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Dauereinsatz für die Notfallseelsorger

von Carsten Friese HSt

Wenn die Polizei bei tra­gi­schen Unglücken die Todes­nach­richt über­bringen muss, sind sie oft mit dabei: die Not­fall­seel­sorger im Stadt- und Land­kreis Heil­bronn. Bei ihrer „ersten Hilfe für die Seele“ von Angehörigen ist Feingefühl gefragt. In den ver­gan­genen Wochen hatten sie äußerst viel zu tun im Unter­land.

Zwei tote 16-jährige Motor­rad­fahrer in Offenau, ein toter Auto­fahrer bei Bad Wimpfen, eine Neckar­leiche in Heil­bronn, ein Getöteter nach einem Über­fall auf Disco-Türsteher, Unterländer, die in der Flut­re­gion Asiens ver­misst werden: „Es gibt so selt­same Zeiten, in denen es sich ver­dichtet“, sagt Michael Kaz­maier. Fünf Mal war der evan­ge­li­sche Seel­sorger in den ersten Janu­ar­tagen im Not­fall­ein­satz, um Men­schen, die in eine Extrem­si­tua­tion kata­pul­tiert wurden, bei­zu­stehen.

Wenn Poli­zei­be­amte mit mul­migem Gefühl im Magen nach einem Unglück an der Tür der Angehörigen klin­geln, sind die Not­fall­seel­sorger oft mit dabei und bieten ihre Hilfe an. Eine plötzliche Todes­nach­richt kann Men­schen den Boden unter den Füßen wegreißen. Eine einfühlende Betreuung in den ersten Momenten, da ist Kaz­maier über­zeugt, „ist ent­schei­dend für den ganzen Trau­er­fall“.

Den Angehörigen das Leid und die Trauer abnehmen können die Not­fall­seel­sorger nicht. Aber: Per­spek­tiven eröffnen, wie es zu Hause oder im Geschäft wei­ter­geht, Halt­punkte suchen, klären, wer sich jetzt um sie kümmern kann, das ge- hört zu ihren Kern­auf­gaben. Seel­sorger Jörg Spah­mann berichtet, dass manche Men­schen auch davon abge­halten werden müssen, sich im Schock­zu­stand ins Auto zu setzen. Die Reak­tionen sind so viel­schichtig wie die Men­schen selbst: vom Schreien über Sich-auf-den-Boden-Werfen bis zur völligen Apa­thie. Das Reden über den Ver­unglückten, das gemein­same Betrachten eines Fotos hat Not­fall­seel­sorger Torsten Rönisch als hilf­reich für die Angehörigen erlebt. Es sind Gespräche, die Zeit brau­chen. Rund drei Stunden waren es 2004 im Durch­schnitt.

26 Mal war Rönisch im Vor­jahr im Ein­satz. In keinem der Fälle wurde er vor Ort auf­ge­for­dert, wieder zu gehen. Doch nicht immer wird die Hilfe gesucht. Angehörigen jener Unterländer, die in der Flut­re­gion Asiens ver­misst werden, boten die Not­fall­seel­sorger Bei­stand an. „Kein Bedarf“, erfuhren sie über die Polizei. Kaz­maier weiß, dass die Unge­wiss­heit bei Ver­miss­tenfällen „ganz schwer aus­zu­halten“ ist. Falls eine Todes­nach­richt aus der Flut­re­gion kommt, wollen die Not­fall­seel­sorger ihr Hilfs­an­gebot erneuern.

Auch Ret­tungskräfte brau­chen manchmal Not­fall-Hilfe. Als im Vor­jahr im Brei­ten­auer See ein sie­benjähriges Mädchen ertrank, fuhr Rönisch zu einem Gesprächs­termin mit den DLRG-Kräften. Die Gleichgültig­keit, mit der Badegäste ins Wasser wollten, obwohl Tau­cher dort gerade nach dem mutmaßlich toten Mädchen suchten, hatte die Gruppe extrem betroffen gemacht.

Und wer hilft bei all dem erlebten Leid den Not­fall­seel­sor­gern? Die psy­chi­sche Belas­tung ist hoch. Gespräche, Ein­satz­be­spre­chungen finden im Nach­hinein statt. Und wer eine Pause braucht, hört für ein halbes Jahr auf. Kaz­maier: „Damit wir nicht selbst zu Opfern werden.“