo­si­ons­artig aus.Bild 4: Total ver­kohlt. Sogar das Lametta ist abge­fa­ckelt. (Fotos: Feu­er­wehr)