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Bretzfeld: Neunjährige stirbt in Flammen

von Oliver Färber HSt

22 Ver­letzte bei Woh­nungs­brand in Scheppach am frühen Sonn­tag­morgen

Es war kurz nach 4 Uhr am Sonn­tag­morgen, als Bewohner des Mehr­fa­mi­li­en­hauses in der Schepp­a­cher Orts­mitte das Feuer ent­deckten und per Notruf 112 die Feu­er­wehr verständigten. Nach ersten Poli­zei­an­gaben war der Brand ver­mut­lich im Kin­der­zimmer einer Woh­nung im ersten Ober­ge­schoss aus­ge­bro­chen. Zu dieser Zeit schliefen dort ein fünf- und ein neunjähriges Mädchen. Ihre 13-jährige Schwester hatte in dieser Nacht bei einer Freundin über­nachtet.

Aus dem Schlaf auf­ge­schreckt, schafften es die 36-jährige Mutter und ihr 38-jähriger Lebensgefährte gerade noch, sich mit der Fünfjährigen ins Freie zu retten. Die Neunjährige erreichten sie wegen der Flammen nicht mehr. Die Bretz­felder Feu­er­wehr war zwar schnell vor Ort. Doch das Kin­der­zimmer brannte bereits lich­terloh, und auch sie konnte dem Mädchen nicht mehr helfen.

Die Ret­tungskräfte eva­ku­ierten die Haus­be­wohner. Dabei stellte sich schnell heraus, dass eine große Zahl von ihnen Brand­gase ein­ge­atmet hatte. Die Leit­stelle alar­mierte - außer den ohnehin dienst­ha­benden Kräften des Ret­tungs­dienstes - auch die Helfer der Schnell­ein­satz­gruppen Öhringen und Künzelsau. „Wir ver­sorgen gerade ins­ge­samt 22 Men­schen“, erklärte Ret­tungs­dienst­leiter Jens Müller. 14 Haus­be­wohner wurden in Kran­kenhäuser ein­ge­lie­fert, unter ihnen sieben Kinder. Drei Men­schen wurden durch die Gase schwer ver­letzt. Eine Not­fall­seel­sor­gerin betreute die Angehörigen des toten Mädchens. Auch Bürger­meister Thomas Föhl war vor Ort.

Die Bretz­felder Feu­er­wehr bekam Unterstützung von ihren Öhringer Kame­raden. Gemeinsam brachten sie den Brand schnell unter Kon­trolle. Die Mann­schaft ver­hin­derte, dass sich das Feuer auf wei­tere Woh­nungen des Hauses aus­dehnte. Bei den Löschar­beiten fanden die Kräfte zwei tote Katzen. „Durch Rauch­melder wären die Bewohner vor den Flammen früh gewarnt worden“, meinte Kreis­brand­meister Günther Uhl­mann.

Am Sonn­tag­mittag ist es ruhig in Scheppach. Die Feu­er­wehr und ein Hand­werker sorgen dafür, dass das beschädigte Dach notdürftig abge­dichtet wird. Die Erleb­nisse der Nacht haben die Ein­satzkräfte noch nicht ver­ar­beitet. „Man strengt sich an und gibt sein Bestes. Und dann ist es schreck­lich, wenn man jemanden nur noch tot findet“, sagt der Feu­er­wehr­mann, der die Neunjährige ent­deckt hat.

Nach­barin Claudia Win­disch beob­achtet die Arbeiten. „Ich war mit die Erste, die den Brand bemerkt hat“, erzählt sie leise mit bestürzter Stimme. In ihrer Woh­nung kamen zunächst die eva­ku­ierten Haus­be­wohner unter. Der Tod des Mädchens belastet sie sehr: „Es ist ein Elend.“ Elfriede Weibler hat erst am Morgen vom Brand im Nach­bar­haus erfahren. Als sie die Poli­zei­autos sah, dachte sie zunächst an einen Unfall, erfährt dann von dem schreck­li­chen Geschehen. „Es tut mir wirk­lich sehr leid um das Kind. Sie war uns eine gute Freundin“, sagt sie mit Tränen in den Augen.

Die Polizei schätzt den Sach­schaden der­zeit auf rund 100 000 Euro. Die Brand­ur­sache liegt noch im Dun­keln. Die Kri­mi­nal­po­lizei hat die Ermitt­lungen auf­ge­nommen. „Bis jetzt liegen keine Erkennt­nisse vor, dass Kerzen oder offenes Feuer zu dem Brand geführt haben“, erklärte Alfred Leuser von der Kripo Künzelsau. Eine tech­ni­sche Ursache sei nicht aus­zu­schließen. Heute for­schen Brand­sach­verständige des Lan­des­kri­mi­nal­amtes nach der Ursache des Feuers.

Fotos:
Obwohl die von Haus­be­woh­nern verständigten Feu­er­wehr­leute aus Bretz­feld und Öhringen schnell vor Ort waren, brannte das Kin­der­zimmer bereits lich­terloh, so dass sie die Neunjährige nicht mehr aus den Flammen retten konnten.

Im Kin­der­zimmer im ersten Ober­ge­schoss wüteten die Flammen zuerst.
Fotos: Oliver Färber