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Wie giftig war die Rauchwolke beim Großbrand?

Schwaigernvon Andreas Tschürtz, HSt

Wer am Sonn­tag­mittag in Rich­tung Indus­trie­ge­biet Schwai­gern schaute, sah über der Recy­cling­firma Kurz eine dunkle Rauch­wolke in den Himmel steigen. Bekam man den Qualm in die Nase, konnte man rie­chen, wie sehr der Rauch stank. Doch wie gefährlich war der Qualm? Immerhin wurden die Bürger in Schwai­gern und Lein­garten über das Radio auf­ge­for­dert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Und die Feu­er­wehr ermit­telte Salzsäure im Rauch.

War­nung ist Rou­tine

„Zunächsteinmal ist eine Rund­funk­durch­sage bei einem Brand dieser Größe reine Rou­tine“, sagt Dr. Stefan Sen­del­bach, Fach­be­rater Chemie der Feu­er­wehr. Der Neckar­sulmer Che­miker hatte bei den Mes­sungen die Salzsäure fest­ge­stellt. „Dadurch konnten wir schnell sicher sein, dass in der Halle auch PVC brennt.“

Auf­grund der Mes­sungen ent­schied die Ein­satz­leit­stelle, nie­manden ohne Atem­schutz in die Halle zu schi­cken. „Es bestand aber keine Gefahr außerhalb des Rau­ches und in 100 Meter Ent­fer­nung war der Chlor­was­ser­stoff (Anm. d. Redak­tion: Salzsäure) nicht mehr nach­weisbar“, sagt Sen­del­bach. „Selbst wenn Per­sonen direkt in der Wolke gestanden hätten, dann würden sie das zunächst einmal merken. Aber wir haben keine Hin­weise, dass Leute über Atem­rei­zungen geklagt hätten.“ Er sagt auch Im Rauch selbst, habe man bei den Stich­proben keine höhere Kon­zen­tra­tion gemessen, als die maximal am Arbeits­platz zulässige.

Wind stand günstig

Auch der Schwai­gerner Feu­er­wehr­kom­man­dant Albert Decker sieht keine Gefahr für die Bürger: „Der Rauch ist an Lein­garten vorbei in südöstli­cher Rich­tung zum Heu­chel­berg gezogen.“ Der Aufruf, Fenster und Türen geschlossen zu halten, war für ihn den­noch eine wich­tige Vor­sichtsmaßnahme. „Schließlich muss nie­mand unbe­dingt Brand­rauch ein­atmen.“ Schließlich sei Rauch grundsätzlich gesund­heitsschädlich, sagt Stefan Sen­del­bach sätzlich, so der Fach­mann, sei Rauch aber immer gesund­heitsschädlich. „Und bei jedem Brand, auch am Lager­feuer, ent­stehen Schad­stoffe. Das ist was Natürli­ches.“

Stich­wort: Angst vor dem Rauch

Bei der Ver­bren­nung von PVC können Dioxine ent­stehen. Ent­schei­dend für ihre Bil­dung ist die Tem­pe­ratur (bei 300°C bildet sich viel Dioxin, ab 600°C wenig) und die Menge an Sau­er­stoff (viel Sau­er­stoff ist förder­lich), Kupfer wirkt als Kata­ly­sator. Beim Schwai­gerner Großbrand waren diese Bedin­gungen nur bedingt gegeben. Ins­ge­samt beschäftigte der Großbrand etwa 225 Ein­satzkräfte von Feu­er­wehr, DRK und Ret­tungs­dienst. Keinem der Hilfskräfte ist etwas pas­siert.