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Blitzschnell verliert eine Familie Hab und Gut

Obersulmvon Reto Bosch und Gustav Döttling, HSt

Blau­lichter blitzen, Pumpen rat­tern, Feu­er­wehrmänner hasten durch die Nacht, und zahl­lose Feu­er­wehr­schläuche schlängeln sich durch die Straßen in Wies­lens­dorf. Immer wieder knallen Ziegel vom Dach des bren­nenden Wohn­hauses im Eisen­bahnweg auf die Straße. Die Scheune des Anwe­sens ist bereits bis auf die Grund­mauern nie­der­ge­brannt. Geschätzter Schaden: über 200.000 Euro. 25 Hühner sterben.

Schutz der Nach­barn Ein Blitz­schlag hat gegen 1.30 Uhr die Scheune in Brand gesteckt. „Wir sind gegen 1.38 Uhr ein­ge­troffen“, sagt Reiner Frisch von der Ein­satz­lei­tung. „Ist das eine Gewalt, wenn ein ganzes Haus brennt“, schaut Nachbar Andreas Paulin fas­sungslos. Die Wehren errichten Rie­gel­stel­lungen, um Nach­bargebäude zu schützen. Immer wieder lösen sich die zehn Atem­schutzträger­trupps ab. Als ein Feu­er­wehr­mann durch die Decke bricht, retten ihn seine Kame­raden. Laut Kreis­brand­meister Uwe Vogel ist er leicht ver­letzt.

„Wir sind mit rund 60 Mann und fast allen Fahr­zeugen im Ein­satz“, berichtet Reiner Frisch von der Ein­satz­lei­tung. Die Heil­bronner Berufs­feu­er­wehr ist mit einem Tank­wagen und die Feu­er­wehr Weins­berg mit einem Schlauch­wagen zu Hilfe geeilt. Obwohl zwei Trak­toren mit Spritzfässern für den Was­ser­nach­schub zwi­schen Eschenau und Wies­lens­dorf pen­deln, ertönt der Ruf: „Das Wasser ist alle“. Grund: „Wir ent­ziehen den Hydranten mehr Wasser als nachläuft“, erklärt Ober­sulms desi­gnierter Kom­man­dant Michael Schep­perle.

Erschöpfung Am Tag danach: Heiner Stutz ist die Erschöpfung im Gesicht abzu­lesen. Dem 64-Jährigen gehört das Haus, in dem er mit seiner gleich­alt­rigen Frau bis ges­tern lebte. Übergangs­weise wohnte auch Sohn Martin mit seiner Familie in dem Haus, bis der benach­barte Neubau bezugs­fertig ist. In einer Nacht hat die Familie einen Großteil ihres Besitzes ver­loren. „Da ist nichts mehr zu retten“, meint Heiner Stutz. Immer wieder blickt er auf die Dach­reste des Wohngebäudes. Rauch­schaden weisen auf Glut­nester hin. Diese rufen kurz vor 12 Uhr noch einmal die Ober­sulmer Feu­er­wehr auf den Plan. Mit der Dreh­leiter gehen die Aktiven gegen die gefährli­chen Nester vor.

Martin Stutz hat heute Geburtstag. Seinen 38. Und jetzt das. Dazu kommt, dass seine Frau wegen eines Unfalls noch immer im Kran­ken­haus liegt. „Irgend­wann reicht es.“ Trotzdem sagt er auch: „Das Wich­tigste ist, dass bei dem Brand nie­mand ver­letzt worden ist.“ Ärger­lich sei, dass das Wohn­haus im ver­gan­genen Jahr grund­le­gend reno­viert worden sei: neues Bad, neue Böden, neue Küche. Seine beiden Kinder hätten fast ihr gesamtes Spiel­zeug ver­loren. Für Vier- und Sechsjährige ein harter Schlag. Bruder Markus Stutz hatte in der Scheune ein Motorrad unter­ge­stellt. Er zeigt auf ein demo­liertes Stück Metall: Nur der Tank sei übrig geblieben. Der Zusam­men­halt in Wies­lens­dorf stimmt. Viele wollen helfen, zum Bei­spiel mit Klei­dern. „Uns wurden meh­rere Woh­nungen und ein Wohn­mobil ange­boten“, sagt Heiner Stutz. Mit 64 Jahren noch einmal bauen? Keine rosigen Aus­sichten. „Wir haben gedacht, das Haus hält uns noch aus.“

Bild 1: Seit 150 Jahren steht das Haus in der Wies­lens­dorfer Eisen­bahn­straße. Ein Blitz­schlag reichte aus, um diese Geschichte zu beenden. Bild 2: Glut­nester: Die Feu­er­wehr rückte erneut an. Bild 3: Das Feuer brei­tete sich rasch aus. Die Flammen schlugen meter­hoch aus Scheune und Wohn­haus und erhitzten die Luft in der gesamten Umge­bung.