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Damit beim Kettenrauchen alles klappt

Heilbronnvon Franziska Feinäugle HSt

Der ket­ten­rau­chende Kellner, der ab diesen Samstag in Lutz Hübners "Hotel Paraiso" über die Bühne des Heil­bronner Thea­ters spa­ziert, hat Wasser im Aschen­be­cher. Das hat die Feu­er­wehr so bestimmt, und das kon­trol­liert sie vor jeder Vor­stel­lung. Aus dem Ver­bor­genen ver­folgen Feu­er­wehr­leute jede Aufführung mit. Aus Sicher­heitsgründen.

Hun­dertmal im Jahr ist der Heil­bronner Feu­er­wehr­mann Wolf­gang Schlipf (51) im Theater. Und immer beruf­lich bedingt. Zu jeder Gene­ral­probe - ver­gan­genes Jahr waren das 52 - bekommt der 51-jährige Haupt­brand­meister eine Ein­la­dung: Dann sieht er sich an, was gespielt wird, hat ein waches Auge auf alles, was in Feuer umschlagen könnte, und legt gemeinsam mit Schau­spie­lern und Regis­seur fest, wie damit umzu­gehen ist. Also dass bei­spiels­weise im Aschen­be­cher des Paraiso-Kell­ners Wasser sein muss.

"Die Ziga­rette ist die häufigste Feu­er­quelle", sagt Klaus Herr­mann, tech­ni­scher Leiter des Heil­bronner Thea­ters, "gefolgt von der Kerze." Weil Feu­er­quellen im Theater gefährlich sind, ist laut Para­graf 35 der baden-württem­ber­gi­schen Ver­samm­lungsstätten­ver­ord­nung "auf Bühnen das Rau­chen ver­boten". Aber nur eigent­lich. Denn für Figuren wie den ket­ten­rau­chenden Keller macht selbst die Ver­ord­nung eine Aus­nahme: "Das Rauch­verbot gilt nicht für Dar­steller während der Proben und Ver­an­stal­tungen, soweit das Rau­chen in der Art der Ver­an­stal­tung begründet ist."

Damit trotzdem nichts pas­siert (und auch weil ein Schein­werfer platzen oder durch tech­ni­sche Defekte irgend­etwas Feuer fangen könnte), ordnet die Heil­bronner Feu­er­wehr zu jeder Vor­stel­lung im Großen Haus und Komödien­haus je zwei Mann als Brand­si­cher­heits­wache ab. In den klei­neren Kam­mer­spielen (150 Plätze) genügt einer.

Dass im Aschen­be­cher des Paraiso-Kell­ners Wasser sein muss, weiß das ständig wech­selnde Feuerwächter-Duo aus dem Abnah­me­be­richt, den Haupt­brand­meister Wolf­gang Schlipf nach der Gene­ral­probe gefer­tigt hat. Dort ist auch fest­ge­legt, wohin sie sich stellen oder setzen sollen, um das Geschehen auf der Bühne zu ver­folgen: unsichtbar für die Zuschauer, aber mit wachem freiem Blick auf die Szene.

Bevor sie jedoch ihre Posten beziehen, gehen sie in den laby­rin­thi­schen Gängen des Thea­ters auf Sicher­heits­rund­gang. Sie prüfen, ob die Wand­hy­dranten in Ord­nung sind und ob die Flucht­we­ge­schilder leuchten, ver­ge­wis­sern sich, dass in der Schnei­derei alle Nähma­schinen aus­ge­schaltet sind, und sehen in Kulis­sen­lager, Kostümfundus und Unterbühne nach dem Rechten.

"Während der Vor­stel­lung war noch nie was", sagt Klaus Herr­mann und klopft auf den hölzernen Bühnen­boden. Bräche nämlich tatsächlich einmal ein Feuer aus, dann hätte der wach­ha­bende Flo­ri­ansjünger einen außerplanmäßigen Auf­tritt im Stück, müsste dem Publikum verkünden, dass das Spiel unter­bro­chen wird. Und schlimms­ten­falls den eisernen Vor­hang her­un­ter­lassen, der Bühne und Zuschau­er­raum binnen 30 Sekunden feu­er­dicht von­ein­ander trennt.

Seit Bestehen des Heil­bronner Thea­ters 1982 ist das "noch nie vor­ge­kommen", sagt Haupt­brand­meister Schlipf. Außer natürlich vor jeder Vor­stel­lung, als Test.

In 19 von 20 Vor­stel­lungen schieben übri­gens Angehörige der Frei­wil­ligen Feu­er­wehren Brand­wache. Manche gern, manche weniger begeis­tert. Wolf­gang Schlipf sieht als Wach­ha­bender "früher oder später jedes Stück, das hier läuft", allein schon um es mit der Gene­ral­probe zu ver­glei­chen und auch wenn er "nicht müsste". Ganz nebenbei genießt er es, Stars wie Johannes Heesters und Grit Boett­cher aus der Nähe zu sehen. Und aus seiner Feu­er­wehr­ni­sche heraus immer wieder erfreut fest­zu­stellen: "Die sagen freund­lich Grüß Gott."

Bild: Ein "beson­derer Platz für die Brand­si­cher­heits­wache": Min­des­tens ein Qua­drat­meter Standfläche und 2,20 Meter Höhe müssen Feu­er­wehr­leuten wie Wolf­gang Schlipf laut Gesetz am Bühnen­rand zur Verfügung stehen. (Foto: Dirks)