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Berufswunsch, angeboren

Heilbronnvon Franziska Feinäugle, HSt

Feu­er­wehr­mann. Der Klas­siker unter den ganz frühen Berufswünschen ist kein Kli­schee, son­dern manchmal sogar ange­boren. Viele lebende Bei­spiele dafür konnte man am Samstag in der Heil­bronner Fußgänger­zone beob­achten: bei der Unterländer Aus­gabe des deutsch­land­weiten Jugend­feu­er­wehr-Akti­ons­tags.

Gerade mal ein Jahr und vier Monate alt ist der Bub, der sich von seinem Papa Axel Kühnert begeis­tert auf ein Löschfahr­zeug heben lässt. „Wojewa“: So klingt es, wenn Hilmar-Örn Kühnert „Feu­er­wehr“ sagt. Wie die Feu­er­wehr macht, weiß der kleine Bad Fried­richs­haller auch: „Dadüdada.“ Sein Vater ist über­zeugt: Der Junge will mal Feu­er­wehr­mann werden.

Da wäre Hilmar-Örn nicht der Erste, wenn auch, viel­leicht, der Jüngste. Markus Knob­loch (15), Sohn eines Frei­wil­ligen Feu­er­wehr­manns aus Heil­bronn-Fran­ken­bach, wollte schon zur Feu­er­wehr, seit er sechs war. Er musste warten, bis er zwölf wurde. Beim Akti­onstag am Samstag erklärt er an einem der großen Löschfahr­zeuge die ver­schie­denen Geräte und wofür man sie benutzt.

Männerdomäne Was ihm bei der Jugend­feu­er­wehr am meisten Spaß macht? „Die Löschübungen.“ Da macht jeder mit, jeder hat seine Auf­gabe. Und auch: jede. Wobei die Jungs nicht nur in der Heil­bronner Jugend­feu­er­wehr „die große Mehr­heit“ sind. „Drei, vier Mädchen von ins­ge­samt 20 bis 30“, peilt Philipp Saller aus Heil­bronn-Biberach über den Daumen, wie sich die Gruppe zusam­men­setzt. „Mädchen haben wir viel zu wenig“, bestätigt auch Kreis­ju­gend­wart Knut Stein­bauer, Ver­treter der Land­kreis-Jugend­feu­er­wehren. „Männer­sache“ sei Feu­er­wehr in vielen Land­kreis­ge­meinden nach wie vor. „Ein Mädchen, das zur Jugend­feu­er­wehr geht, ist in vielen Orten dann das ein­zige Mädchen dort.“ Dabei ist der Feu­er­wehr­wunsch, zumin­dest bei den Kin­dern, die am Samstag auf die Leiter steigen und bei der Ret­tungsübung mit­ma­chen, gleichmäßigüber beide Geschlechter ver­teilt.

Kin­der­feu­er­wehr Die Bad Wimp­fener Feu­er­wehr kommt dem Wunsch der Kinder seit 2005 weit ent­gegen, Schwai­gern hat jetzt nach­ge­zogen: Beide Gemeinden haben inzwi­schen eine Kin­der­feu­er­wehr. Fünf Jahre „sind ein günstiges Alter“, findet Erzie­herin und Feu­er­wehr­frau Chris­tiane Fuchs, die die Bad Wimp­fener Kin­der­feu­er­wehr leitet. Mit zehn Jahren - so das aktu­elle Ein­stiegs­alter für die Jugend­feu­er­wehr - „sind ganz viele schon zum Tennis oder Fußball abge­worben“. Den Heil­bronner Markus Knob­loch, der sechs Jahre lang geduldig gewartet hat, nennt sie einen Glücks­fall: „Viele geben den Wunsch bis dahin auf.“

Übri­gens: Sogar Dietmar Herr­mann, Chef-Deko­ra­teur bei Galeria Kaufhof, wollte als Kind Feu­er­wehr­mann werden. Am Samstag freute er sich über die Koope­ra­tion zwi­schen Kaufhof und Feu­er­wehr, die es in dieser Form noch nie gegeben hat. „Feu­er­wehr­mann Sam“, eine Fernseh- und Spiel­zeug­figur, stand Pate für die bun­des­weite Gemein­schafts­ak­tion zu Gunsten der Ehren­amt­li­chen. Herr­mann: „Wir spenden von jedem ver­kauften Sam-Artikel zwei Euro an die Jugend­feu­er­wehren.“

Bild: Hoch hinauf: Wenn es um die zwölf Meter Rich­tung Kaufhof-Dach ging, waren am Samstag die Mädchen häufig mutiger als die Jungen. (Foto: Dittmar Dirks)