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Feuerwehr auf die Palme gebracht

Eppingenvon Susanne Walter HSt

In einer amüsanten Aktion haben sieben Frei­wil­lige der Eppinger Feu­er­wehr eine Kenzia-Palme aus dem siebten Stock abge­seilt. Der Baum war der Besit­zer­fa­milie Davids über den Kopf gewachsen. Statt der Axt winkt der Palme nun eine son­nige Zukunft in der Heil­bronner Fußgänger­zone.

Wer am Don­ners­tag­abend gegen 20 Uhr durch die Eppinger Bis­marck­straße ging, traute seinen Augen kaum: Eine vier Meter fünfzig hohe Palme samt gut ein­ge­packtem Topf kam da, an einem Klet­ter­seil befes­tigt, ganz langsam die hohe Haus­wand 21 Meter tief her­un­ter­ge­se­gelt. Am Fenster beob­ach­tete das Ehe­paar Davids das Geschehen. Die Ehe­leute hatten das gute Stück über Jahr­zehnte hinweg gepflegt, bis das Wohn­zimmer zu klein wurde. Mit Hilfe der Feu­er­wehr und eines Kipp­las­ters ging der Tro­pen­baum auf die ungewöhnliche Reise.

Amüsiert ver­folgte auch Gott­fried Friz, Inhaber des gleich­na­migen Bet­ten­hauses in Heil­bronn, das Geschehen. Er hatte nach einem Kun­den­gespräch mit der Familie Davids den Stein ins Rollen gebracht und die von der Familie so heiß geliebte Palme, die das Ehe­paar im Jahr 1962 zur Hoch­zeit bekommen hatte, vor dem Tod durch Zersägen bewahrt. Friz war eigent­lich gekommen, um das Paar in Sachen neue Matratzen zu beraten, als Elfrun Davids ihm mit Tränen in den Augen ihr Leid klagte. Zu groß sei er geworden, der Baum, der für die beiden schon zum Fami­li­en­mit­glied geworden sei und vier Umzüge mit­ge­macht hatte.

Friz wollte helfen, fand Mit­streiter in der Heil­bronner Gärtnerei Rein­wald, die nicht nur den Trans­port über­nahm, son­dern künftig im Win­ter­quar­tier die Palme auch vor Schnee und Frost schützen will. Und in der Eppinger Feu­er­wehr, die minutiös sogar mit Zeich­nungen diesen Son­der­ein­satz geplant hatte. „Mein Mann und ich haben die letzte Nacht kein Auge zuge­macht“, gesteht Elfrun Davids, so auf­ge­regt sei sie gewesen. Pal­men­retter Friz hat ihr, damit die Lücke im Wohn­zimmer nicht zu lange klafft, eine neue Palme der glei­chen Sorte ver­spro­chen - nur etwas kleiner. „Die werde ich dann die nächsten 35 Jahre gießen und pflegen“, ver­spricht Elfrun Davids, die sich schweren Her­zens von ihrem Baum ver­ab­schie­dete. „ rger­lich nur, dass ich noch nicht mal mehr weiß, von wem wir sie zur Hoch­zeit bekommen haben.“ Eine son­nige Zukunft mit viel Licht und Bewun­de­rung soll der Pal­menschönheit vor dem Bet­ten­haus in der Heil­bronner Fußgänger­zone gewiss sein.

Auch die Eppinger Feu­er­wehr­leute unter der Ein­satz­lei­tung von Martin Kemmler hatten ihren Spaß an dieser Aktion. Den Topf hatten sie in einen Gurt gepackt, der eigent­lich zur Ret­tung von Tieren im Not­fall vor­ge­sehen ist. Das Klet­ter­seil, an dem die Kenzia her­ab­schwebte, sei nor­ma­ler­weise zur Men­schen­ret­tung vor­ge­sehen. Pal­men­be­sit­zerin Elfrun Davids ist letzt­lich mehr erleich­tert als traurig, kann sie doch ihren Lieb­ling wei­terhin immer besu­chen gehen, wenn sie möchte. Und sie hat wieder Platz in ihren eigenen vier Wänden.

Eine vier­ein­halb Meter hohe Palme seilten Feu­er­wehr­leute aus einer Eppinger Woh­nung ab. Der Baum zieht um nach Heil­bronn. (Foto: Susanne Walter)